Marktberichte

Unter der 6000er-Marke Dax verliert kräftig

Mit dem Absturz der Aktienkurse in New York werfen viele Anleger in Europa doch das Handtuch. Der Dax gibt im späten Handel kräftig nach und fällt auf den niedrigsten Stand seit fast einem Jahr. "Bisher waren die Anleger noch ziemlich besonnen, aber jetzt kommen doch die ersten, die in Panik ihre Pakete abstoßen", meint ein Händler in Frankfurt.

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(Foto: dapd)

Der Ausverkauf an den weltweiten Aktienmärkten geht weiter: Nachdem die Ratingagentur S&P am Wochenende den USA ihre Bestnote aberkannt hatte, warfen viele Anleger im großen Stil Aktien aus ihren Portfolios. Auch der Frankfurter Aktienmarkt setzte seine Talfahrt fort. Der Dax verlor 5 Prozent auf 5923 Zähler, während der MDax 6,5 Prozent auf 8539 Punkte abgab. Der TecDax büßte 5,3 Prozent auf 679 Punkte ein.

Mit dem neunten Tagesverlust in Folge stellte der Dax seinen Negativ-Rekord vom September 1990 ein. Das Minus der vergangenen Tage summiert sich auf mehr als 17 Prozent. Das ist der größte Kursrutsch seit den Turbulenzen nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers 2008.

Am Vormittag hatte es kurzzeitig nach einer Erholung ausgesehen - der deutsche Leitindex konnte seine Auftaktverluste wett machen und lag für einige Minuten im Plus. Allerdings gewannen dann die Pessimisten wieder die Oberhand. Eine  von einigen Marktbeobachtern befürchtete "Panik" an den Aktienbörsen bleibt aber aus - trotz der Herabstufung der Kreditwürdigkeit der USA durch die Ratingagentur Standard & Poor's.

Die Ankündigung der Europäischen Zentralbank,  europäische Staatsanleihen zu kaufen, stützte den Markt. Die EZB nannte zwar keine Länder, doch dem Vernehmen nach handelt es sich um Anleihen von Italien und Spanien. Beide Staaten waren in letzter Zeit an den Bondmärkten unter starken Druck geraten.

Finanzwerte im Blick

Die Reaktion der Währungshüter auf die jüngsten Verwerfungen an den Märkten kann Experten der Royal Bank of Scotland zufolge als "kraftvolle" Antwort verstanden werden. Vor diesem Hintergrund legten Finanzwerte zunächst kräftig zu. Doch im Verlauf geben sie einen Großteil der Gewinne wieder ab, einige drehen sogar ins Minus. Der Sektor gilt als ein Seismograph für die Sorgen angesichts der Verschuldungslage in der Eurozone.

Verkauft werden im deutschen Aktienhandel bei hohem Umsatz vor allem die Favoriten des Vorjahres: BMW, VW, K+S und Infineon – allesamt 2010 Top-Performer - zählten mit Verlusten teils über sieben Prozent zu den größten Verlierern. "Diese Unternehmen hängen stark am Tropf der Konjunktur, und wenn die ins Stocken gerät, ist es aus mit den hohen Gewinnen", fasste ein Händler zusammen. Folgerichtig entzogen sich die Aktien von Unternehmen der Talfahrt, die nicht von der Wirtschaftsentwicklung abhängen: die Versicherer Allianz und Münchener Rück zogen um über ein Prozent an. Auf europäischer Ebene sah es ähnlich aus.

"Die Finanzmärkte betreten Neuland", so die Analysten der Commerzbank mit Blick auf die Herabstufung der US-Kreditwürdigkeit. "Kein Wunder, dass die Angst vor den Folgen groß ist. Diese dürften sich allerdings als weniger erschreckend herausstellen, als von vielen vermutet wird." Die Experten des Vermögensverwalters BlackRock betonen: "Die Herabstufung der US-Kreditwürdigkeit durch S&P spiegelt Tatsachen wider, die dem Markt seit einiger Zeit wohlbekannt waren. Anleger sollten ihr Verhalten nicht allein auf Basis der Herabstufung ändern."

Einige Analysten verbreiten bereits woeder Optimismus. Trevor Greetham von der Fondsgesellschaft Fidelity International sagte: "Die Rating-Abstufung kommt nicht überraschend und die Verkäufe der letzten Woche waren zum Teil von Gerüchten über diesen Schritt getrieben." An den Börsen könnte die Gewissheit um den Verlust des Top-Ratings auch zu einer Erleichterungs-Rally statt zum Ausverkauf führen.

Quelle: n-tv.de, jga/dpa-afx/rts/DJ

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23.04.09