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Auferstehung der "Fallen Angels" Dax-Rally, die zweite Welle

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Das ist die perfekte Welle ...

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Mit einer Rally ins Wochenende, mit Gewinnen in die neue Handelswoche: Am deutschen Aktienmarkt stehen die Zeichen auf Optimismus. Die Anleger greifen bei Zyklikern wie Stahlwerten zu und bei den sogenannten gefallenen Engeln. Ebenso gefragt sind die in den Dax stebenden Kandidaten um EADS und Lanxess sowie die Autowerte und Zulieferer. Neuen Schwung liefert zudem die Wall Street.

Getrieben von der Hoffnung der Anleger auf baldige Interventionen der Zentralbanken haben die Kurse am deutschen Aktienmarkt zu Wochenbeginn weiter zugelegt und bauten ihr Plus vom Freitag weiter aus. Positive Vorgaben aus den USA und Asien halfen zunächst ebenso wie die Einigung Griechenlands mit der Troika auf ein weiteres Milliarden-Sparpaket. "Marktseitig rechnet man nun damit, dass bereits im September die ersten Anleihekäufe von italienischen und spanischen Papieren vollzogen werden", schrieb Helaba-Analyst Christian Schmidt.

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Dax 13.132,92

Nach anfänglichen leichten Verlusten drehte der Markt bereits im frühen Handel ins Plus, blieb dort und baute dieses im weiteren Handelsverlauf noch aus. Der Dax zog bis auf ein Tageshoch von 6943 Zählern an und ging am Ende 0,8 Prozent fester mit 6919 Punkten aus dem Handel - und damit erstmals seit Anfang April wieder über der 6900er Marke.

"Die Stimmung profitierte auch davon, dass der S&P-500 mit der 1400er Marke flirtet", sagte ein Händler. Mit dem Überwinden des Widerstands bei 1390 Punkten steigt aus technischer Sicht die Chance auf einen Test des Jahreshochs bei 1422 Punkten.

MDax nimmt Allzeit-Hoch ins Visier

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MDax 27.167,96

Der TecDax ging 1,3 Prozent höher mit 796 Punkten aus dem Handel. Noch besser machte es der MDax. Er verbesserte sich zeitweise bis auf ein neues Jahreshoch von 11.150 Stellen und schloss am Ende 1,2 Prozent höher bei 10.126 Punkten. Damit hat er das bisherige Hoch von Anfang Mai und anschließend auch die 11.000er Marke überwunden. "Angetrieben wird der MDax von den Zugpferden", so ein Analyst. EADS gaben twar fast 1 Prozent ab - mit einem Index-Gewicht von 10,7 Prozent ist er schwerster MDax-Titel. Danach folgen bereits Conti mit einem Gewicht von knapp 8 Prozent und Lanxess mit knapp 6 Prozent Gewicht. Da beide Titel auf einen Aufstieg in den Dax im September hoffen, ist ein Trendwechsel bei diesen Werten ebenso wenig in Sicht. Conti machten 2,4 Prozent gut, Lanxess 2,3 Prozent.

Der MDax könnte sich nun in der Widerstandszone unterhalb des Allzeit-Hochs vom Juli 2007 weiter voranarbeiten, hieß es weiter. Aufgrund der Bedingungen sehen Marktteilnehmer gute Chancen, dass der MDax als erster großer Index auf neue Allzeit-Hochs steigt.

Positives aus Übersee

Positiv wurde am Kapitalmarkt gewertet, dass sich der Internationale Währungsfonds (IWF) zufrieden mit den Verhandlungsergebnissen der internationalen Gläubiger mit Griechenland zeigt. "Wir haben gute Fortschritte erzielt", sagte IWF-Vertreter Poul Thomsen nach Gesprächen der Troika mit dem griechischen Finanzminister Yannis Stournaras und Arbeitsminister Giannis Vroutsis. Die zugesagten Einsparungen in Höhe von 11,5 Mrd. Euro sind Voraussetzung für die Freigabe einer weiteren Hilfstranche von 31,5 Mrd. Euro im September.

"Die Aufmerksamkeit der Märkte wird weiter auf Spanien liegen als möglicher Auslöser für Anleihenkäufe durch die EZB", sagte Slavena Nazarova von der Credit Agricole. Der spanische Premierminister Rajoy zögerte noch, Hilfen für sein Land zu beantragen. Zuletzt hat die dortige Regierung einen Hilfsantrag beim EFSF, der Voraussetzung ist für ein Eingreifen der EZB, aber nicht mehr kategorisch ausgeschlossen.

Von S&P ...

Die konjunkturelle Flaute in Italien machte die Ratingagentur S&P pessimistischer für die Banken des Landes. Die Rezession werde in Italien länger wüten als bisher gedacht, deshalb würden die Ratings von 15 Finanzhäusern heruntergestuft, teilte S&P mit. Es sind vor allem kleinere Institute, die von dem Schritt betroffen sind.

