Marktberichte

Auch Wall Street schließt im Minus Dax kämpft sich 115 Punkte vom Tief rauf

Erst Trump, dann May: Am deutschen Aktienmarkt hängen die Anleger derzeit an den Lippen der Politiker. Sorgt der künftige US-Präsident für fallende Kurse, setzt May mit ihrer Brexit-Grundsatzrede neuen Optimismus frei.

Am Dienstag hat der Börsenleitindex Dax nach einem bewegten Handel minimal im Minus geschlossen. Nachdem er im Tagestief bis auf 11.425 Punkte gefallen war, schloss er am Ende deutlich darüber. Der Grund: Die besser als gedacht ankommende Brexit-Grundsatzrede der britischen Premierministerin Theresa May. "Man wird irgendwie einen Weg finden, davon sind die Anleger nun überzeugt", fasste n-tv-Börsenexpertin Katja Dofel die Aussagen Mays zusammen.

Der Dax verabschiedete sich 0,1 Prozent schwächer bei 11.540 Punkten. Das Tageshoch markierte er am Nachmittag bei 11.583. Am Montag hatte er 0,6 Prozent schwächer geschlossen. Der MDax schloss 0,2 Prozent im Minus bei 22.477 Zählern. Der TecDax büßte 0,7 Prozent auf 1836 Stellen ein.

Konjunktur: May beruhigt die Märkte

Die britische Premierministerin will zwar Großbritannien aus dem europäischen Binnenmarkt führen, wie sie bei einer Grundsatzrede zum Brexit erklärte. Allerdings werde es dabei Kompromisse geben müssen. Es scheine fast so, als würde der mittlerweile erwartete, harte Brexit doch nicht so hart, kommentierte Marktbeobachter Jens Klatt.

"Die Angst war groß und hat sich als unbegründet erwiesen", sagte ein Händler. Eine Ausweitung der Konsolidierung in eine Korrektur sei nun zumindest erst einmal abgewendet. Die Seitwärtsbewegung um 11.600 könnte sich erst einmal fortsetzen

Keinen positiven Impuls hatten davor frische ZEW-Daten geliefert: Die Konjunkturerwartungen von Finanzanalysten und institutionellen Investoren für Deutschland hatten sich im Januar zwar verbessert, dabei aber einen kleineren Sprung nach vorne gemacht als erwartet: 16,6 Punkte von 13,8 im Dezember 2016. 18,8 waren prognostiziert worden.

Devisen: Euro über 1,07

Auch am Devisenmarkt hellte sich die Stimmung nach der May-Rede auf, die Risikobereitschaft stieg wieder. Das britische Pfund notierte bei 1,2333 Dollar. Es hatte damit die Verluste vom Wochenstart mehr als wettgemacht. Am Montag war die britische Währung noch aus Sorge vor einem harten Brexit unter Druck geraten.

Der Euro zog ebenfalls deutlich an. Am Abend kostete die Gemeinschaftswährung 1,0701 Dollar. Sie wurde damit rund 1 Prozent fester gehandelt als noch am Montagabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,0684 Dollar fest nach 1,0594 Dollar am Montagnachmittag.

Dax: Beiersdorf "okay"

Im Zusammenhang mit dem EU-Austritt Großbritanniens hatten die Anleger auch die Deutsche Börse im Blick, die sich mit der London Stock Exchange zusammenschließen will. Deutsche Börse gingen etwas leichter aus dem Handel.

Unternehmensseitig gab es sonst nur wenige neue Nachrichten. Beiersdorf waren im vergangenen Jahr stärker gewachsen als erwartet. Der Umsatz stieg laut vorläufigen Zahlen um 1 Prozent auf 6,75 Milliarden Euro. Zum Gewinn äußerte sich Beiersdorf nicht. Die Aktien gewannen etwa 0,7 Prozent.

