Marktberichte

Börsen-Ausblick Dax vor spannender Woche

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Der Frankfurter Aktienmarkt hat den Corona-Crash nahezu überwunden.

(Foto: imago images/Jan Huebner)

Nach dem kurzzeitigen Sprung über 13.000 Punkte steht der Dax in der neuen Woche vor einer neuerlichen Belastungsprobe. Allerdings ist das Korrekturpotenzial an den Börsen begrenzt, denn die Unterstützung der Zentralbanken ist dafür zu groß.

Nach der Verschnaufpause zum Wochenschluss deuten die Zeichen am deutschen Aktienmarkt wieder auf steigende Kurse. Die Hoffnung, dass die Konjunktur nach der Corona-Krise wieder in Schwung kommt, sowie die anhaltend niedrigen Zinsen dürften in der kommenden Woche die Börsen stützen. Obwohl die Neuinfektionen mit dem Coronavirus weltweit Rekordstände erreichen, seien die Vorzeichen günstig, sagte Daniel Schär, Chefanalyst bei der Weberbank: Denn inzwischen habe die Welt gelernt, mit der Pandemie umzugehen, es gebe Fortschritte bei der Entwicklung eines Impfstoffs, "und zu guter Letzt gibt es kaum noch sinnvolle Alternativen zur Anlage in Aktien".

In der alten Woche hat sich der Dax bis auf wenige Prozent seinem Rekordhoch angenähert, bevor viele Anleger Gewinne mitnahmen. Der Leitindex war zunächst bis auf 13.313 Punkte gestiegen und hatte damit den Corona-Crash fast ausgebügelt - das war ein Plus von mehr als 60 Prozent seit dem März-Tief. Bereits vor dem Wochenende zeigte der Index allerdings Schwächeanzeichen, nach drei Gewinnwochen in Folge verbuchte er letztlich wieder eine schwache Woche. Der Dax fiel am Freitag um 2,02 Prozent auf 12 838,06 Punkte - das ergab ein Wochenminus von 0,6 Prozent.

"Politik und Notenbanken haben die Rezession abgewendet", sagte Jeffrey Schulze, Investmentstratege beim Vermögensverwalter Clearbridge Investments. Im zweiten Quartal war die Wirtschaft in vielen Ländern nahezu kollabiert, weil im Kampf gegen das Virus das öffentliche und damit auch das wirtschaftliche Leben fast vollständig zum Erliegen gebracht wurde. Wie stark das Minus ausfiel, zeigen die Daten zum Bruttoinlandsprodukt für Deutschland und die USA am Donnerstag. "Die Zahlen zum Wirtschaftseinbruch im zweiten Quartal werden schlimm aussehen - die Aktienmärkte aber wohl im Aufwind bleiben", sagte Robert Greil, Chefstratege bei der Privatbank Merck Finck.

Denn inzwischen läuft die Wirtschaft in vielen Teilen der Welt wieder an, und die Aussichten bessern sich. In der Eurozone signalisierten die Einkaufsmanagerindizes für Juni bereits wieder Wachstum. Am Montag wird mit dem Ifo-Geschäftsklimaindex einer der wichtigsten Frühindikatoren für die Lage der deutschen Wirtschaft vorgelegt. Experten erwarten, dass sich das Barometer von seinen Tiefständen im Juli weiter entfernt und sich vor allem die Erwartungen wieder aufhellen. Das dürfte sich auch am Arbeitsmarkt bemerkbar machen, wo mit einem geringeren Anstieg der Arbeitslosenzahlen als im Vormonat gerechnet wird.

Furcht vor einer zweiten Corona-Welle

Gegen einen Börseneinbruch spricht auch die US-Politik. Derzeit wird im US-Senat über ein neues billionenschweres Konjukturprogramm gestritten. Noch liegen die Positionen weit auseinander, es ist aber davon auszugehen, dass man bei einer abermaligen Abschwächung der Wirtschaft recht schnell eine gemeinsame Linie finden wird. Gerade US-Präsident Donald Trump muss die Möglichkeit eines Rückfalls in die Rezession fürchten, würden seine Chancen auf eine Wiederwahl bei den Präsidentschaftswahlen im November doch erheblich darunter leiden. Schon jetzt liegt er in den Umfragen weit hinter Herausforderer Joe Biden.

Ein Risiko für den Aktienmarkt dürften in den kommenden Tagen dennoch die Virus-Infektionszahlen bleiben. Laut den Experten der Helaba vermittelten die Aktienmärkte zuletzt den Eindruck, die Pandemie sei besiegt. Neueste Entwicklungen zeigen aber, dass die Gefahr einer zweiten Welle real bleibt. Während in den USA die Infektionszahlen schon länger steigen, warnten am Freitag auch Frankreich und Spanien wieder vor zunehmenden Fällen.

Hinzu kommt: Die Coronakrise hat den US-chinesischen Konflikt für Monate vergessen lassen. Das ist nun vorbei. Nach der Schließung der chinesischen Botschaft in Houston und dem diplomatischen Gegenschlag der Chinesen - diese haben die Schließung des US-Konsulats in Chengdu angeordnet - ist der Markt aufmerksamer geworden. Einige Börsianer befürchten eine Eskalationsspirale, die sich auch auf den Handelsstreit auswirken könnte, zumal US-Präsident Donald Trump das Handelsabkommen mit China nun "viel weniger" bedeutet, wie er sagte.

Das wichtigste konjunkturelle Ereignis für die Börsianer dürfte die Sitzung der US-Notenbank Fed am Mittwoch werden. Zentralbanken weltweit haben im Kampf gegen die Pandemie die Geldschleusen weit geöffnet. Sie hätten keinen Zweifel offengelassen, dass sie bei neuerlichen Rückschlägen nicht ebenso entschlossen reagieren würden, sagte Clearbridge-Experte Schulze. "Dass der Markt zunehmend realisiert, dass die Zinsniveaus längerfristig extrem niedrig oder sogar negativ bleiben, unterstützt Aktien weiter", fügte Merck-Finck-Stratege Greil an.

Berichtssaison nähert sich dem Höhepunkt

Bei den Unternehmen nimmt die Berichtssaison Fahrt auf. Mit SAP, BASF, Deutscher Bank und VW legen einige der wichtigsten deutschen Unternehmen ihre Ergebnisse vor. Aus den USA stehen zudem die Zahlen unter anderem der Schwergewichte Facebook, Amazon, Apple und der Google-Mutter Alphabet an.

Apple habe zwar in der Krise einige seiner Geschäfte schließen müssen, Facebook leide unter dem Anzeigenboykott einiger Großkunden, schrieben die Experten der LBBW. Dennoch habe Big Tech in der Tendenz eher von Social Distancing und Homeoffice profitiert, als dass es unter den weltweiten Ausgangssperren gelitten habe. Die Erwartungen an die Zahlen seien daher hoch - und den Märkten stehe eine entscheidende Woche vor der Tür: "Schließlich legte die Bedeutung dieser Werte für die großen US-Aktienindizes in den vergangenen Jahren immer weiter zu."

Quelle: ntv.de, jga/rts/dpa/DJ