Marktberichte

Bond-Spannung am Aktienmarkt Dax gebremst erwartet

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Tagestrend Richtung Süden: So ging es am Aktienmarkt zur Wochenmitte zu.

(Foto: REUTERS)

Zwei Großereignisse aus dem Bereich der Staatsfinanzen beherrschen die Lage am deutschen Aktienmarkt: Neben dem Sorgenkind Spanien muss sich auch das Euro-Schwergewicht Frankreich mit neuen Anleihen am Kapitalmarkt bewähren. Volkswagen lädt zur Hauptversammlung.

Im deutschen Aktienhandel richtet sich die Aufmerksamkeit der Anleger am Donnerstag auf die Auktion spanischer zwei- und zehnjähriger Anleihen. Im Vorfeld dürften sich die meisten Investoren nach Einschätzung von Händlern zurückhalten. Die Beobachter in Banken und Brokerhäusern rechneten für die Eröffnung mit einem nahezu unveränderten Dax-Stand von 6732 Punkten.

Am Vorabend hatte der Dax 1,0 Prozent verloren. Die Vorgaben aus Asien und den USA deuten auf leichte Abschläge hin: Die US-Börsen hatten nach Handelsschluss in Europa ihre Verluste geringfügig ausgeweitet. Dow-Jones-Index und S&P500 schlossen 0,6 (zuvor 0,4) beziehungsweise 0,3 (0,4) Prozent im Minus. In Tokio notierte der Nikkei-Index am Donnerstag kurz vor Schluss 0,8 Prozent im Minus, der Shanghai-Composite lag kaum verändert.

Bei der spanischen Auktion stehen die zehnjährigen Papiere im Fokus. Es ist das erste Mal seit Oktober vorigen Jahres, dass das Land diese richtungsweisenden Langläufer auf den Markt wirft. Das Volumen ist mit 1,5 bis zu 2,5 Mrd. Euro vergleichsweise übersichtlich. Zudem war die vorausgegangene Auktion am Dienstag insgesamt erfolgreich über die Bühne gegangen. Ein Anstieg der Renditen gilt allerdings angesichts der Entwicklung an den Sekundärmärkten als sicher. Frankreich will dagegen Schuldscheine im Volumen von insgesamt 11 Mrd. Euro absetzen. "Die offenen Short-Positionen sind viel größer als das Angebot an neuen Anleihen", meinte ein Händler. "Eine gute Auktion könnte den Weg für einen steigenden Dax frei machen", ergänzte er.

Bei den Einzelwerten zog vor allem Volkswagen die Aufmerksamkeit der Marktteilnehmer auf sich: Europas größtem Automobilkonzern lädt zur Hauptversammlung und legt seinen Anteilseignern zur Entscheidung vor.

VW Vorzüge
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Aus den hinteren Reihen rückten die Aktien des Wohnungskonzerns GSW ins Rampenlicht: Die Titel werden am Berichtstag mit einem Bezugsrechtsabschlag gehandelt. Am Mittwoch hatten die im MDax notierten Titel mit 24,60 Euro 4,6 Prozent niedriger geschlossen. Den Aktionären werden 9,5 Mio. neue Aktien für je 21,30 Euro angeboten. Für je 13 alte Papiere können die Inhaber drei neue zeichnen. Die Bezugsfrist läuft bis zum 2. Mai. Die GSW wirbt damit, dass die Inhaber der neuen Aktien bereits die für das Jahr 2011 geplante Dividende von 90 Cent erhalten. GSW will sich mit einer Kapitalerhöhung von 200 Mio. Euro für Zukäufe rüsten.

Positive Vorgaben gab es von der US-Unternehmensseite: steigerte Gewinn und Umsatz und übertraf damit die Erwartungen der Analysten. Nachbörslich stieg der Aktienkurs in New York um 6,9 Prozent.

Daneben könnte der deutsche Leitindex bereits vom anstehenden "kleinen Verfall" am Freitag gestützt werden. Unterhalb von 6800 Punkten gebe es einen deutlichen Put-Überhang, der den Dax tendenziell stärken sollte, hieß es aus dem Lager der cherttechnisch orientierten Beobachter. Erst bei 7000 Punkten und darüber entstehe Widerstand über die offenen Call-Positionen.

Auch an den übrigen europäischen Börsen zeichnete sich am frühen Morgen eine wenig veränderte Eröffnung ab: "Die Anleger werden sich vor den Auktionen in Frankreich und Spanien zurückhalten", bestätigte ein Händler. Da es sich bei den Auktionen um Langläufer handele, seien diese für die Märkte von größerer Aussagekraft mit Blick auf die Aufnahmebereitschaft der Kapitalmärkte.

"Die Frage ist weniger, ob die Anleihen platziert werden können als vielmehr welche Qualität die Platzierung hat", sagte der Händler. Der Teilnehmer geht von weiter dünnen Volumina und einem volatilen Handelsverlauf an den Finanzmärkten aus. Insgesamt nähmen die Risiken für die Eurozone wieder zu. Es sei nicht auszuschließen, dass Spanien im weiteren Jahresverlauf auf Finanzhilfe angewiesen sein werde.

Die Vorlagen fallen wenig aussagekräftig aus: Händler erkannten aus Richtung Asien und Amerika nur wenig Impulse. Nach der und guten nachbörslichen Zahlen etwa von American Express zogen Euro und US-Index-Futures geringfügig an.

Am Nachmittag geraten noch US-Daten wie der Philly-Fed, die Verkäufe bestehender Häuser und die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung in den Blick. Daneben dürften dann auch die neuen Ergebnisse aus der laufenden Quartalssaison an der Wall Street im Vordergrund stehen. Erwartet werden unter anderem Zahlen von US-Großbanken wie Morgan Stanley und der Bank of America.

Quelle: ntv.de, DJ/rts