Marktberichte

Allzeithoch nur knapp verpasst Dax-Anleger sind auf der Hut

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Die Anleger hoffen weiterhin auf eine Leitzinssenkung im Euroraum.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der deutsche Leitindex legt auf seinem Weg in Richtung einer neuen Bestmarke eine Pause ein. Ukraine, EZB, es gibt viele Fragezeichen im Handel. Trotzdem bleibt die Hoffnung auf mehr. Perplex sind die Anleger bei Nordex, die über zehn Prozent abräumen.

Nach einem rasanten Anstieg des deutschen Leitindex' um fast 300 Punkte in nur fünf Handelstagen ist der Rally die Puste ausgegangen. Die Anleger ließen zur Wochenmitte trotz der Aussicht auf eine neue Geldflut durch die EZB lieber Vorsicht walten.

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Der Dax notierte bei Handelsende mit 9757 Punkten, ganz knapp über dem am Vorabend aufgestellten Schlussrekord und etwas auf Abstand zum Ende Januar aufgestellten Allzeithoch von 9794 Zählern. Das Tageshoch lag bei 9772 Zählern.

Der EuroStoxx50 verlor 0,1 Prozent. Auch an der Wall Street notierten die Kurse zum Auftakt etwas leichter.

"Insgesamt bleibt die Stimmung positiv, auch wenn sich so mancher Marktteilnehmer höhere Umsätze wünschen würde", urteilte Markus Huber, Analyst beim Brokerhaus Peregrine & Black.

"Lange wird es wohl nicht mehr dauern, bis der Dax neue Rekorde aufstellt - dann dürfte auch die magische 10.000-Punkte-Marke schnell fallen", ergänzte ein Börsianer. Christian Henke, Analyst bei IG Markets erläuterte, mit dem Fall des Rekordhochs wären alle charttechnischen Widerstände schnell eliminiert.    

Ukraine und EZB auf dem Schirm

Die Entwicklung in der Ukraine ist Börsianern zufolge derzeit zwar in den Hintergrund gerückt. Doch am 25. Mai steht die Präsidentenwahl in der Ukraine an, deren Legitimität von Russland in Zweifel gezogen wird. Die Lage bleibe kritisch, meinte Investmentanalyst Uwe Streich von der Landesbank Baden-Württemberg. Die ukrainische Übergangsregierung will in Kiew einen "Runden Tisch zur nationalen Einheit" ins Leben rufen und einen Dialog für eine Friedenslösung beginnen. Vertreter der prorussischen Kräfte aus dem Osten der früheren Sowjetrepublik sind allerdings nicht eingeladen.

Für Unterstützung der Kurse sorgte ein Reuters-Exklusiv-Bericht, wonach die Europäische Zentralbank (EZB) für Juni unter anderem eine Zinssenkung gegen die Euro-Stärke und drohende Deflation vorbereitet. Die Gemeinschaftswährung notierte kaum verändert über der psychologisch wichtigen 1,37-Dollar-Marke, zog angesichts gedämpfter Spekulationen auf eine Zinserhöhung in Großbritannien zum Pfund Sterling aber auf 81,83 von 81,41 Pence am Vortag an.

Die Verbraucherpreise aus Frankreich und Spanien waren im Rahmen der Erwartungen. Im April stiegen die Preise in Frankreich um 0,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr, während sie in Spanien um 0,4 Prozent anzogen. Nach den Daten entsteht für die EZB unmittelbar kein zusätzlicher Handlungsdruck für zusätzliche geldpolitische Lockerungen. Die deutschen Verbraucherpreise für April wurden in der zweiter Lesung mit minus 0,2 Prozent gegenüber dem Vormonat bestätigt und untermauern somit aber das deflationäre Umfeld.

Daneben ging in Deutschland die Berichtssaison weiter. Aus der ersten Reihe gaben RWE, Allianz und K+S Auskunft über den Jahresauftakt.

Licht und Schatten bei K+S

Erleichtert reagierten die Anleger zunächst auf einen weniger starken Gewinneinbruch als erwartet beim Düngemittelkonzern K+S, was die Aktie um bis zu 3,3 Prozent auf 27,25 Euro in die Höhe trieb. Da der Vorstand aber auf eine Anhebung der Prognose verzichtete, bremsten Gewinnmitnahmen am Nachmittag den Kursanstieg, so dass die Papiere mit 26,60 Euro nur noch 0,8 Prozent höher notierten.

Die Kurve bekamen am Ende doch noch die Titel ThyssenKrupp, die nach einer Reihe positiver Analystenkommentare und Gewinnmitnahmen mit 1,1 Prozent im Plus schlossen.   

Allianz überrascht - RWE verunsichert

Zumindest zwischenzeitlich an die Dax-Spitze arbeitete sich am Nachmittag Index-Schwergewicht Allianz vor. Zwar macht die US-Fondtochter Pimco dem Versicherer immer mehr zu schaffen. Doch wurde dies durch ein überraschend starkes Sachversicherungsgeschäft kompensiert. Der Kurs notierte zuletzt 0,6 Prozent höher.

RWE wurden nervös hin- und hergehandelt. Die Aktien notierten zuletzt 2,1 Prozent tiefer, nachdem sie zeitweise sogar im Plus notiert hatten. Am Markt setzte sich die Meinung durch, dass es sich bei der neuen Prognose wirklich nur um eine Dekonsolodierung von Dea handelt. "Mittlerweile sind die meisten Analysten der Meinung, dass mit den adjustierten Zahlen keine Senkung der operativen Prognose verbunden ist", sagte ein Händler. Dies nehme Druck und Unsicherheit von der Aktie. "Da die Quartalszahlen aber definitiv schwach waren, ist das aktuelle Minus gerechtfertigt", so ein anderer Händler. Der Versorger kämpft mit wegbrechenden Gewinnen. Im ersten Quartal ist der Nettogewinn um ein Viertel auf 995 Millionen Euro gefallen.

Im MDax machten Symrise Boden wieder gut und schlossen mit 0,4 Prozent im Plus. Der Duft- und Aromenhersteller hatte angekündigt, bei Investoren gut 400 Millionen Euro frisches Kapital für die Übernahme des französischen Rivalen Diana einsammeln zu wollen. Einem Insider zufolge sollen die neuen Symrise-Aktien zwischen 36 und 36,50 Euro kosten.

"Eigentlich sehr gut", hieß es zu den Geschäftszahlen von Aurubis. Die Titel legten 3,4 Prozent zu. Bereits in den vergangenen zwei Tagen hatten die Titel rund zwei Euro zugelegt. Positiv wurde bei den Ergebnissen vor allem der höhere Umsatz und die bestätigte Prognose für ein höheres Ergebnis als im Vorjahr bewertet.

Nordex macht Händler perplex

Für Erstaunen sorgte die erhöhte Prognose von Nordex. "Erneuerbare Energien sind nicht gerade sehr bekannt für so etwas, daher ist die Überraschung am Markt groß", sagte ein Händler. Der Umsatzanstieg sei wesentlich höher als erwartet ausgefallen. Negative Ausreißer gebe es in keinen Aspekten der Quartalszahlen. Daher könnten sie für eine Neueinschätzung des Unternehmens mit folgenden Hochstufungen führen. Die Titel profitierten mit einem Plus von 11,0 Prozent.

Quelle: n-tv.de, ddi/jwu/DJ/rts