Marktberichte

Dax-Vorschau Börsianer riechen Risiken

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Andrang auf der Besuchertribüne: "Theoretisch (...) steigende Kurse - wäre da nur nicht die Eurokrise."

(Foto: REUTERS)

Der deutsche Aktienmarkt steuert unruhiges Fahrwasser an: Anleger müssen sich in der kommenden Woche auf starke Impulse aus unterschiedlichen Richtungen einstellen. Noch ist die Athener Schuldenkrise ungeklärt, Italien wagt sich an den Kapitalmarkt und in Deutschland kommt die Bilanzsaison in Fahrt.

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So ging der deutsche Aktienmarkt ins Wochenende: Leichtes Minus am Freitag, klares im Plus auf Wochensicht.

(Foto: REUTERS)

Die drohende Staatspleite Griechenlands und der besorgniserregende Anstieg der portugiesischen Renditen könnten Dax-Anlegern in der neuen Woche ordentlich die Laune verderben. "Theoretisch sprechen die insgesamt wieder positivere Entwicklung der US-Konjunktur und die Nullzinspolitik der Fed für steigende Kurse - wäre da nur nicht die Eurokrise", sagt Aktienstratege Tobias Basse von der NordLB.

Vor allem das anhaltende Gezerre um ein zweites Hilfspaket für Griechenland könnte seiner Meinung nach jederzeit zu Rücksetzern im Dax führen. In der abgelaufenen Woche hat der Leitindex rund 2 Prozent zugelegt. Am Freitag war das Börsenbarometer mit einem leichten Minus von 0,4 Prozent bei 6512 Punkten aus dem Handel gegangen. Über den Zeitraum der vergangenen vier Wochen liegt das Plus bei 10,6 Prozent.

Große Unsicherheit besteht weiterhin im Hinblick auf Griechenland: Die Regierung in Athen verhandelt mit seinen privaten Gläubigern bereits seit Wochen über einen Forderungsverzicht - der Schuldenerlass ist eine wichtige Voraussetzung für weitere Hilfskredite der Euro-Staaten und des Internationalen Währungsfonds (IWF) über 130 Mrd. Euro. Durch einen freiwilligen Verzicht der privaten Gläubiger soll der Schuldenberg von insgesamt 350 Mrd. Euro bis 2020 um 100 Mrd. Euro auf eine Quote von 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts abgebaut werden. Das senkt die Zinslasten und soll dazu beitragen, dass Griechenland dann wieder auf eigenen Beinen stehen kann.

"Uns würde es nicht überraschen, wenn sich die Parteien erst Anfang März und damit in letzter Minute auf ein zweites Hilfspaket einigen", schreiben die Commerzbank-Volkswirte Jörg Krämer und Christoph Weil in einem Kommentar. Spätestens Ende März, wenn eine Anleihe von mehr als 14 Mrd. Euro fällig wird, droht dem klammen Griechenland die Zahlungsunfähigkeit.

Europa eilt zum EU-Gipfel

Zu Beginn der Woche steht das Thema Staatsschulden dann auch beim Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs ganz oben auf der Agenda. Mit einem Fiskalpakt - ein Doppelpack aus strengerer Haushaltsdisziplin und neuen Anstrengungen zur Ankurbelung des Wachstums - wollen die Politiker einen Ausweg aus der Schuldenkrise vorbereiten.

Stark verschuldete Euro-Länder können sich offenbar keine Hoffnung mehr machen, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel am Montag einer Erhöhung der ESM-Mittel zustimmen wird. Das Thema stehe nicht auf der Tagesordnung, hieß es bislang kategorisch. Merkel hatte bereits mehrfach betont, dass die Überprüfung des Gesamtvolumens des Fonds von 500 Mrd. Euro erst beim nächsten Gipfel im März ansteht.

Wie es um das Misstrauen der Investoren in das Management der europäischen Schuldenkrise bestellt ist, dürfte sich auch bei den in der neuen Woche anstehenden Bond-Emissionen zeigen. Am Montag will Italien unter anderem zehnjährige Anleihen ausgeben, Portugal folgt mit kurzlaufenden Papieren am Mittwoch. Immer mehr Investoren stellten sich darauf ein, dass das klamme Land ähnlich wie Griechenland ein zweites Hilfspaket und einen Schuldenschnitt brauche, sagten Händler. Die Renditen der fünf- und zehnjährigen portugiesischen Papiere stiegen zuletzt auf den höchsten Stand seit Einführung des Euro.

Erste Bilanz-Höhepunkte

In Deutschland gewinnt Bilanzsaison langsam an Fahrt. Den ersten Höhepunkt aus dieser Richtung erwarten Händler am Donnerstag, wenn Deutsche Bank und Munich Re ihre vorläufigen Geschäftszahlen vorlegen. Einen Tag früher will Infineon einen Blick in seine Bücher gewähren.

Die Bilanzsaison im Ausland steht im Zeichen der Pharmawerte. Neben den US-Unternehmen Pfizer und Eli Lilly (jeweils Dienstag) haben auch Roche aus der Schweiz (Mittwoch) und die britisch-schwedische AstraZeneca (Donnerstag) die Vorlage von Geschäftszahlen angekündigt.

Augen auf am US-Arbeitsmarkt

Auf Konjunkturseite richtet sich die Aufmerksamkeit der Investoren auf die US-Arbeitsmarktdaten am Freitag. Im Vorfeld befragte Analysten sagen für Januar einen Rückgang des Stellenaufbaus außerhalb der US-Landwirtschaft auf 167.000 voraus. Im Vormonat waren noch 200.000 Stellen geschaffen worden. Bereits zwei Tage zuvor liefert der Bericht der privaten Arbeitsagentur ADP einen Vorgeschmack.

"Die Indikatoren zum amerikanischen Arbeitsmarkt und die Lage im verarbeitenden Gewerbe sollten belegen, dass die US-Wirtschaft weiter mit moderatem Tempo wächst", prognostizierte Commerzbank-Analyst Christoph Balz. Unterstützung für die US-Wirtschaft kam am vergangenen Mittwoch von der Fed: Die US-Notenbank will ihren Zins wegen der hartnäckigen Konjunkturflaute nicht vor Ende 2014 nach oben schrauben.

Quelle: ntv.de, dpa