Marktberichte

Nervöser Handel in Frankfurt Dax hechtet ins Plus

Der deutsche Aktienmarkt vollzieht am Freitag eine wahre Achterbahnfahrt. Der Dax unterschreitet kurzzeitig die psychologisch wichtige Marke von 5000 Punkten, um dann mit einem fulminanten Endspurt in den grünen Bereich zu gelangen. Laut Händlern sind verstärkte Hoffnungen, dass die EZB die Liquiditätsversorgung der Banken garantieren werde, der Grund.

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(Foto: dpa)

Die Angst vor einer Rezession und die Schuldenkrise haben am Freitag dem deutschen Aktienmarkt wieder stark zugesetzt. Es gab einen sehr nervösen Handel mit großen Ausschlägen. Am Mittag brachen in Frankfurt alle Dämme und die deutschen Indizes rauschten nach unten. Im Verlauf des Nachmittags baute der Dax seine zeitweise hohen Verluste wieder ab und drehte ins Plus.

Marktteilnehmer begründen dies mit Aussagen vom Treffen der Finanzminister und Notenbankgouverneure der 20 wichtigsten Industrieländer (G20). Hierdurch seien Hoffnungen, dass die EZB die Liquiditätsversorgung der Banken garantieren werde, verstärkt worden. "Im Moment sind die Aussagen verschiedener Notenbänker und Politiker noch etwas schwer einzuordnen", merkte ein Händler an. Sie genügten aber, die Verunsicherung abzubauen und Leereindeckungen nach sich zu ziehen.

Der Dax legte um 0,6 Prozent zu und schloss bei 5197 Punkten. Der Leitindex hatte während des Handelsverlaufs kurzzeitig sogar die Marke von 5000 Punkten unterschritten. Am Vortag hatte Dax kracht nach unten . Der MDax sackte dagegen um 1,0 Prozent auf 8146 Zähler ab. Der TecDax verzeichnete ein Minus von 0,2 Prozent und wies 654 Punkte auf.

Das Thema Griechenland rückte wieder in den Fokus der Anleger, denn das südeuropäische Land könnte für die Banken zu einem Fass ohne Boden werden.  Für abermalige Verunsicherung unter den Börsianern sorgen unter anderem Aussagen des niederländischen Notenbankpräsidenten Klaas Knot. Er sagte in einem Zeitungsinterview, dass ein Bankrott Griechenlands nicht mehr ausgeschlossen sei. Damit äußerte sich erstmals ein Mitglied des Rats der Europäischen Zentralbank skeptisch zu den Chancen Athens, den drohenden Bankrott noch abwenden zu können.

Auch aus Griechenland selbst kamen brisante Nachrichten. Finanzminister Evangelos Venizelos hat Medienberichten zufolge eine geordnete Insolvenz mit einem Schuldenschnitt von 50 Prozent für Gläubiger als ein Szenario für sein Land genannt. Venizelos bezeichnete demnach einen Antrag auf einen Schuldenschnitt von 50 Prozent als gefährlich: Dies würde die Zustimmung und die Zusammenarbeit vieler voraussetzen, wurde der Minister zitiert. Die Berichte wurden vom Athener Regierungssprecher umgehend dementiert.

Die Finanzwerte zogen durch die Ministeraussagen kräftig an. Deutsche Bank gewannen 5,6 Prozent; Commerzbank verteuerten sich um 4,7 Prozent. Für Allianz ging es um 1,2 Prozent nach unten, obwohl Morgan Stanley die Papiere des Versicherers auf die Liste der am stärksten zu bevorzugenden Titel gesetzt hatte.

Die konjunkturabhängigen Autowerte schlossen unterschiedlich. Volkswagen gewannen 0,1 Prozent;  Daimler gingen dagegen um 1,0 Prozent runter. BMW verbilligten sich um 1,5 Prozent.

Andere Zykliker mussten bluten. HeidelbergCement verbilligten sich um 2,2 Prozent. Die im Dax schwergewichtete Siemens-Aktie ging um 1,1 Prozent runter.

Beflügelt von unerwartet guten Quartalszahlen des US-Wettbewerbers Nike stiegen Adidas um 2,8 Prozent. Der größte Sportartikelhersteller der Welt hat mit einem Plus von 15 Prozent binnen Jahresfrist den Umsatz in Nordamerika überraschend stark gesteigert. Dort ist Adidas mit Reebok vertreten.

MAN verteuerten sich um 5,0 Prozent. Zwischenzeitlich waren die Papiere sogar in den Minusbereich abgerutscht. Die UBS hat ihre Empfehlung für die Aktien des Nutzfahrzeugherstellers auf "Buy" von "Neutral" angehoben.

Weiter nach unten ging es für K+S, die sich um 2,2 Prozent verbilligten. Börsianer verwiesen auf Abgabedruck, der von den sich nach wie vor abschwächenden Rohstoffpreisen ausgehe.

Im TecDax berappelten sich die Solarwerte etwas. Die jüngste Gewinnwarnung von SMA Solar habe die Risiken erneut verdeutlicht, hieß am Markt. Die Branche leide unter Überkapazitäten und damit verbundenem Preisdruck. Solarworld verloren 2,5 Prozent; SMA Solar stiegen nach zunächst deutlichen Verlusten um 2,3 Prozent.

Quelle: n-tv.de, wne/DJ/dpa/rts

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