Marktberichte

85 Mrd aus Russland abgezogen Euro scheitert an 1,38er Hürde

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(Foto: dpa)

Die europäische Gemeinschaftswährung beschaut sich die 1,38erMarke weiter von unten. Eindringlich skizziert die Weltbank indes die möglichen Folgen einer eskalierenden Krise für Russland: Kapitalabfluss, BIP-Rückgang und steigende Inflation.

Der Euro kämpft weiter mit der 1,38er Marke. Im Tagesverlauf fiel die die Gemeinschaftswährung erneut unter die Linie und wechselte am Nachmittag für 1,3790 den Besitzer.

Euro / US-Dollar
Euro / US-Dollar 1,16

Die Europäische Zentralbank legte derweil den Referenzkurs bei 1,3791 Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7251 Euro. Zu anderen wichtigen Währungen setzte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,83360 britische Pfund, 141,25 japanische Yen und 1,2216 Schweizer Franken fest.

Am Vortag war der Euro wegen des schwachen Ifo-Index' und Äußerungen aus den Reihen der Europäischen Zentralbank (EZB) unter Druck geraten. Zusätzlich unter Druck war der Euro, durch Außerungen mehrerer EZB-Mitglieder geraten, die laut über negative Einlagezinsen referrierten. Ob dem Euroraum tatsächlich eine Abwärtsspirale aus sinkenden Verbraucherpreisen und allenfalls stagnierendem Wachstum droht, ist unter Beobachtern umstritten.

EZB-Präsident Mario Draghi hatte dann die Bedeutung des Euro-Wechselkurses für die Preisstabilität untermauert. Die EZB habe die Stärke des Euro sehr genau im Auge und der Wechselkurs sei wichtig für die Notenbank, um ihr Mandat der Preisstabilität zu erfüllen, sagte er. Der Wechselkurs sei kein politisches Ziel. Zugleich begründete er jüngste Stärke des Euro mit externen Faktoren wie der Geldpolitik in Japan und der Entwicklung vieler Schwellenländerwährungen. Zusätzlich sei seit 2012 das Vertrauen wieder in die Eurozone zurückgekehrt. Auch das habe zu der Stärke des Euro geführt, erklärte Draghi. "Der Euro wird als eine Insel der Stabilität angesehen", sagte der EZB-Präsident. Sorgen um eine mögliche Deflation im Währungsraum spielte Draghi herunter.

Schwedische Verbraucher drücken Krone

In Schweden sorgte der unerwartete Rückgang des Verbraucher- und Geschäftsvertrauens für ein Ende der Seitwärtsbewegung der Schwedischen Krone zum Euro und führt zu einer kräftigen Abwertung. Das Verbrauchervertrauen in Schweden ging im März auf 99,6 zurück, während Volkswirte mit einem Anstieg auf 102,8 gerechnet hatten. Das Geschäftsvertrauen lag bei 99,8 entgegen der Prognose von 102,9.

Verzeichnete die Krone direkt nach Veröffentlichung der Daten zunächst nur geringe Wechselkursverluste, geht es nun doch stärker bergab auf aktuell 8,8985 Kronen je Euro. Vor der Veröffentlichung des Verbrauchervertrauens mussten lediglich 8,8520 Kronen für einen Euro bezahlt werden. Die nächste technische Widerstandslinie liegt bei 8,8990 Kronen.

Weltbank: 85 Milliarden Dollar aus Russland abgezogen

US-Dollar / Rubel
US-Dollar / Rubel 78,36

Die kräftige Erholung des Rubel gegen den Dollar in den vergangenen Tagen spricht für eine nachlassende Risikoaversion der Anleger und damit für steigende Kurse an den Aktienmärkten. Der Rubel steige am Mittwoch zwar nur noch leicht gegen den Dollar, sagt ein Händler, die Richtung stimme ab. Der Dollar notiert derzeit bei 35,47 Rubel, nachdem er am 17. März noch ein Jahreshoch bei 36,74 Rubel erreicht hatte. Auch die Währungen aus anderen Schwellenländern erholen sich.

Die Commerzbank rechnet damit, dass das erste Quartal des laufenden Jahres den Höhepunkt der Kapitalabflüsse aus Russland darstellen dürfte. Insofern rechnen die Währungsstrategen ab jetzt nicht mehr mit einer weiteren klaren Abwertung des Rubel.

Nach Prognosen der Weltbank dürften Investoren aber selbst im Fall einer Beruhigung in diesem Jahr bis zu 85 Milliarden Dollar abziehen, sagte die Russland-Expertin der Weltbank, Birgit Hansl. Bei einer weiteren Eskalation könne sich die Summe auf bis zu 150 Milliarden Dollar erhöhen. Dem Finanzministerium in Moskau zufolge haben Anleger allein im ersten Quartal etwa 70 Milliarden Dollar abgezogen.

Auch die Konjunktur leidet unter das Krise. Das Bruttoinlandsprodukt könne in diesem Jahr um bis zu 1,8 Prozent schrumpfen. Beruhige sich die Lage wieder, sei noch ein Plus von 1,1 Prozent drin - halb so viel wie noch im Dezember erwartet. Durch die schwache Währung werden indes Importe Teurer. Dies treibt die Inflationsrate. Die Weltbank erwartet 5,5 Prozent. Die Zentralbank will sie zwischen 4,0 und 5,0 Prozent halten.

Australien stellt sich breiter auf

In Australien halfen positive Aussagen der Notenbank dem Austral-Dollar auf ein neues Jahreshoch von 0,9214 US-Dollar. Laut Zentralbankgouverneur Glenn Stevens generiert die australische Wirtschaft ihr Wachstum zunehmend außerhalb des Bergbausektors. Grundlage dafür seien die historisch niedrigen Zinsen, die Aufhellung der globalen Konjunktur sowie die starke Abwertung des "Aussie" im vergangenen Jahr.

Unterdessen merkt die Scotiabank an, dass nun auch endlich der Kanadische Dollar (Loonie) an der Rally der Wachstums- und Rohstoffwährungen teilnehme. Erstmals seit Wochen bewege sich der Loonie im Einklang mit anderen Rohstoffwährungen. Bei einem Tagesschluss des US-Dollar unter dem Eröffnungskurs vom 19. Mai bei 1,1135 Kanadischen Dollar dürften einige kurzfristig orientierte Marktteilnehmer vom Bullen- ins Bärenlager wechseln, vermutet die Bank. Aktuell kostet der US-Dollar 1,1147 Kanadische Dollar.

Quelle: ntv.de, ddi/dpa/rts