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US-Notenbank wird optimistischer Goldpreis fällt kräftig

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Gold wird günstiger

REUTERS

Die amerikanische Notenbank Fed bereitet die Märkte darauf vor, dass sie ihr massives Anleihenkaufprogramm bald drosseln könnte. An den Rohstoffmärkten sorgt das für überaus nervöse Reaktionen: Investoren trennen sich von ihrem Gold.

Gold, Feinunze
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Die Richtung des Goldpreises scheint vorgezeichnet: Es geht weiter nach unten. Mit 1304,78 Dollar je Feinunze rutschte das Edelmetall auf den niedrigsten Stand seit Herbst 2010. Die Andeutungen von US-Notenbankchef Ben  Bernanke, die Anleihenkäufe zurückzufahren, hatten die Abwärtsentwicklung weiter beschleunigt. Vor Bernankes Aussagen hatte die Feinunze Gold noch 1374 Dollar gekostet. Auf Euro-Basis fiel der Goldpreis sogar erstmals seit März 2011 wieder in den dreistelligen Bereich zurück. Im Tagestief kostete die Feinunze 987 Dollar, nachdem im Tageshoch des Vortages noch über 1023 Euro gezahlt werden mussten.

Die Fed blickt sehr viel zuversichtlicher auf die US-Konjunktur als noch im Frühjahr. Schon im kommenden Jahr könnte die Arbeitslosenquote auf die als entscheidend definierte Zielmarke von 6,5 Prozent fallen. Im März hatten die Mitglieder des Offenmarktausschusses dafür erst 2015 veranschlagt.

Und wenn sich die Konjunktur in den USA weiter so stetig erholt, dann könnte es bereits in diesem Jahr zu einer Drosselung des monatlichen Wertpapierankaufprogramms der US-Notenbank kommen. Mitte 2014 könnten die monatlichen Käufe in Höhe von 85 Mrd. Dollar dann sogar Geschichte sein, im Jahr darauf auch die Leitzinsen womöglich wieder angehoben werden.

Für Gold wäre ein solches Szenario Gift, da einerseits die überschüssige Liquidität aus dem Markt genommen würde, was die Nachfrage nach dem Edelmetall drücken dürfte. Andererseits sinken mit steigenden Zinsen die Inflationsängste. Damit verlöre ein weiteres Kaufmotiv für Gold an Kraft.

Analysten sind sich uneins

Doch Gold-Anhänger geben sich nicht geschlagen: Wenn die Wirtschaft "wirklich in einer so starken Verfassung ist, wie die Notenbanker sagen, warum senken sie dann die monatlichen Käufe nicht auf 60 oder 45 Mrd. Dollar", merkte Analyst Scott Carter von Lear Capital an. Die Fed habe aber nichts in dieser Hinsicht geliefert. Die Schuldenproblematik dürfte weltweit weiter eskalieren und zudem haben Europa und Asien noch mit großen konjunkturellen Problemen zu kämpfen, so der Analyst. "Und selbst wenn die Fed die Anleihekäufe zurückfährt, gibt es immer noch eine ganze Menge Liquidität, die an den Markt will", ergänzt Carter.

Das sieht die Societe Generale anders. Der Goldpreis-Absturz im April und die möglicherweise schon bald anstehende Reduzierung der geldpolitischen Maßnahmen durch die Fed könnte zu einem Paradigmenwechsel in Sachen Gold geführt haben. Daher erwarten die Analysten den Goldpreis im vierten Quartal bei 1200 Dollar je Feinunze. Die anhaltenden Verkäufe von börsennotierten Fonds (ETF) dürften dabei eine steigende physische Nachfrage überwiegen.

"Die Argumente, die gegen Gold sprechen, sind klar: Niedrige Inflation, ein starker Dollar und eine geringere Liquidität mit einer Reduzierung der Anleihekäufe durch die Fed", sagte Analystin Helen Lau von UOB Kay Hian. Allerdings könnte sich im Gegenzug eine steigende Volatilität an den Aktienmärkten wieder positiv für das Edelmetall auswirken. Sie rechnet mit einem weiteren Goldpreisrückgang, die Marke von 1300 Dollar sollte aber halten. Allerdings sei auch kaum mit einem Anstieg über 1440 Dollar zu rechnen. Zwar dürfte ein niedrigerer Goldpreis für eine steigende Nachfrage sorgen, doch könnte sich eine Anhebung der Goldsteuer in Indien, dem weltweit größten Goldimporteur, als Bremse erweisen.

Quelle: n-tv.de, jga/DJ

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