Lufthansa sprangen zeitweise rund 6 Prozent nach oben, verabschiedeten sich dann noch mehr als 3 Prozent fester aus dem Handel. Auslöser des Kurssprungs waren Berichte über einen möglichen Einstieg von Etihad bei der deutschen Fluglinie. Laut "Messagero" erwägt Etihad den Kauf von 30 bis 40 Prozent der Lufthansa-Anteile im Zuge einer Kapitalerhöhung der Kranichlinie. Im Handel äußerte man sich skeptisch: Der Markt glaube nicht an einen Einstieg, sonst würde die Lufthansa-Aktie stärker reagieren, hieß es. Ein Lufthansa-Sprecher wollte sich nicht äußern.

MDax: Zalando enttäuscht

Zalando sackten rund 6 Prozent ab. Das war die Reaktion auf die Bekanntgabe der vorläufigen Geschäftszahlen. "Hier dürften sich einige Anleger mehr erwartet haben", meinte ein Händler. Insbesondere die Umsatzzahl liege unterhalb der Erwartung und die restlichen Kennziffern seien wenig aussagekräftig, weil zu breit angelegt.

Die Eckdaten von Rational zum abgelaufenen Geschäftsjahr fielen nach Einschätzung eines Händlers dagegen im Rahmen der Erwartungen aus. Der Umsatz von 613 Millionen Euro entspreche dem Konsens. Das Ebit liege mit 166/67 Millionen Euro allerdings etwas unter der Schätzung von 170 Millionen Euro. Rational-Aktien schlossen mit leichten Abgaben. Der Händler verwies auf den auf Wochensicht erzielten Aufschlag von rund 5 Prozent.

Airbus verbesserten sich rund 0,5 Prozent. Der Konzern setzt auf steigende Rüstungsausgaben aufgrund der Diskussion über die Zukunft der Nato. "Der Trumpf von Trump ist, dass viele Europäer die geforderte Quote nicht erfüllen", sagte ein Marktteilnehmer. Insofern seien steigende Rüstungsausgaben in Europa realistisch, damit sich die USA nicht von der Nato abwendeten.

Europa: Was passiert mit Mediaset?

Untersuchungen über den Einstieg der französischen Mediengruppe Vivendi bei Mediaset belasteten die Aktien des italienischen Konzerns. Die Titel fielen etwa 4 Prozent. Das Unternehmen von Italiens Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi hatte von Anfang an den Einstieg und die Aufstockung der Franzosen als rechtswidrig bezeichnet und die Behörden eingeschaltet. Die italienische Medienaufsicht AGOM teilte nun mit, die Angelegenheit werde weiter untersucht und ziehe sich noch hin. Seit dem Einstieg von Vivendi im Dezember sind die Aktien von Mediaset um rund 50 Prozent gestiegen. Derzeit halten die Franzosen 28,8 Prozent an dem Unternehmen.

USA: May und mehr

Nach einem feiertagsbedingten Ruhetag startete die Wall Street am Dienstag mit einem Abschlag verspätet in die neue Handelswoche. Allerdings wurde das Minus im Handelsverlauf kleiner. Zum Handelsschluss notierte der Dow-Jones-Index der Standardwerte mit einem Abschlag von 0,3 Prozent bei 19.829 Punkten. Auch der breiter gefasste S&P 500 verlor 0,3 Prozent auf 2267 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq sackte um 0,6 Prozent auf 5538 Stellen ab.

Eine Milliarden-Transaktion elektrisiert die Investoren. Die beiden Tabak-Konzerne British American Tobacco (BAT) und Reynolds American haben sich auf den Zusammenschluss zur weltweiten Nummer eins geeinigt. BAT erhöhte die bisherige Offerte für den US-Rivalen auf nun insgesamt 49,4 Milliarden US-Dollar für den Anteil von 57,8 Prozent, der dem britischen Konzern noch nicht gehört. Insgesamt wird Reynolds, Hersteller unter anderem der Zigarettenmarke Camel, mit 85,5 Milliarden Dollar bewertet. Während Reynolds um 3,1 Prozent zulegten, verloren BAT in London 3,8 Prozent.

