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Wie geht es in Syrien weiter? Dax in Habachtstellung

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Börsianer haben die Vorboten für einen Militärschläg gegen Syrien auf dem Schirm. Kriegsschiffe und Jets aus Russland und Großbritannien nehmen Kurs aufs Mittelmeer.

(Foto: REUTERS)

Nach hektischen Tagen gönnen sich Anleger und Händler an den Börsen eine Auszeit. Das abwartende Haltung des Westens vor einem Militärschlag gegen Syrien bringt kurzzeitig Ruhe in die Finanzmärkte. Die Zeichen stehen weiter auf Sturm.

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Dax - Tageschart

(Foto: REUTERS)

Der deutsche Aktienmarkt ist nach zwei Tagen mit herben Verlusten auf Erholung eingeschwenkt: Die Furcht vor einem unmittelbar bevorstehenden Militärschlag gegen Syrien ist offenbar vorerst gebannt, damit ist auch die Talfahrt beendet.

Der deutsche Leitindex Dax verharrte in Habachtstellung und schloss bei 8194 Punkten. Das entsprach einem minimalen Plus von 0,4 Prozent. Zwischenzeitlich hatte das Börsenbarometer seine moderaten Gewinne komplett eingebüßt, war dann aber wieder vorgerückt. In den vergangenen beiden Tagen war der Dax aus Sorge vor einem internationalen Militäreinsatz gegen Syrien um mehr als 3 Prozent abgesackt.

Für den MDax ging es um 0,8 Prozent auf 14.448 Punkte nach oben, der TecDax notierte ganze 1,5 Prozent höher bei 1026 Punkten.

Die USA, Großbritannien und Frankreich zögern noch mit einem Militärschlag gegen Syrien. Sie wollen zuerst von den UN-Inspekteuren Beweise für die Schuld des Regimes von Präsident Baschar al-Assad an einem Giftgasangriff mit Hunderten Toten sehen. Dennoch dürfte das Thema Syrien die Märkte weiter beschäftigen, schrieb Investmentanalyst Wolfgang Albrecht von der Landesbank Baden-Württemberg. Eine umfassende Erholung sei deshalb kurzfristig nicht zu erwarten.

Warten auf eine Entscheidung

"Die Nachricht, dass Großbritannien zunächst die Untersuchungen des UN-Sicherheitsrates abwarten möchte, bevor eine Entscheidung bezüglich eines Militärschlages gegen Syrien getroffen wird, trägt zweifellos zu einer kurzfristigen Beruhigung der Märkte bei", kommentierte Commerzbank-Analystin Thu Lan Nguyen. Das Risiko eines Angriffs bleibe aber bestehen. Daher könne vorerst nicht mit größeren Kurserholungen gerechnet werden.

Großbritannien hat mittlerweile sechs Kampfflugzeuge nach Zypern entsandt. Die Kampfjets vom Typ Typhoon sollen am Stützpunkt Akrotiri stationiert werden. Es handele sich um eine "reine Vorsichtsmaßnahme, um die britischen Interessen zu schützen", etwa durch die Verteidigung britischer Hoheitsgebiete, heißt die offizielle Mitteilung des Verteidigungministeriums. Die Flugzeuge sollen angeblich nicht an möglichen Einsätzen gegen Syrien teilnehmen.

Dass der Dax seine Gewinne zwischenzeitlich komplett abgegeben hatte, begründeten Börsianer mit wieder verstärkten Sorgen um baldige Bremsmaßnahmen der US-Notenbank nach guten Konjunkturdaten aus den USA. "Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe und auch das Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal unterstützen die Erwartungen einer Rückführung der sehr lockern Geldpolitik im September", sagte Volkswirt Ralf Umlauf von der Landesbank Hessen-Thüringen.

Entspannung am Ölmarkt

Die Ölpreise fielen nach dem starken Anstieg an den vergangenen Handelstagen wieder etwas zurück. Am Vortag hatte die Sorge vor einer Eskalation des Syrien-Konflikts den US-Ölpreis noch auf den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren steigen lassen. Die Frage eines Militärschlags sei auch weiter das beherrschende Thema am Ölmarkt, sagten Händler. Sie nannten für den Rückgang der Ölpreise auch die Zunahme der Ölreserven in den USA als Grund für den Verkaufsdruck.

Leichter Rückenwind kommt auch vom Devisenmarkt: Die Indische Rupie, die von einigen Beobachtern als Gradmesser für die globale Marktlage betrachtet wird, konnte sich spürbar erholen. Zeitweise stieg sie um 1,7 Prozent auf 67,7 Rupien je Dollar. Noch am Vortag war die indische Landeswährung um drei Prozent auf ein neues Rekordtief eingebrochen und hatte den größten Tagesverlust sei zwanzig Jahren verbucht.

Auch der australische Dollar wertete in Asien zum US-Dollar kontinuierlich auf. Das Währungspaar Währungsexperten zufolge ein guter Risikoindikator. Die Aufwertung des "Aussi" spreche dafür, dass der "Risk-off-Modus" zumindest eine Pause einlegen dürfte, heiß tes.

Lufthansa könnte von Qantas profitieren

Eine technische Erholungen auf die hohen Kursverluste der vergangenen beiden Tage verbuchten unter anderem die Aktien von Europas Fluggesellschaften. "Mit der Kurs-Rally von Qantas nach guten Geschäftszahlen und dem Verkauf der Verteidigungssparte kann man heute für Schnäppchenkäufe argumentieren", sagte ein Marktteilnehmer. Qantas sprangen in Sydney in der Spitze um mehr 12 Prozent nach oben.

Lufthansa
Lufthansa 16,80

Die Fluggesellschaft ist im vergangenen Geschäftsjahr wieder in die Gewinnzone zurückgekehrt, hat die Prognose für die Kapitalaufwendungen reduziert und verkauft das Verteidigungsgeschäft an Northrop Grumman.

Die Titel der Deutschen Lufthansa reagierten mit Kursaufschlägen von 2,1 Prozent. Die Autobauer BMW, Daimler und VW verbuchten Gewinne zwischen 0,9 und 1,8 Prozent. Sowohl die Reise- als auch die Auto-Branchen hängen stark vom sicher verteuernden Öl und von der Konjunkturentwicklung ab.

Ansonsten richtete sich bei Unternehmen die Aufmerksamkeit unter anderem auf Gildemeister, nachdem der Werkzeugmaschinen-Bauer am Vorabend eine 210 Millionen Euro schwere Kapitalerhöhung angekündigt hatte. Die Aktien legten dennoch 2,7 Prozent zu. Der Deal komme nicht überraschend, betonten die Analysten des Bankhauses Close Brothers Seydler. "Der Bezugspreis von 14,50 Euro je Aktie ist für Anleger sehr attraktiv."

Quelle: n-tv.de, ddi/DJ/rts

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