Marktberichte

Bernanke lässt Hilfen offen Dax steckt Enttäuschung weg

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(Foto: picture alliance / dpa)

Der deutsche Aktienmarkt reagiert nach kurzem Schreck gelassen auf Andeutungen des US-Notenbankchefs Bernanke zu möglichen Staatsanleihenkäufen. So mancher Investor hätte sich konkretere Zusagen erhofft. Doch weil es noch Hoffnung auf zügige Maßnahmen gibt, halten die Aktien ihren Kletterkurs.

Die Kurse am deutschen Aktienmarkt haben gelassen auf vage Äußerungen von Fed-Chef Ben Bernanke zu möglichen Staatsanleihenkäufen reagiert. Die ersehnte konkrete Ankündigung einer neuen Runde der geldpolitischen Lockerung (QE3) fiel zwar ins Wasser, doch Bernanke signalisierte deutlich, dass die Fed "bei Bedarf" Konjunkturspritzen aufziehen wird. Die Hoffnung, dass dies schon bald der Fall sein könnte, reichte den Börsianern vorerst aus.

Der Dax beendete den Handel mit einem Kursplus von 1,1 Prozent bei 6970,79 Punkten. Für den MDax ging es um 0,7 Prozent auf 11.016,98 Punkte rauf. Der TecDax schloss 0,8 Prozent fester bei 797,83 Punkten.

"Der Markt hat darauf gesetzt, dass Bernanke die Erwartung an QE3 nicht enttäuscht und das hat er auch nicht getan", sagte John Canally von LPL Financial. "Jeder an den Märkten, der geglaubt hätte, er kommt einfach raus und sagt, wir machten QE3, ist einfach nur naiv", so Canally. Experten rätselten, ob die Notenbank die Wirtschaft bereits auf der nächsten Zinssitzung am 13. September stützt oder noch länger abwartet.

Für Gesprächsstoff an den Finanzmärkten sorgte außerdem ein Zeitungsbericht, dem zufolge Bundesbankpräsident Jens Weidmann mehrfach die Aufgabe seines Amtes erwogen hat. "Wenn er über einen Rücktritt nachdenkt, ist das keine allzu große Überraschung", sagte Commerzbank-Analystin Thu Lan Nguyen. "Das wäre ein symbolischer Akt, weil seine Meinung im EZB-Rat immer wieder übergangen wird." Weidmann gilt als schärfster Kritiker der EZB-Käufe von Anleihen kriselnder Euro-Staaten.

Banken ziehen an

An der Gewinnerspitze legten vor allem Finanztitel zu. Eine weitere Lockerung der Geldpolitik würde Finanzhäusern zugute kommen. Mit Abstand größter Gewinner war die Deutsche Bank, die ein Tagesplus von 4,8 Prozent verzeichnete. Die Commerzbank schloss 2,2 Prozent im Plus. Die Allianz profitierte mit einem Aufschlag von 1,7 Prozent von den Entwicklungen, die Munich Re schloss 1,5 Prozent fester.

Trotz Berichten über einen nahenden Rauswurf aus dem Dax zogen die Papiere von MAN um 2,0 Prozent an. Sie gehörten damit zu den Spitzenreitern des Tages unter den Schwergewichten. Als schwächster Dax-Wert gingen dagegen Metro mit 1,3 Prozent aus dem Handel, die als zweiter Kandidat für einen Abschied aus dem Leitindex gelten. Am Vortag hatten die Papiere wegen Spekulationen über einen Verkauf der Kette Real gegen den Gesamtmarkttrend Kursgewinne verbucht.

Vom Streik der Lufthansa -Flugbegleiter ließen sich Investoren nicht weiter beirren. Die Papiere des Fluggesellschaft legten um 0,5 Prozent zu, blieben damit jedoch hinter der Entwicklung des Gesamtmarktes zurück.

Im MDax gehörten Konjunkturtitel zu den größten Gewinnern. Stahlhändler Klöckner & Co, Schmierstoffproduzent Fuchs Petrolub, Maschinenbauer Dürr und der Baukonzern Hochtief schlossen allesamt mit einem Kursplus von jeweils 2,3 Prozent.

Im Kleinwerte-Index SDax schossen unterdessen die Aktien von Praktiker um 15 Prozent in die Höhe. Die angeschlagene Baumarktkette hatte einen Hochzinskredit des US-Investors Anchorage ausgeschlagen und hofft nun auf ein günstigeres Darlehen seines österreichischen Großaktionärs, der Wiener Privatbank Semper Constantia.

Optisch schwächer präsentierten sich dagegen die Papiere von Gesco, die 3,9 Prozent verloren. Anleger müssen jedoch einen Dividendenabschlag von 2,90 Euro je Aktie berücksichtigen, was die Papiere auf Basis des letzten Schlusskurses um 4,3 Prozent nach unten zieht. Berücksichtigt man diese Ausschüttung, verzeichnete die Aktie rechnerisch ein kleines Plus.

Quelle: ntv.de, nne/rts

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