Marktberichte

Die Krise ist nicht vorbei Dax fällt zurück

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(Foto: REUTERS)

Das Rettungspaket ist für viele Anleger nicht der Schluss der "griechischen Tragödie", sondern nur der Beginn des nächsten Aktes. Nach einem kurzen Ausflug in den grünen Bereich dreht der Dax ins Minus und schließt mit deutlichen Verlusten.

Dax
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Die Freigabe des neuen Hilfspakets für Griechenland ist am Frankfurter Aktienmarkt auf verhaltene Reaktionen gestoßen. Der Dax schloss 0,5 Prozent im Minus bei 6909 Punkten, während der MDax 0,9 Prozent auf 10.480 Zähler fiel. Auch für die Technologie-Titel ging es abwärts: Der TecDax büßte 0,6 Prozent auf 787 Punkte ein. "Die Einigung auf die neuen Milliardenhilfen hatte sich in den vergangenen Tagen bereits angedeutet und war keine Überraschung mehr", sagte ein Händler.

In den Kommentaren vieler Marktakteure zur Einigung auf das Hilfspaket für Athen macht sich viel Skepsis breit. Und weil die Börsen jüngst überraschend gut gelaufen sind, machen Anleger vorsichtshalber Kasse. Grund genug für Gewinnmitnahmen haben Anleger allemal. Die jüngste Börsen-Rally ist beeindruckend: Seit Jahresbeginn hat der Dax um rund 18 Prozent zugelegt.

Das Hilfspaket sieht Kredite im Volumen von 130 Mrd. Euro vor. Um trotz der inzwischen schlechteren Lage Griechenlands das Ziel eines Schuldenabbaus auf rund 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu erreichen, sollen die privaten Gläubiger dem Mittelmeer-Land mehr Schulden freiwillig erlassen als bisher geplant.

Skeptische Börsianer

Der Markt bleibt vorsichtig. "Trotz der Einigung auf das Rettungspaket ist extreme Vorsicht gefragt, denn die Euro-Krise ist alles andere als vorbei. Das Risiko ist, dass Griechenlands zerüttete Wirtschaft am Boden bleibt, wenn die Regierung die Reformen nicht in die Tat umsetzt. Es gibt noch viel zu tun", sagte Daniel Kukalj, Analyst bei Close Brothers Seydler. "Das hochverschuldete Land braucht einen Wachstumsplan, und genau das scheint im Moment die größte Herausforderung zu sein", so Aktienhändlerin Anita Paluch von Gekko Global Markets. "Denn ohne einen solchen Plan könnte die Unsicherheit wieder Oberhand gewinnen."      

"Das Ausfallrisiko Griechenlands hat deutlich abgenommen, ist aber nicht gänzlich verschwunden", meinte Gerald Huber von der BayernLB. "Die grundlegenden Schwierigkeiten bleiben erhalten. Und mit der Meinung, dass die Finanzhilfen den Griechen nur etwas Zeit verschaffen auf dem unvermeidlichen Weg ins Chaos, stehen wir nicht allein da", kommentierte das Frankfurter Bankhaus Metzler.

"Auf dem Papier sieht alles schön und gut aus. Aber die Hängepartie wird weitergehen", sagte ein Händler eines US-Brokers. So müsse sich in den kommenden Wochen erst noch zeigen, ob die privaten Gläubiger Griechenlands den Schuldenschnitt akzeptieren. Zudem sei die Haltung der griechischen Öffentlichkeit alles andere als klar. Und schließlich müssten auch die Parlamente der Euro-Staaten dem Deal erst noch zustimmen.

"Die Geduld der Geberländer ist am Ende und das Vertrauen in die griechische Politik erschüttert. Sollte es Umsetzungsprobleme geben und die griechische Regierung Auflagen missachten, können die zugesicherten Hilfszahlungen gestoppt und eine Insolvenz des Staates nicht ausgeschlossen werden", betonte auch Christian Schmidt von der Helaba. Entscheidend seien nicht die beschlossenen Reformmaßnahmen und die finanziellen Zusicherungen, sondern die Umsetzung der Reformen sowie eine zunehmende Wettbewerbsfähigkeit des Landes.

"Unsere Berechnungen zeigen, dass Griechenland selbst die deutlich gesenkten Schulden ohne die Umsetzung tiefgreifender Reformen langfristig kaum tragen kann", warnte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. "In der zweiten Jahreshälfte steigt die Wahrscheinlichkeit, dass eine frustrierte Staatengemeinschaft Griechenland den Geldhahn zudreht."

Deutsche Bank im Minus

Banken und Versicherer verlieren deutlich. Deutsche Bank gaben um 2,1 Prozent und Commerzbank um 0,5 Prozent nach. Überdurchschnittliche Kursverluste verbuchen auch die als konjunktursensibel geltenden Sektoren wie der Automobilbau, die Hersteller von Industriegütern und Baukonzerne und ihre Zulieferer.

Eine Verkaufsempfehlung der Schweizer Großbank UBS führte zu Gewinnmitnahmen bei ThyssenKrupp. Die Titel fielen um 2,6 Prozent, womit sie aber nur einen Teil ihres Vortagesgewinns von vier Prozent einbüßten. UBS hatte die Titel auf "sell" von "neutral" heruntergestuft.

Deutsche Telekom legten gegen den schwachen Aktientrend um 0,2 Prozent zu. Der Bonner Telekomkonzern veröffentlicht am Donnerstag Geschäftszahlen. Analysten rechnen damit, dass die Telekom den operativen Gewinn im vierten Quartal 2011 im Vergleich zum Vorjahresquartal leicht gesteigert hat.

Mit einem als schwach empfundenen Ausblick auf das laufende Jahr enttäuschte die Aareal Bank viele Anleger. Die im MDax gelisteten Aktien stürzten um 9,4 Prozent ab. Die Bank rechnet für 2012 angesichts der europäischen Schuldenkrise mit einem Gewinnrückgang. 2011 hatte sie ein Betriebsergebnis von 185 Mio. Euro erzielt.

Abschläge mussten auch Lanxess hinnehmen. Nach einem Kursanstieg von über 40 Prozent seit Jahresbeginn empfehlen die Analysten von Equinet, bei den Titeln Kasse zu machen. Die Papiere verbilligten sich um 2,9 Prozent.

Quelle: ntv.de, dpa/DJ/rts