Marktberichte

Mittwochgipfel im Blick Euro verharrt in Wartestellung

Die Devisenanleger warten bei der Lösung der Schuldenkrise auf den großen Wurf. Sie lassen Vorsicht walten, denn Entscheidungen soll es erst am Mittwoch geben. Der Euro überspringt nur für kurze Zeit die Marke von 1,39 US-Dollar, um sich dann wieder zurückzuziehen.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel, IWF-Chefin Christine Lagarde und EZB-Chef Jean-Claude Trichet.

(Foto: REUTERS)

Die Devisenanleger haben die jüngsten Verhandlungen europäischer Politiker als Fortschritt gewertet. Sie stellten sich darauf ein, dass auf dem nächsten EU-Gipfel am Mittwoch eine tragfähige Lösung für die Schuldenkrise gefunden wird. Dem Euro verhalf diese Einschätzung am Montag zu einem kurzzeitigen Anstieg bis auf 1,3953 US-Dollar. Im Verlauf fiel die Gemeinschaftswährung allerdings unter 1,39 Dollar zurück und notierte am Nachmittag um 1,3840 Dollar auf dem Niveau des späten Vorwochengeschäfts.

"Man hofft auf den großen Wurf am Mittwoch, und von daher lässt sich im Moment niemand entmutigen", sagte ein Händler. "Bevor aber nichts Konkretes auf dem Tisch liegt, traut sich auch niemand, den Euro wirklich zu kaufen." Der Handel insgesamt laufe sehr schleppend, wenige Investoren agierten aktiv. 

Die größten Unsicherheitsfaktoren aus Anlegersicht sind die Höhe einer griechischen Umschuldung und die daraus resultierenden Belastungen für die Banken. Die Frage bleibt auch, wie die geplante Ausweitung des EFSF-Volumens funktionieren und ob eine Ansteckung anderer wackeliger Eurostaaten vermieden werden kann.

Höhe der griechischen Umschuldung noch offen

Hinsichtlich des europäischen Rettungsfonds EFSF scheint eine Einbeziehung der Europäischen Zentralbank (EZB) inzwischen vom Tisch. Diskutiert werden noch die Version einer Art Teilkasko, bei der EFSF privaten Käufern von Anleihen wackeliger Euro-Staaten garantiert, die ersten Verluste zu übernehmen. Eine zweite Variante sieht die Gründung einer Zweckgesellschaft vor, in die der EFSF, private Investoren oder auch staatliche Vermögensfonds Kapital einzahlen. Dieses Geld würde dann als Sicherheit genutzt, um weitere Gelder am Kapitalmarkt aufnehmen zu können.         

"Die EU scheint einer Lösung hinsichtlich der Hebelung des EFSF und der Rekapitalisierung der Banken näher zu kommen; die kritische Frage bleibt allerdings die Höhe der griechischen Umschuldung", sagte Währungsstratege Ian Stannard von Morgan Stanley. "Wie immer bei der EU muss die endgültige Vereinbarung abgewartet werden, aber der Optimismus ist erst einmal groß, und das könnte den Euro zunächst weiter unterstützen."    

Die europäischen Banken sollen sich nach dem, was vom Wochenend-Gipfel durchdrang, auf eine wesentlich stärkere Umschuldung einlassen als die bisher zugesagten 21 Prozent. Die Forderungen gehen bis zu 60 Prozent - das wäre ungefähr der Satz, der am Anleihenmarkt derzeit auch eingepreist wird. Angeboten haben die Banken bisher offenbar 40 Prozent. Damit die Institute durch die neuen Belastungen nicht umgeworfen werden, erwarten Investoren, dass der Gipfel am Mittwoch auch Wege für eine Rekapitalisierung der Banken aufzeigt.   

Bleibt Italien hängen?

Am Rentenmarkt gingen Investoren trotz der durchaus vorhandenen Hoffnung lieber auf Nummer sicher. Bundesanleihen waren gefragt; die zehnjährigen Papiere stiegen um 65 Ticks und rentierten mit 2,037 Prozent. Griechische zehnjährige Anleihen rentierten nahezu unverändert knapp unter 25 Prozent.     

"Selbst wenn wir Griechenland jetzt durch die Tür kriegen, ist die Frage, ob Italien darin hängenbleibt", sagte ein Händler. Die Rendite der zehnjährigen italienischen Anleihen ist schon wieder auf rund sechs Prozent gestiegen; trotz der Anleihenkäufe durch die EZB. Positiver werden von den Investoren offenbar die Anstrengungen der Regierung in Madrid gesehen. Die spanischen Papiere - die auch seit Wochen von der Zentralbank gekauft werden - rentieren aktuell mit 5,5 Prozent. "Diese unterschiedliche Entwicklung zeigt ja, dass die EZB auf Dauer auch nicht helfen kann, dafür ist der Markt einfach zu groß", sagte der Händler.

Quelle: n-tv.de, rts

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