Marktberichte

Wall Street leicht im Plus Euro-Sturz auf Jahrestief rettet Dax

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Trendwende zum Feierabend - auf den letzten Metern steigt der Dax ins Plus.

(Foto: REUTERS)

Nach einem überwiegend schwachen Handelstag mit dünnen Umsätzen kann der Dax am Ende doch noch ein kleines Plus in den Feierabend retten. Rückenwind kommt vom schwachen Euro, den Fed-Chefin Yellen am Nachmittag auf Talfahrt schickt.

Ausgerechnet ein abrutschender Euro rettete dem Dax den Handelstag: Nachdem die europäische Gemeinschaftswährung am späten Nachmittag ins Straucheln kam und auf ein neues Jahrestief bei 1,0627 Dollar fiel, konnte sich der deutsche Leitindex ins Plus vorschieben. Denn: Ein schwacher Euro kommt vor allem den exportorientierten Unternehmen im Dax zugute, da sie ihre Waren im Ausland günstiger anbieten können. Am Ende schloss der Dax mit einem Plus von 0,2 Prozent auf 10.686 Punkten.

Der Grund für die Euro-Schwäche war die Stärke des Dollar. Dieser wurde gestützt durch Aussagen der US-Notenbankpräsidentin Janet Yellen, die als Hinweis auf eine Zinserhöhung durch die Fed im Dezember gewertet wurden. Eine Zinserhöhung könnte "relativ bald" angemessen sein, sagte Yellen vor einem Kongressausschuss in Washington. Außerdem verstärkten am Nachmittag deutlich besser als erwartet ausgefallene US-Konjunkturdaten die Spekulation auf eine Zinserhöhung.

Im Mittagshandel hatte der Euro noch einen Erholungsversuch gestartet. Nach robusten Konjunkturdaten aus der Eurozone erreichte die Gemeinschaftswährung zeitweise ein Tageshoch bei 1,0746 Dollar. Die Inflation im Euroraum ist im Oktober wie erwartet gestiegen und hat mit 0,5 Prozent den höchsten Stand seit über zwei Jahren erreicht. In Deutschland ist dank neuer Jobs im Dienstleistungssektor die Zahl der Erwerbstätigen im dritten Quartal auf den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung gestiegen.

Für den MDax ging es 0,6 Prozent nach oben auf 20.587 Zähler. Deutlicher zulegen konnte der TecDax, der um 0,5 Prozent auf 1725 Punkte stieg. Um 0,4 Prozent nach oben ging es für den Euro-Stoxx-50, der auf 3039 Punkte anzog.

Dax: Infineon und Henkel im Fokus

Bei den Einzelwerten stachen Henkel mit einem Minus von 1,2 Prozent heraus. Der Konsumgüterkonzern stellte seine Ziele bis zum Jahr 2020 vor und lieferte Analysten zufolge wenig Überraschendes. Das bereinigte Ergebnis je Vorzugsaktie soll im Mittel von sieben bis neun Prozent pro Jahr wachsen, im letzten Vier-Jahres-Plan peilte Henkel hier noch zehn Prozent an.

Auch Infineon gehörten mit ebenfalls minus 1,2 Prozent zu den Verlierern im Dax. Händler führten dies auf Aussagen von Firmenchef Reinhard Ploss auf der TMT-Konferenz von Morgan Stanley zurück. Ploss habe gesagt, dass die Nachfrage von Autoherstellern nach den Umsatzrekorden in den vergangenen Jahren etwas zurückgehen könnte, allerdings auf hohen Niveaus bleiben werde.

Auf der Gewinnerseite legte Deutsche Telekom um 0,8 Prozent zu. Der Konzern hofft auf neue US-Kartellregeln unter Trump. Bislang waren die Verkaufsversuche von T-Mobile USA daran gescheitert. Größter Gewinner im Dax waren am Ende Adidas mit einem Plus von 1,5 Prozent.

MDax und SDax: Hugo Boss setzen Talfahrt fort

Nach enttäuschenden Aussagen von Hugo Boss vom Vortag zu den Wachstumsaussichten verlor der Kurs weitere 0,7 Prozent und landete im MDax auf den hinteren Rängen. Laut Händlern hat Goldman Sachs die Puma-Aktie von "Verkaufen" auf "Neutral" erhöht. Puma legten um 2,8 Prozent zu.

Europa: Britische Post stürzt an der Börse ab

Der schweizerische Versicherer Zurich Insurance will die Kosten bis 2019 um 1,5 Milliarden US-Dollar senken und drei Viertel des Gewinns an die Aktionäre ausschütten. Der Kurs gewann 1,8 Prozent hinzu.

In Amsterdam verloren die Papiere des niederländisch-belgischen Handelskonzerns Ahold Delhaize 3,7 Prozent. Der operative Gewinn liegt im dritten Quartal unter der Konsensprognose von Analysten.

An der Londoner Börse fielen Royal Mail um 7,2 Prozent. Der Gewinn der britischen Post ist zuletzt um ein Viertel zurückgegangen, nun muss es das Weihnachtsgeschäft herausreißen.

