Marktberichte

Angst, Hoffnung, Arbeitsplätze Dow schließt im Plus

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Die Daten sehen gut aus.

(Foto: REUTERS)

Nach einer spektakulären Achterbahnfahrt geht in New York eine Börsenwoche voller Unsicherheiten mit versöhnlichen Signalen zu Ende: Ermutigende Daten vom US-Arbeitsmarkt hieven den Index der US-Standardwerte in den grünen Bereich. Einzelne Finanztitel büßen dagegen teils kräftig ein.

Die Angst vor einer weltweiten Rezession und einer Ausweitung der europäischen Schuldenkrise hat am Freitag zu einem dramatischen Auf und Ab an den Börsen geführt. An der Wall Street rauschten die Indizes in einem von starker Nervosität geprägten Handel nach anfänglichen Gewinnen zunächst in die Tiefe, um dann im weiteren Verlauf wieder ins Plus zu drehen. Der Dax war mit einem Abschlag von 2,8 Prozent auf 6236 Punkte aus dem Handel gegangen und hatte damit die schwärzeste Börsenwoche seit Oktober 2008 abgeschlossen.

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Was machen die Europäer?

(Foto: AP)

Die New Yorker Börsen beendeten die Woche nach einer dramatischen Berg- und Talfahrt uneinheitlich. Nach dem freundlichen Start und zeitweise deutlichen Kursverlusten im Vormittagsgeschäft ging der Dow-Jones-Index der Standardwerte 0,5 Prozent höher bei 11.444 Punkten aus dem Handel. Der breiter gefasste S&P-500 fiel geringfügig und rutschte auf 1199 Zähler ab. Der Composite-Index der Technologiebörse Nasdaq gab 0,9 Prozent auf 2532 Punkte nach.

Dow Jones
Dow Jones 28.015,06

Auf Wochensicht gaben alle drei Indizes nach: Der Dow um 5,8 Prozent, die Nasdaq um 8,1 Prozent und der S&P um 7,2 Prozent - der größte Wochenverlust seit November 2008. Der als "Angstbarometer" bekannte Volatilitäts-Index VIX sprang zeitweilig auf 38,8 Punkte - der höchste Stand seit Mai 2010 - und schloss bei 32,6 Punkten. Im Dax war das Umsatzvolumen mit 8,1 Milliarden Euro am Freitag mehr als doppelt so hoch wie an einem durchschnittlichen Handelstag.

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Am Morgen (Ortszeit) hatte ein Hoffnungsschimmer vom US-Arbeitsmarkt den Abwärtssog an der Wall Street vorübergehend gestoppt. In der größten Volkswirtschaft wurden im Juli dem offiziellen Jobbericht aus Washington zufolge mehr neue Stellen geschaffen als im Vormonat und von Analysten erwartet. Experten äußerten sich dennoch skeptisch. "Ich würde nicht sagen, dass ein Rückfall in die Rezession damit komplett vom Tisch ist", sagte Michael Gapen, US-Ökonom bei Barclays Capital.

Nasdaq Composite
Nasdaq Composite 8.656,53

Andere Beobachter hielten die zeitweise aufflackernde Panikstimmung an den Finanzmärkten für überzogen und fundamental keinesfalls gerechtfertigt. "Die massiven Kurseinbrüche erinnern stark an ein typisches Herdenverhalten", sagte Hans-Jörg Naumer, Kapitalmarkt-Analyst bei Allianz Global Investors. "Das ist immer das Signal einer massiven Übertreibung. Es scheint eine Art Sommergewitter zu sein und wir können immer noch auf stabileres Börsenwetter im Spätsommer hoffen."

Beruhigung kam vor Börsenschluss aus Italien. Berlusconi und Wirtschaftsminister Giulio Tremonti kündigten am Abend europäischer Zeit auf einer kurzfristig angesetzten Pressekonferenz an, ihre Sparmaßnahmen zu beschleunigen. Ziel sei ein ausgeglichener Haushalt 2013. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte vor der Erklärung aus Kreisen erfahren, dass mehrere Staats- und Regierungschefs der EU erheblichen Druck auf Berlusconi ausgeübt hätten.

Dem Marktumfeld entsprechend gab es auch bei den Einzelwerten sehr wechselhafte Kursbewegungen. Aktien der Bank of America etwa gehörten zum Auftakt noch zu den besten Werten im Dow Jones, rutschten zum Schluss aber besonders stark um 7,47 Prozent auf 8,17 US-Dollar ab. Der Bankensektor zeigte sich zur letzten Wochenrunde insgesamt schwach. Papiere der Citigroup büßten fast vier Prozent ein und Aktien von JPMorgan verloren rund 0,8 Prozent.

Kraft Foods stiegen derweil um 3,23 Prozent auf 34,87 Dollar und waren damit der Spitzenreiter im Dow Jones. Ein am Vortag angekündigter Konzernumbau wirkte bei den Titeln des Konsumgüterkonzerns positiv nach. Dieser war am Donnerstag zwar positiv aufgenommen worden, angesichts des dramatischen Kurseinbruchs am Gesamtmarkt aber wirkungslos verpufft.

Aktien des Konkurrenten Procter & Gamble waren mit einem Plus von 1,7 Prozent der zweitbeste Indexwert und machten so das gute Abschneiden von Konsumwerten perfekt. Der Konzern hatte das abgelaufene vierte Quartal mit einem höheren Umsatz und mehr Gewinn beendet und dabei die Erwartungen von Experten übertroffen.

Zeichen der Entspannung machten Beobachter an den US-Kreditmärkte aus. Nach einer tagelangen Rally gingen dort die Notierungen für US-Bonds zum Wochenschluss auf Talfahrt. Die zehnjährigen Staatsanleihen fielen 1-13/32 auf 104-28/32. Sie rentierten mit 2,558 Prozent. Die 30-jährigen Bonds brachen 3-3/32 auf 109-23/32 ein und hatten eine Rendite von 3,824 Prozent. Hintergrund für die Abschläge bei den Bonds, die in jüngster Zeit als sicherer Hafen angesehen wurde, waren unter anderem unerwartet positive Daten vom US-Arbeitsmarkt. Die Nachricht, dass das krisengeschüttelte Italien Reformen vorziehen und Sparprogramme beschleunigen wolle, veranlasste Anleger ebenfalls, ihr Kapital aus den Kreditmärkten abzuziehen.

Die Erholung an den Anleihemärkten der europäischen Schuldenländer hat am Freitag den Kurs des Euro gestützt. Im New Yorker Handel stand die Gemeinschaftswährung zuletzt bei 1,4291 Dollar.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 2,25 Mrd. Aktien den Besitzer. 792 Werte legten zu, 2287 gaben nach und 55 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 3,73 Mrd. Aktien 756 im Plus, 1841 im Minus und 71 unverändert. Das Gesamt-Aktienvolumen betrug 15,8 Mrd. , der größte Wert seit dem Tag nach dem Flash-Crash 2010.

Quelle: n-tv.de, dpa/rts

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