Marktberichte

Wall Street erneut im Plus Dax-Anleger gehen nicht "risk on"

Zur Wochenmitte fehlen am deutschen Aktienmarkt die Impulse. Der Euro bleibt stark, die Autowerte stehen unter Druck - dennoch sind die Umsätze mau. Die Zurückhaltung der Anleger hat zwei Gründe.

"Maue Umsätze, fehlende Impulse: Wir treten auf der Stelle." So hat n-tv-Börsenexpertin Susanne Althoff den Mittwochshandel am deutschen Aktienmarkt kommentiert. Der Dax bewegte sich in einer Handelsspanne zwischen 12.618 und 12.662 Punkten. Der weiterhin starke Euro wirkte dabei ebenso bremsend, wie die Veröffentlichung des Protokolls der letzten Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), die allerdings erst nach Börsenschluss in Deutschland stattfand.

Der Dax schloss 0,1 Prozent im Minus bei 12.643 Punkten. Am Montag hatte er leicht nachgegeben, am Dienstag dann etwas zugelegt. Der MDax gewann 0,3 Prozent  auf 25.081 Zähler. Der TecDax zeigte sich mit 2256 Stellen 0,9 Prozent fester. Er verabschiedete sich damit mit einem 16-Jahresrekord. "Der TecDax weist Relative Stärke auf und folgt damit der Nasdaq", sagte Thorsten Grisse von Commerzbank Technical Analysis and Index Research. "Das nächste Etappenziel liegt bei 2.350 Punkten."

Am Donnerstag steht ein Feiertag an, die Zurückhaltung der Anleger war daher nachvollziehbar, wie es von Marktexperten hieß. Zwar wird an Christi Himmelfahrt gehandelt, aber erfahrungsgemäß sind die Umsätze eher gering.

Dax: Autowerte im Fokus

Bei den Einzelwerten drängten sich erneut die Autowerte in den Vordergrund. Zum einen meldete der Branchenverband Acea frische Daten zu den Verkäufen am Nutzfahrzeuge-Markt. Zum anderen steht Daimler im Verdacht, in einen Abgasskandal verwickelt zu sein. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart durchsuchte jüngst mehrere Standorte des Autobauers. Und auch die Klage der US-Umweltbehörde EPA gegen Fiat Chrysler wegen möglicher Abgas-Manipulationen belastete den Sektor. Daimler gaben rund 1,8 Prozent nach und waren damit die größten Verlierer im Leitindex. BMW verloren etwa 0,7 Prozent, VW 0,1 Prozent.

Vonovia hatte die Gewinnprognose für das laufende Jahr erhöht, nachdem die österreichische Conwert Immobilien übernommen wurde. Die Aktien zeigten sich 1,3 Prozent fester.

TecDax: Analysten schieben Medigene

Die nach eigenen Angaben bankenunabhängige Research-Gesellschaft Equity hatte das Kursziel für die Medigene-Aktien auf 18,50 Euro von 13,60 Euro erhöht. Medigene sprangen mehr als 10 Prozent an.

SDax: Showdown bei Grammer

Sixt schlossen mit einem leichten Aufschlag. Positiv bewerteten Händler die Übernahme von Buchbinder durch Europcar. "Sixt kann zwar nicht übernommen werden", sagte ein Marktteilnehmer. Eine Konsolidierung sei aber auch immer gut für die Preise in der Branche, und das stütze auch Sixt leicht, meinte er.

Im Blick stand zudem die Hauptversammlung des Autozulieferers Grammer. Ein Showdown zwischen Management und der Investorenfamilie Hastor deutete sich hierbei an. Die Aktien, die am Dienstag rund 1 Prozent zugelegt hatten, gaben mehr als 1 Prozent ab.

Die positiven Nachrichten bei Rocket Internet dauern an. Der Verlust der Global Fashion Group ging laut einer Unternehmensmitteilung im ersten Quartal auf Ebitda-Basis auf 33,2 Millionen Euro zurück von 46,5 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Zugleich gab Rocket bekannt, dass es 51 Prozent an dem Online-Bekleidungs-Händler Namshi an Emaar Malls verkauft hat. Der Preis liege bei 151 Millionen Dollar. Die Global Fashion Group hält nun noch 49 Prozent. Rocket-Aktien gewannen 4,5 Prozent.

Europa: FCA verklagt

Fiat Chrysler zeigten sich kaum verändert. Das US-Justizministerium hatte den Konzern wegen Abgasmanipulation verklagt. Die Umweltbehörde EPA hatte Fiat Chrysler im Januar beschuldigt, der Konzern habe mit einer Software den Abgasausstoß geschönt. Betroffen seien rund 104.000 Fahrzeuge, und zwar Geländewagen der Marke Jeep Grand Cherokee und Pickup-Trucks der Marke Ram.

Der Schweizer Rohstoffriese Glencore mit einer Marktkapitalisierung von 42 Milliarden Pfund will angeblich den US-Getreidehändler Bunge übernehmen. Das US-Unternehmen hatte jedoch dementiert, mit Glencore zu verhandeln. Aktien von Glencore gaben indes leicht nach.