Nach JP Morgan, Bank of America und Wells Fargo hat nun auch Morgan Stanley gute Quartalszahlen vorgelegt. Das Geldhaus übertraf die Erwartungen des Marktes sowohl bei den Einnahmen als auch beim Gewinn. Allerdings wurde im Handel auf ein schwaches Investment Banking verwiesen. Die Aktie verzeichnete das größte Tagesminus seit Juli und verlor 3,8 Prozent.

Am Mittwoch werden noch Goldman Sachs und die Citigroup über das vierte Quartal berichten. Für die Aktien ging es im Vorfeld um 3,5 bzw. 2,1 Prozent nach unten. JP Morgan verloren im Sog 3,6 Prozent und waren damit größter Verlierer im Dow-Jones-Index.

Auch Unitedhealth hat besser als erwartet abgeschnitten. Händler sagten jedoch, der nur bestätigte Ausblick habe angesichts der guten Ergebnisse enttäuscht. Zudem ist die Aktie in den vergangenen zwölf Monaten um rund 48 Prozent gestiegen, so das auch leichte Gewinnmitnahmen die Aktie belasteten. Diese verlor 0,7 Prozent.

Die Aktie von General Motors fiel um 0,1 Prozent. Der Autobauer beugt sich dem Druck des designierten US-Präsidenten Trump. Der Konzern bestätigte, 1 Milliarde Dollar zusätzlich in seine US-Produktionsstätten stecken zu wollen. Außerdem wird die Fertigung bestimmter Komponenten wieder ins Land geholt. Auch der Einzelhändler Wal-Mart will in diesem Jahr rund 10.000 Arbeitsplätze in den USA schaffen.

Rohstoffe: Ölpreis stabil

Am Ölmarkt zeigte sich eine uneinheitliche Tendenz. Während WTI auf das höchste Niveau seit einer Woche stieg, gab Brent leicht nach. Der saudische Ölminister Khalid al-Falih hatte gesagt, es werde Zeit in Anspruch nehmen, bis die US-Förderung wieder richtig Fuß fasse. Er versuchte damit Sorgen am Markt zu zerstreuen, die Förderkürzungen der Opec und die damit einhergehenden Preissteigerungen könnten zu einer höheren Produktion in den USA führen.

Ein Fass US-Leichtöl der Sorte WTI erhöhte sich zum US-Settlement um 0,2 Prozent auf 52,48 Dollar. Für Brent ging es dagegen um 0,7 Prozent auf 55,47 Dollar nach unten.

Asien: Nikkei gibt deutlich nach

Vor der Grundsatzrede Mays zeigten sich die Anleger an den ostasiatischen Aktienmärkten verunsichert. Die Möglichkeit, dass Großbritannien bei einem Austritt aus der Europäischen Union auf den Zugang zum EU-Binnenmarkt verzichten könnte, drückte auf die Stimmung. May peilt laut Redetext sowohl einen Ausstieg aus dem EU-Binnenmarkt als auch aus der Zollunion an. "Europa bestimmt heute die Schlagzeilen, und der Fokus liegt berechtigterweise auf Mays Rede und auch auf den Trump-Interviews mit europäischen Zeitungen", sagte Stefan Worrall, Direktor für das japanische Aktiengeschäft bei Credit Suisse.

In Tokio fiel der Nikkei-Index 1,5 Prozent auf 18.813 Punkte und markierte damit den niedrigsten Stand seit mehr als einem Monat. Die anziehende Landeswährung Yen verschreckte zusätzlich Investoren. Aktien des Autobauers Honda büßten 2,7 Prozent ein, nachdem das Unternehmen einen neuen Zwischenfall mit einem Airbag des Zulieferers Takata mitgeteilt hatte.

Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans legte dagegen leicht zu. Der Shanghai Composite verabschiedete sich 0,2 Prozent höher bei 3109 Zählern. In Australien gab der S&P/ASX200-Index knapp 1 Prozent nach.

Quelle: n-tv.de, bad/DJ/rts/dpa

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