Marktberichte

Wall Street im Rekordfieber Berichtssaison verleiht Dax kräftig Schwung

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Nach einem verhaltenen Start legt der Dax ab dem Vormittag munter los.

(Foto: REUTERS)

Nach einer zweitägigen Pause geht die Erholungsrally des Dax nach dem Brexit-Crash weiter. Diesmal sind es starke Quartalsberichte von SAP und VW, welche den Leitindex anschieben. Auch eine leise Hoffnung auf die EZB macht Anleger wieder mutiger.

Mit großen Schritten macht sich der Dax daran, seinen Durchhänger nach dem Brexit-Votum der Briten vollständig zu egalisieren. Nach einem erfolgreichen Handelstag zur Wochenmitte kletterte der deutsche Leitindex um 1,6 Prozent auf 10.142 Punkte. Vor dem Brexit-Votum stand er bei 10.257 Punkten, gab danach aber fast 1000 Punkte ab.

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Überraschend gute vorläufige Quartalszahlen von Volkswagen sorgten diesmal für Aktienkäufe im Automobilsektor und führten auch den Dax nach oben. Auch der europäische Technologiesektor war nach guten Ergebnissen des Schwergewichts SAP gesucht. Die SAP-Aktie stieg auf den höchsten Stand des Jahres.

Die Aktienmärkte wurden einen Tag vor der Sitzung der Europäischen Zentralbank möglicherweise auch von der Spekulation auf weitere geldpolitische Lockerungen getragen. "Erneut findet die Zusammenkunft (der EZB) in einem von Unsicherheit und Volatilität geprägten Marktumfeld statt, was die Notenbank zu einem gewissen Aktionismus zwingen könnte", sagte Mario Gruppe von der Nord LB.

Vor allem das britische Brexit-Votum habe den Renditeverfall an den Rentenmärkten noch beschleunigt. Dieser erschwere der Euro-Notenbank die Wertpapierkäufe "erheblich", sagte Gruppe. Zumal eine grundsätzliche Änderung der Zinsperspektiven nicht in Sicht sei. Anleihen, die niedriger rentieren als der Leitzins der EZB von minus 0,40 Prozent fallen aus dem Pool der für Käufe durch die EZB geeigneten Papiere.

Frankfurt: VW nach Halbjahrszahlen Dax-Spitzenreiter

Der Dax schloss am Ende 1,6 Prozent höher auf 10.142 Punkten, der Nebenwerte-Index MDax legte um 0,7 Prozent zu auf 20.874 Zähler. Um 1,5 Prozent nach oben ging es für den TecDax auf 1665 Punkte. Der Euro-Stoxx-50 verbesserte sich um 1,3 Prozent auf 2968 Stellen.

VW Vorzüge
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Größter Gewinner im Dax waren die Aktien von VW, die nach einem Tageshoch bei 124,90 Euro um 6,0 Prozent verbessert auf 123,45 Euro aus dem Handel gingen. Denn trotz negativer Sondereffekte von 2,2 Milliarden Euro im ersten Halbjahr - Nachwirkungen des Abgas-Skandals - übertraf der Gewinn des Autobauers die Erwartungen von vielen Analysten: Operativ und vor den genannten Sondereinflüssen erwirtschaftete der Konzern zwischen Januar und Juni einen Gewinn von 7,5 Milliarden Euro, nach 6,99 Milliarden Euro im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Damit hätte sich bei den operativen Erträgen ohne die Abgas-Affäre ein Plus von rund 7 Prozent ergeben.

SAP reagierten mit Aufschlägen von 5,7 Prozent auf die Veröffentlichung der Zweitquartalszahlen. "Operativ sind die Zahlen stark", sagte Heino Ruland von Ruland Research. Auch die Lizenzumsätze hätten sich positiv entwickelt, das Volumen von über einer Milliarde Euro liege deutlich über den Erwartungen. Von anderer Seite wird die gute Margenentwicklung herausgestellt. Diese habe auch von niedrigeren Kosten profitiert. "Der Kurs könnte das Jahreshoch bei knapp 75 Euro in den Blick nehmen", so dieser Händler.

Das Interesse von Lufthansa an Slots von Air Berlin drückte die Lufthansa-Aktie um 0,1 Prozent. "Dazu sind die Unwägbarkeiten zu groß, unter anderem die kartellrechtlichen Fragen", sagte ein Händler. Das Handelsblatt schreibt, Lufthansa spreche mit Etihad, dem größten Aktionär des deutschen Rivalen, über eine Übernahme der Strecken, die nicht über die Drehkreuze Düsseldorf und Berlin führten. Zu den entsprechenden Start- und Landeslots gehörten rund 40 Flugzeuge mitsamt Crews. Die Aktie von Air Berlin hingegen schossen um mehr als 20 Prozent nach oben.

Im MDax verloren Hochtief 6,0 Prozent. Die australische Tochter Cimic war nach Quartalszahlen um 20 Prozent an der Börse Sydney eingebrochen. Deutsche Bank und Macquarie haben daraufhin die Cimic-Aktie abgestuft.

