Wirtschaft
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Donnerstag, 31. Mai 2012

Schnäppchenjäger stoppen Öl-Talfahrt: Gold kein Krisenanker mehr

Die Eskalation der Schuldenkrise in Spanien münzt sich für Gold-Anhänger nicht in steigende Preise um - im Gegenteil. Der vermeintlich sichere Anlagehafen verzeichnet derzeit die längste Talfahrt seit über einer Dekade. Beim Kupferpreis sorgen die Spanien-Sorgen Kursverluste aus, Öl erholt sich dagegen leicht.

Der steigende Dollar hat Gold in den vergangenen Wochen erneut schwer zugesetzt. Eine Feinunze kostete am Donnerstag mit 1537,36 Dollar zwar 0,4 Prozent mehr als am Mittwoch, im Vergleich zum Vormonat hat das Edelmetall aber knapp sechs Prozent an Wert verloren. Das ist das größte Minus in einem Mai seit 30 Jahren. Außerdem steht Gold vor dem vierten Monatsverlust in Folge. Dies ist die längste Talfahrt seit dem Jahrtausendwechsel. Sollte sich die Schuldenkrise in Europa zuspitzen, könnte der Goldpreis in Richtung 1500 Dollar fallen, sagte Analyst Hou Xinqiang von Jinrui Futures.

Gold kann schon seit einiger Zeit nicht von seinem Image als sicherer Anlagehafen profitieren. Stattdessen ist der Kursanstieg der - ebenfalls als sicher angesehenen - Weltleitwährung der entscheidende Faktor. Je höher der Dollar-Kurs, desto teurer ist Gold für Investoren außerhalb der USA. So kostet beispielsweise eine Feinunze Gold in Euro gerechnet derzeit 0,4 Prozent mehr als noch Ende April.

Mangelndes Vertrauen in das Krisenmanagement der spanischen Regierung schickte die Preise für Industriemetalle erneut auf Talfahrt. Eine Tonne Kupfer war mit 7198 Dollar zeitweise so billig wie noch nie in diesem Jahr. Im Tagesverlauf erholte sich der Kurs aber etwas und stieg um 0,6 Prozent auf 7518,50 Dollar. Weitere Kursgewinne seien derzeit aber nicht zu erwarten, warnte ein Börsianer. "Die Unwägbarkeiten in Europa machen alle vorsichtig. Es gibt einfach zu viel, was in der Region schiefgehen könnte." Daher wolle sich niemand zu weit aus dem Fenster lehnen.

Am Ölmarkt nutzten einige Anleger nach dem gut dreiprozentigen Kursrutsch des Vortages die Gelegenheit zum Einstieg. Die Furcht vor einer Eskalation der spanischen Schuldenkrise dämpfte allerdings auch hier die Kauflaune. Ein Barrel der US-Sorte WTI kostete mit 88,10 Dollar 0,3 Prozent mehr als am Mittwoch. Brent-Öl verteuerte sich um 0,4 Prozent auf 103,86 Dollar.

"Die derzeitige Situation in Spanien ist unhaltbar", sagte Volkswirt Michael Creed von der National Australia Bank. "Es gibt nicht nur Bedenken wegen der Lage des dortigen Bankensektors, sondern auch wenig Zuversicht, dass die Regierung in der Lage ist, die Institute zu retten."

Quelle: n-tv.de