USA: Fed-Protokoll treibt Kurse an

Erneut aufwärts ist es an der Wall Street gegangen. Damit wurden am fünften Tag in Folge Gewinne verzeichnet, und der S&P-500 erreichte sogar auf Schlussbasis einen neuen Rekordstand. Im Blick stand das Protokoll der US-Notenbank von ihrer Sitzung Anfang Mai. Im Anschluss an dessen Aussagen legten die Aktienkurse zu.

Der Dow-Jones-Index gewann 0,4 Prozent auf 21.012 Punkte, der S&P-500 zog um 0,3 Prozent an, der Nasdaq-Composite legte um 0,4 Prozent zu.

Allerdings bekundeten die Notenbanker durchaus ihre Bereitschaft, die Straffung der Geldpolitik fortzusetzen. Die Schwäche einiger Konjunkturdaten im ersten Quartal - etwa des BIP - sei wohl vorübergehender Natur. Dennoch hatten manche Teilnehmer einen entschiedeneren Ton Richtung Straffung erwartet.

Schwächster Wert im Dow-Jones-Index war die Aktie von General Electric (GE). CEO Jeff Immelt äußerte sich auf einer Investorenkonferenz vorsichtig zur Zukunft. Er bekräftigte zwar das Ziel, im kommenden Jahr einen Gewinn von 2 Dollar je Aktie einzufahren, signalisierte jedoch, dass der schwierige Rohstoffmarkt ein Risiko für dieses Vorhaben darstellen könnte. Für das Papier ging es 1,6 Prozent nach unten.

Für First Solar ging es um 6,7 Prozent nach oben. Die Analysten von JMP Securities haben das Papier auf Outperform erhöht.  Ölpreis profitiert von Lagerdaten nur vorübergehend

Devisen: Euro stabil

Der Euro präsentierte sich am Abend kaum verändert. Die Gemeinschaftswährung, die am Dienstag unter die 1,12er Marke gerutscht war, notierte bei 1,1190 Dollar. Am Dienstag hatte das Tageshoch bei 1,1268 Dollar gelegen. Das war der höchste Stand seit November 2016 gewesen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1193 Dollarr fest nach 1,1215 Dollar am Dienstag.

Der Euro zollte damit dem Höhenflug der vergangenen Tage etwas Tribut. Der Dollar hatte am Dienstag auf breiter Front gegenüber mehreren Währungen zugelegt. Vor dem Sitzungsprotokoll der US-Notenbank hätten einige Anleger wieder beim Dollar zugegriffen, sagten Händler.

Die Experten der Commerzbank dämpften ber die Erwartungen an das Protokoll. "Wer sich heute Abend von den FOMC Minutes vom 3. Mai Neuigkeiten erhofft, wird auch enttäuscht werden." Bereits in der Mitteilung zur letzten Zinssitzung hätten Hinweise zum Timing zukünftiger Zinsschritte gefehlt. Für den Euro rechnen die Commerzbank-Experten für den Rest der Woche mit weiteren Gewinnmitnahmen.

Rohstoffe: Lagerdaten und Opec-Treffen

Der  Ölpreis hielt sich zur Wochenmitte ebenfalls bedeckt und sicherte so die Gewinne vom Dienstag. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent stand am Abend bei 54,20 Dollar und damit 0,2 Prozent höher als am Dienstag. Ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) kostete mit 51,50 Dollar 0,2 Prozent mehr.

Am Markt dreht sich alles um die mögliche Verlängerung einer bereits bestehenden Förderkürzung wichtiger Opec-Staaten und Russlands. Am Markt wird mittlerweile fest damit gerechnet, dass beim Treffen der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) am Donnerstag ein entsprechender Beschluss gefällt wird. Mit der Maßnahme wollen die Ölnationen die Preise stabilisieren.

Asien: Steigende Kurse

Während es an den meisten Börsen in Ostasien nach günstigen US-Vorgaben am Mittwoch leicht nach oben ging, verzeichneten die Plätze in Schanghai und Hongkong kleine Verluste. Hintergrund war, dass die Ratingagentur Moody's China eine schlechtere Bonitätsnote ("A1") verpasst hatte, weil die Kreditwächter mit einer Abschwächung der Finanzkraft des Riesenreiches rechnen und mit steigenden Schulden im Zuge eines sich abschwächenden Wirtschaftswachstums.

Laut Hao Hong, Analyst bei Bocom International in Hongkong, spricht Moody's nur bereits bekannte Dinge an, so dass die Abstufung für China-Experten nicht überraschend komme. Deswegen halte sich die Reaktion an der Börse auch in Grenzen

Tagessieger in Asien war die Börse in Tokio. Der Nikkei-Index schloss 0,7 Prozent höher bei 19.743 Punkten. Rückenwind gab es vor allem für Aktien aus dem Exportsektor.

Quelle: ntv.de, bad/DJ/rts/dpa