Marktberichte

Skepsis gewinnt Oberhand Euro unter 1,33er-Marke

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(Foto: REUTERS)

Die Anleger entscheiden sich doch zu etwas mehr Zurückhaltung und harren der Dinge, die da aus Griechenland noch kommen mögen. Griechenland hat sich zwar auf ein Sparkpaket geeinigt. Ob das aber genügt, damit das nächste Geld fließt, bleibt ungewiss. Es rühren sich erste Zweifel.

Euro / US-Dollar
Euro / US-Dollar 1,21

Kaum verändert unter der Marke von 1,33 Dollar Marke geht der Euro trotz der Nachricht um eine Einigung in Griechenland am Donnerstag aus dem europäischen Handel. "Wir hätten uns eine stärkere Aufwärtsbewegung erwartet", sagte ein Händler. Zudem stützen den Dollar deutlich bessere Wochendaten vom US-Arbeitsmarkt.

In Griechenland hatten die Parteiführer der Regierungskoalition am Nachmittag überraschend schnell den Bedingungen der internationalen Geldgeber für ein zweites Rettungspaket zugestimmt. "Die Parteichefs haben den Forderungen zugestimmt", sagte Ministerpräsident Lucas Papademos. Alle offenen Fragen seien gelöst.

Knackpunkt war nach einem Verhandlungsmarathon mit der sogenannten "Troika" aus EU, IWF und EZB eine Lücke bei den Einsparungen in Höhe von 300 Millionen Euro. Die Summe sollte ursprünglich aus dem Rentensystem kommen. Der Sprecher von Regierungschef Papademos kündigte an, dass Griechenland die 300 Millionen Euro einsparen werde, ohne zu konkretisieren, an welcher Stelle das geschehen soll.

Deutschland gibt sich reserviert

Aktuell tagt in Brüssel weiter die Eurogruppe, um über das zweite Rettungspaket in Höhe von 130 Mrd. Euro zu beraten. Allerdings soll es keine Entscheidung zu Griechenland geben, heißt es aus deutschen Regierungskreisen. Wie am Abend bekannt wurde schaltet sich auch der Bundestag wieder in die Griechenlandhilfe ein: Am Freitagmorgen werden die Bundestagsfraktionen der schwarz-gelben Regierungskoalition zu Sondersitzungen zusammenkommen, um über die aktuellen Entwicklungen in Griechenland und die Ergebnisse des EU-Finanzministertreffens vom Vorabend zu beraten, wie Sprecher beider Parteien Dow Jones Newswires in Berlin bestätigten. Auch die SPD-Bundestagsfraktion wird eine Sondersitzung zum Thema Griechenlandhilfe abhalten.

Gelder aus Berlin werden die Parlamentarier nicht so schnell freigeben, wenn für sie nicht eindeutig erkennbar sein wird, dass Griechenland es jetzt endlich ernst meint mit seinen Zusagen. Voraussetzung für neue Finanzhilfen sei, "dass die griechische Politik nicht nur redet, sondern dass sie handelt", betonte Außenminister Guido Westerwelle. Die Zukunft Griechenlands hänge jetzt ganz entscheidend von Griechenland selbst ab. Auch weitere führende Politiker der Koalition mahnten die vollständige Umsetzung der Troika-Vorgaben an und betonten, dies sei die unabdingbare Voraussetzung für weitere Hilfspakete für Griechenland.

In einer Pressekonferenz zur EZB-Zinsentscheidung wollte Präsident Mario Draghi auch nichts dazu sagen, ob und inwiefern sich die Zentralbank an einem Schuldenerlass beteiligen wird. Auch diese Baustelle ist damit weiter offen.

Die Entscheidung der EZB für gleichbleibende Zinsen war vom Markt erwartet worden. Auf Interesse stießen jedoch Maßnahmen zur erleichterten Hinterlegung von Sicherheiten (Collaterals) bei der EZB. Sieben Notenbanken haben dies beantragt. "Etwas überraschend ist nur, dass Frankreich und Österreich mit dabei sind", sagte ein Händler. Von den anderen Ländern Irland, Spanien, Italien, Zypern und Portugal sei dies hingegen erwartet worden.

Für den US-Dollar sprachen daneben die wöchentlichen US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe. Sie stützten die US-Devise gegen alle Haupthandelswährungen. Diese gingen überraschend um 15.000 zurück, obwohl ein Anstieg um 3.000 erwartet worden war. "Das untermauert einfach das Bild der guten US-Arbeitsmarktdaten von letzter Woche", so ein Händler.

In Großbritannien tagte ebenfalls die Bank of England. Sie weitete ihr Anleihenkaufprogramm wie erwartet um 50 Mrd. Pfund auf 325 Mrd. Pfund aus.

Quelle: ntv.de, ddi/DJ