USA: Yellen-Rede stützt die Wall Street

Die US-Börsen nahmen ihren Aufwärtstrend nach der US-Präsidentenwahl in gemäßigtem Tempo wieder auf. Die Anleger zeigten sich ermutigt von Signalen der Fed-Chefin Janet Yellen, dass die US-Notenbank auch nach dem überraschenden Wahlsieg von Donald Trump Kurs auf eine Zinserhöhung im Dezember hält. Eine Anhebung könne "relativ bald" angebracht sein, sagte sie bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt nach der Wahl.

Wichtig für die weitere Entwicklung sei aber Klarheit über die Wirtschaftspolitik der neuen Regierung. Nach der Wahl hatten Trumps Vorschläge für Steuersenkungen und Infrastrukturinvestitionen die Börsen angetrieben. Zuletzt bremsten aufkeimende Zweifel an den Plänen die Kurse.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte stieg um 0,2 Prozent und schloss bei 18.904 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 legte 0,5 Prozent auf 2187 Zähler zu. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gewann 0,7 Prozent auf 5334 Stellen.

Auch ermutigende Konjunkturdaten stützen die Kurse. Die Amerikaner haben kurz vor der US-Wahl so viele neue Wohnprojekte gestartet wie seit neun Jahren nicht mehr. Die Zahl der Wohnbaubeginne stieg überraschend kräftig um 25,5 Prozent auf eine Jahresrate von 1,32 Millionen, wie das Handelsministerium mitteilte. Das war zugleich der stärkste Anstieg seit Juli 1982. Zudem näherte sich die Inflationsrate im Oktober mit 1,6 Prozent dem Fed-Ziel von zwei Prozent an.

"Eine Zinserhöhung im Dezember ist eingepreist", sagte Analyst Erik Wytenus von JP Morgan Private Bank. Die Federal Reserve werde dabei aber behutsam vorgehen. Händler am Markt sehen nach Thomson-Reuters-Daten die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im Dezember bei 83 Prozent. Fed-Chefin Yellen mahnte aber die Politik mit Blick auf die von Trump in Aussicht gestellten Steuererleichterungen und Konjunkturprogramme zu haushaltspolitischer Umsicht. Unter Unternehmen herrscht Furcht, dass der erklärte Freihandelsgegner Trump mit Handelsschranken letztlich Jobs im eigenen Land gefährden und damit der Konjunktur schaden könnte.

Auf dem Dow Jones lasteten enttäuschende Quartalszahlen von Wal-Mart. Der weltweit führende Einzelhändler bekommt den Preisverfall bei Lebensmitteln zu spüren. Der Nettogewinn sank im Sommerquartal um zehn Prozent. Der Umsatz wuchs mit 0,5 Prozent nicht so stark wie am Markt erwartet. Die Aktien fielen um 3,3 Prozent.

Die Papiere von Cisco Systems fielen sogar um 5,0 Prozent. Dem Netzwerkausrüster macht das Traditionsgeschäft mit Routern zu schaffen. Im abgelaufenen Geschäftsquartal fielen deshalb die Erlöse um 2,6 Prozent auf 12,35 Milliarden Dollar.

Asien: Anleger in Japan nehmen Gewinne mit

Die Aktienmärkte in Fernost haben keine gemeinsame Richtung gefunden. Gewinnmitnahmen belasteten vor allem die Tokioter Börse, während einige andere Märkten der Region zulegten.

Der Tokioter Leitindex Nikkei mit seinen 225 führenden Werten schloss mit 17.862 Punkten unverändert. Er hatte zuvor zeitweise zugelegt, weil die Notenbank-Aktion den Kurs des Yen zum Dollar vorübergehend drückte. Ein schwacher Yen hilft japanischen Firmen, weil er deren Exportchancen verbessert. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans legte 0,2 Prozent zu.

Bei den japanischen Aktien gab es vor allem Rückschläge für Finanzhäuser, die zuletzt vom Aufwind der Anleihe-Renditen profitiert hatten. So gaben Mitsubishi UFJ Financial 1,4 Prozent nach, Mizuho Financial fielen um 0,6 Prozent.

Rohstoffe: Ölpreise geben am Abend nach

Die Ölpreise haben zugelegt, kamen am späten Nachmittag aber von den Tageshochs wieder zurück und sanken schlussendlich wieder. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Januar kostete zu US-Handelsschluss 46,04 US-Dollar. Das waren 59 Cent weniger als am Mittwoch. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Dezember-Lieferung fiel ebenfalls um 59 Cent auf 45,51 Dollar.

Als Auslöser für den Anstieg machten Börsianer Aussagen des saudi-arabischen Energieministers Khalid al-Falih aus. Er zeigte sich in einem Interview mit dem staatseigenen TV-Sender Al-Arabiya zuversichtlich, dass sich die Opec bei ihrem Treffen am 30. November auf eine Obergrenze für die Ölproduktion einige. "Ich bin optimistisch, dass wir die in Algerien festgelegten Pläne in faire und ausbalancierte Obergrenzen für einzelne Länder umsetzen können."

Quelle: ntv.de, kst/kpi/DJ/rts/dpa

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