USA: Dow markiert neuen Rekord

Dow Jones
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Positive Unternehmensbilanzen schieben die Wall Street an. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte notiert 0,2 Prozent fester bei 18.598 Punkten - zuvor hatte er einen neuen Rekord bei 18.619 Punkten aufgestellt. Der breiter gefasste S&P-500 gewinnt 0,4 Prozent auf ein Rekord-Hoch von 2174 Zählern. Der Index der Technologiebörse Nasdaq legt 1,0 Prozent auf 5085 Stellen zu.

Zu den größten Gewinnern gehören die Aktien von Microsoft, die 6,5 Prozent zulegen. Der Softwarekonzern macht Fortschritte im zukunftsträchtigen Cloud-Geschäft und übertraf mit seinen Quartalszahlen die Erwartungen.

Im Fokus der Anleger steht auch die Investmentbank Morgan Stanley, die im zweiten Quartal weniger verdiente. Händler verweisen aber darauf, dass die Bilanz - auch dank Kostensenkungen - besser ausfiel als erwartet. Die Papiere von Morgan Stanley notieren 2,8 Prozent im Plus.

Der Aktienkurs von Halliburton hingegen gibt 1,6 Prozent nach. Dem US-Öldienstleister brockte die gescheiterte Übernahme des Rivalen Baker Hughes einen Milliarden-Verlust ein, weil das Unternehmen eine hohe Vertragsstrafe zahlen musste.

Asien: Gewinnmitnahmen nach Kursrally

Nikkei
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Gewinnmitnahmen haben die Börsen in Fernost ins Minus gedrückt. Anleger machten nach der jüngsten Kursrally Kasse. In Asien ließ der Risikoappetit deutlich nach, nachdem der Internationale Währungsfonds (IWF) am Dienstag die Wachstumsaussichten für die Weltwirtschaft zurückgestuft und dies mit dem Brexit-Votum begründet hatte.

Der Leitindex Nikkei schloss mit einem Minus von 0,3 Prozent auf 16.681 Punkte. Es war der erste Verlust nach einer Woche mit Gewinnen. Analyst Takuya Takahashi vom Finanzhaus Daiwa Securities kündigte an, Entscheidungen der Notenbanken in der nächsten Woche könnten die Stimmung wieder drehen.

Nintendo
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Nintendo-Aktien brachen fast 13 Prozent ein. Anleger verkauften in Massen, nachdem sich zuletzt der Börsenwert des Unternehmens wegen des Erfolgs des neuen Handy-Spiels "Pokemon Go" in nur wenigen Tagen mehr als verdoppelt hatte. Am Mittwoch sorgte ein Bericht für den Ausverkauf, dass sich die Einführung des Spiels auf dem Heimatmarkt verzögern dürfte.

Erster Sponsoringpartner des Spiels soll nach der Technologiewebseite TechCrunch McDonald's Japan werden. Der Aktienkurs der Schnellrestaurant-Kette schoss daraufhin um fast zehn Prozent in die Höhe.

An den Börsen in Taiwan, Shanghai und Südkorea ging es ebenfalls nach unten. Gegen den Trend tendierte der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans 0,3 Prozent höher.

Devisen: Euro nah an der 1,10-Dollar-Marke

Der Kurs des Euro hat sich einen Tag vor den Entscheidungen der Europäischen Zentralbank (EZB) wenig verändert. Am Nachmittag kostete die Gemeinschaftswährung 1,1020 US-Dollar. Sie lag damit ungefähr auf dem Niveau vom frühen Handel. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1013 (Dienstag: 1,1035) Dollar fest.

Anfängliche leichte Kursverluste machte der Euro am Nachmittag wieder wett. Das Verbrauchervertrauen in den 19 Ländern der Eurozone hatte sich im Juli trotz der Brexit-Entscheidung in Großbritannien nicht so stark eingetrübt wie erwartet. Mit Spannung erwartet wird am Devisenmarkt, wie EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag die Auswirkungen der Brexit-Abstimmung in Großbritannien auf die Wirtschaft der Eurozone bewertet. Sollte er Hinweise auf erneute Schritte der Notenbank im weiteren Jahresverlauf geben, könnte dies den Eurokurs belasten.

Rohstoffe: Ölpreise schwanken

Nach einem freundlichen Start haben die Ölpreise am Nachmittag in die Verlustzone gedreht, nur um sich wenig später wieder zu erholen. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete zuletzt 47,12 US-Dollar. Das waren 46 Cent oder 1,0 Prozent weniger als am Dienstag. Der Preis pro Barrel WTI fiel um 34 Cent oder 0,8 Prozent auf 45,76 Dollar.

Nach Zahlen des privaten American Petroleum Institute sind die US-Rohölbestände in der vergangenen Wochen weiter gefallen. Am Mittwochnachmittag veröffentlicht die US-Regierung offizielle Zahlen. Es wird mit einem erneuten Rückgang, allerdings von hohem Niveau aus, gerechnet.

Quelle: ntv.de, kst/bdk/rts/DJ/dpa