Marktberichte

"99 Prozent done" Euro unter Druck

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Es geht und geht nicht voran.

(Foto: dpa)

Das Nein der griechischen Rechten zum Regierungsabkommen mit den internationalen Kreditgebern hat unter Investoren die Angst vor einer Staatspleite Griechenlands neu geschürt. Am Devisenmarkt fiel der Euro bis auf 1,3153 Dollar und verlor damit zu seinem Zwei-Monats-Hoch vom Vortag mehr als anderthalb Cent. Am Rentenmarkt schnellten dagegen die Kurse der als sicher geltenden Bundesanleihen nach oben - der richtungsweisende Bund-Future zog um 1,33 auf 138,43 Zähler an.           

"Es fühlt sich an wie bei einem Software Update. Die Status-Bar zeigt "99 Prozent done", doch dann dauert es eine Ewigkeit bis zur Fertigstellung", umschrieb die Commerzbank in einem Kommentar die Stimmung am Markt. "Griechenland ist nicht vom Eis."        

Die Zeit wird knapp

Der Chef der rechten Regierungspartei Laos, Giorgos Karatzaferis, hatte am Mittag erklärt, seine Partei werde das zwischen der Regierung und IWF, EU-Kommission und EZB ausgehandelte Sparpaket nicht mittragen. Die verbindliche Zusage aller in der Regierung vertretenen Parteien ist aber eine Voraussetzung für die Freigabe neuer Gelder für Athen. Noch am Donnerstag hatte es geheißen, die Regierungsparteien hätten dem Sparpaket zugestimmt. "Jetzt steht wieder alles auf der Kippe", stöhnte ein Händler. "Die Zeit wird knapp, denn wenn bis zum 20. März immer noch keine Einigung erreicht ist und Athen seine Schulden dann nicht zurückzahlt, haben wir die Pleite."     

"Die Parteien haben die Wahlen im Blick und müssen an ihre Klientel denken", sagte ein Analyst. "Ich würde nicht ausschließen, dass noch alles platzt. Aus europäischer Sicht wird sicher alles getan werden, um den Deal zu retten. Aber die Griechen gehören ja auch noch dazu."

In Athen sind die Proteste wütender Griechen gegen den strengen Sparkurs inzwischen in Gewalt umgeschlagen. Die Polizei setzte Tränengas ein, zeigte sich aber auch mit den Demonstranten solidarisch: Ihre Gewerkschaft drohte, die Finanzkontrolleure von EU-Kommission, EZB und IWF per Haftbefehl suchen zu lassen - unter anderem wegen Gefährdung der Demokratie.

Spürbare Renditeanstiege verzeichneten im Schlepptau des griechischen Hickhacks die Anleihen aus Italien, Spanien und Frankreich. Händler sprachen von einer gestiegenen Risikoaversion, wiesen aber auch darauf hin, dass kaum langfristig orientierte Investoren in den Papieren aktiv seien.        

Portugal-Anleihen haussieren

Ungeachtet der Turbulenzen um Griechenland legten portugiesische Anleihen eine wahre Rally hin. Die zehnjährigen Papiere schnellten um 2,4 Zähler nach oben, so dass die Rendite auf 12,7 (spätes Vortagesgeschäft: 13,4) Prozent fiel. Die Risikoaufschläge gegenüber den vergleichbaren Bundesanleihen gingen spürbar zurück. Händler führten die Erleichterung der Investoren auf Aussagen von Finanzminister Wolfgang Schäuble zurück, Portugal notfalls beim internationalen Rettungsprogramm entgegenzukommen.          

Anleger beobachten die Finanzlage des südeuropäischen Landes seit Wochen mit immer größerer Skepsis. Etliche befürchten bereits, Portugal könnte nach Griechenland der nächste Kandidat für ein zweites Rettungspaket und womöglich auch für eine Umschuldung werden. Die Renditen der zehnjährigen Staatsanleihen waren in der Spitze bis auf 19,6 Prozent gestiegen.        

Quelle: ntv.de, rts

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