S&P rechnet damit, dass eine scharfe Rezession in Italien zu einer starken Ausweitung der Kreditausfälle führen wird. Dabei sieht die Ratingagentur das Bruttoinlandsprodukt Italiens 2012 um 2,1 Prozent schrumpfen.

Am deutschen Aktienmarkt reagierten die Finanzwerte unterschiedlich auf diese Nachricht: Commerzbank büßten 0,5 Prozent ein, Deutscher Bank zogen 0,8 Prozent an.

... bis SAP

Deutsche Bank
Deutsche Bank 6,56

Unter den Einzelwerten sorgten zudem vor allen Analystenkommentar für Bewegung. Die Papiere der Allianz bauten ihre Freitagsgewinne nach einer Hochstufung durch JP Morgan aus. Sie schlossen 2,0 Prozent fester. Die Analysten haben die Allianz in Reaktion auf die Quartalszahlen auf "Overweight" von "Neutral" gesetzt. Die Gewinne hätten in allen Bereichen entweder den Erwartungen entsprochen oder sie sogar übertroffen, lobten die Experten.

Auch die Autowerte profitierten von einem zuversichtlichen Analystenkommentar. Cheuvreux stufte den Sektor hoch auf "Overweight" von "Neutral". BMW, Daimler und Volkswagen verteuerten sich zwischen 2,4 und 1,7 Prozent. Der entsprechende Branchenindex rückte um mehr als 2 Prozent vor, stärker als jeder andere Index in Europa.

Daimler
Daimler 50,09

SAP legten 0,6 Prozent zu. Der Softwarekonzern tritt auf die Kostenbremse, um seine Ziele für das laufende Jahr zu erreichen. Alle Kosten würden auf den Prüfstand gestellt, sagt SAP-Finanzchef Werner Brandt laut "Wirtschaftswoche". "Wir müssen in der zweiten Jahreshälfte die Ausgaben deutlich reduzieren, um unser internes Ziel zu erreichen."

Deutlicher im Minus, mit 0,7 Prozent, gingen Deutsche Telekom aus dem Handel. Der Konzern legt im Wochenverlauf seine Halbjahresbilanz vor. Auch die Bayer-Titel gehörten mit minus 1,0 Prozent zu den schwächsten Werten im deutschen Leitindex. Der Chemie- und Pharmakonzern sieht zwar Spielraum für eine Dividendenerhöhung, falls das Geschäft weiter brummt. Händlern zufolge rechnen die Anleger aber bereits vorher mit einer steigenden Ausschüttung an die Aktionäre.

"Fallen Angels"

Deutsche Telekom
Deutsche Telekom 15,06

Die gestiegene Risikobereitschaft an den Märkten, zeigte sich vor allem im MDax: Sogenannte gefallene Engel erlebten dort eine Art Wiederauferstehung. Deutz und Salzgitter zogen 8,4 und 7,0 Prozent an. Im TecDAX verteuerten sich Solarworld um mehr als 9 Prozent. "Die Anleger fassen neues Vertrauen", meint ein Händler.

Im MDax profitierten auch Continental von den anziehenden Kursen der Autowerte und sprangen 2,4 Prozent an. Auch Gildemeister (4,4 Prozent) Rheinmetall (3,5 Prozent) und Salzgitter (7,0 Prozent) gingen fester aus dem Handel.

"SMA United"

Nach einer Herunterstufung gehörten United Internet zu den Verlierer im TecDax. Die Aktien büßten 0,2 Prozent ein. Die Papiere seien gut gelaufen und bei den Zahlen zum zweiten Quartal sei kein positives Überraschungspotenzial zu erwarten, schrieb Equinet-Analyst Adrian Pehl. Er setzte die Papiere des Telekommunikationskonzerns daher auf "Accumulate" von "Buy". Die Geschäftszahlen für das erste Halbjahr sollen am 14. August vorgestellt werden. Dass United Internet auf seine 79,45-prozentige Beteiligung an der Sedo Holding 46,3 Mio. Euro abschreibt, dürfte aus Sicht von DZ-Bank-Analyst Joeri Sels kaum von Bedeutung sein.

Spekulationen auf erfreuliche Quartalszahlen trieben SMA Solar an. Sie legten um 4,7 Prozent zu, den höchsten Stand seit knapp sieben Wochen. Die Analysten der Deutschen Bank rechnen aufgrund eines Booms bei der Installation von Solaranlagen mit einem starken zweiten Quartal. Auch eine Erhöhung der Prognose sei denkbar. Die Experten erhöhten das Kursziel auf 31 von 30 Euro. SMA legen am Donnerstag ihre Zahlen vor.

Quelle: n-tv.de, bad/DJ/rts

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