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Kurs-Kick für Borussia Dortmund Hängepartie bei Dax und Dow

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Der Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund erzielt den höchsten Umsatz seiner Geschichte. Aktionäre des einzigen börsennotierten Fußballvereins in Deutschland dürfen sich wieder auf eine Dividende freuen.

(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Überall schieben Anleger Frust wegen der Zinspolitik der Notenbanken. Hierzulande lassen Analystenkommentare und das Lieferanten-Drama bei VW die Autotitel purzeln. Einen Freudensprung gibt es dafür bei Borussia Dortmund.

Der deutsche Aktienmarkt hat nach seinem zuletzt starken Lauf wieder nachgegeben. Nach einem schwachen Auftakt der US-Börsen fiel der deutsche Leitindex bis unter die Marke von 10.500 Punkten zurück. Am Ende notierte der Dax noch knapp 0,6 tiefer bei 10.544 Punkten.

"An der Börse ist nach der Rally der vergangenen Wochen wieder Ernüchterung eingekehrt", schrieb Jochen Stanzl vom Handelshaus CMC Markets. Getrieben vom weltweiten Anlagenotstand wegen fehlender Alternativen seien die Aktienkurse - allen voran an der Wall Street - stark gestiegen. Nun werde die Frage nach der Nachhaltigkeit dieser geldpolitisch motivierten Bewegung gestellt.

Der die mittelgroßen Unternehmen abbildende MDax schloss 0,5 Prozent leichter bei 21.581 Zählern. Der Technologiewerte-Index TecDax fiel 0,4 Prozent auf 1711 Punkte. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es 0,9 Prozent nach unten.

Im Fokus am letzten Handelstag der Woche standen vor allem die Entwicklungen im Streit zwischen Volkswagen und einem Lieferanten. Der Konzern bestätigte Medienberichte, wonach wegen des Rechtsstreits mit einem Zulieferer die Produktion des Golf im Wolfsburger Stammwerk ruhen soll. VW will mit Zwangsmaßnahmen gegen das Unternehmen vorgehen. Die Anleger straften VW-Aktien für den Streit mit 1,5 Prozent Minus ab.

Andere Autotitel bekamen negative Analystenkommentare zu spüren. Die US-Investmentgesellschaft Goldman Sachsstufte BMW auf Neutral von Buy. Auch Hella bekamen die Beurteilung Neutral. Für das BMW-Papier ging es danach 1,9 Prozent nach unten, Hella verloren 1,0 Prozent. Im europäischen Autosektor zeigten sich Wolken am Horizont, schrieb Analyst Stefan Burgstaller. So könnte die Nachfrage in den USA schon ihren Höhepunkt erreicht haben.

Ansonsten waren die konjunktursensiblen Bankaktien nicht gut gelitten. So fielen die Papiere der Commerzbank um 1,0 Prozent. Für die Anteilsscheine der Deutschen Bank ging es am Dax-Ende um 3,1 Prozent nach unten.

Bester Wert im SDax der kleineren Werte waren die Anteilsscheine von Borussia Dortmund mit knapp 4,0Prozent. Umsatz und Gewinn bei dem Fußball-Bundesligist im abgelaufenen Geschäftsjahr 2015/16 waren wieder deutlich gestiegen. Aktionäre des einzigen börsennotierten Fußballvereins in Deutschland dürfen sich wieder auf eine Dividende freuen: Dem Aufsichtsrat schlägt die Geschäftsführung eine Ausschüttung von 6 Cent je Aktie vor.

Wall Street: Im Zeichen der Zinsdebatte

Dow Jones
Dow Jones 28.015,06

An der New Yorker Wall Street haben sich die Anleger zum Wochenschluss zurückgehalten. Da die Berichtssaison der Firmen sich dem Ende neigt, richten die Investoren ihr Augenmerk wieder verstärkt auf die Geldpolitik der US-Notenbank. Innerhalb der Fed mehren sich die Stimmen für eine baldige Zinserhöhung. Die nächste Entscheidung darüber steht im September an. Ein zu langes Zögern könnte negative Folgen für die weltweit größte Volkswirtschaft haben, sagte John Williams von der Fed aus San Francisco. Weitere Aufschlüsse erhoffen Anleger vom Auftritt von Fed-Chefin Janet Yellen nächste Woche auf dem jährlichen Notenbanker-Treffen in Jackson Hole. Die damit verbundene Unsicherheit veranlasse Investoren, Geld vom Markt abzuziehen, sagte Peter Cardillo, Chef-Marktstratege von First Standard Financial.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte gab um 0,2 Prozent nach und schloss bei 18.553 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 verringerte sich um 0,1 Prozent auf 2184 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq notierte mit 5238 Punkten auf dem Stand des Vortages.

Bei den Einzelwerten überzeuge Applied Materials die Anleger jedoch. Die Aktie legte 6,9 Prozent zu. Der weltgrößte Chipausrüster übertraf mit einem Gewinn- und Umsatzsprung die Erwartungen von Analysten. Die Anteilsscheine des Traktorenbauers Deere gewannen 13,7 Prozent. Der Konzern erhöhte seine Prognose für das Gesamtjahr, nachdem das abgelaufene Quartal dank Einsparungen besser ausgefallen war als befürchtet.

Mehr 2,9 Prozent bergab ging es für Emerson Electric. Der auf Automatisierungstechnik spezialisierte US-Konzern will sein Kerngeschäft erweitern und kauft dafür eine Tochter des Pumpenherstellers Pentair. Der im schweizerischen Schaffhausen ansässige Geschäftsbereich Valves & Controls werde für 3,15 Milliarden Dollar übernommen. Estee-Lauder-Scheine ließen 3,6 Prozent Federn. Die Umsätze des Kosmetikherstellers waren im abgelaufenen Quartal weniger als von Analysten erwartet gestiegen.

Asien: Samsung-Aktie von Rekord zu Rekord

Die ostasiatischen Aktienmärkte hatten sich zum Wochenausklang den Vorgaben der US-Börsen vom Vortag angeschlossen. An den meisten Plätzen gab es am Ende des Tages kleine Kursgewinne. Mangels neuer Impulse fielen die Indexbewegungen aber sehr moderat aus.

Der Nikkei-Index in Tokio absolvierte eine Berg- und Talfahrt. Nach dem kräftigen Minus am Vortag startete der Index in positivem Terrain, machte dann einen Abstecher in negatives zur Mittagszeit und ging letztlich 0,4 Prozent höher mit 16.545 Punkten aus dem Tag.

Etwas Rückenwind kam von der Währungsseite, wo sich der Dollar zum Yen von seinem Tagestief am Vortag unter 100 Yen wieder etwas erholt zeigt. Mit 100,25 Yen kostete er gleichwohl nur wenig mehr als zur gleichen Vortageszeit.

An den chinesischen Börsen in Hongkong und Shanghai bewegten sich die Indizes kaum vom Fleck, ebenso in Seoul. In Sydney stieg das Marktbarometer um 0,3 Prozent. In Seoul sorgte abermals der Höhenflug des Schwergewichts Samsung Electronics für Gesprächsstoff. Nach dem kräftigen Anstieg am Donnerstag auf ein Rekordhoch stieg der Kurs am Freitag um weitere 2,1 Prozent auf 1675 Won.

Rohstoffe: Gewinnmitnahmen auch bei Öl

Nicht nur Aktien, auch Gold gehörte zu den Leidtragenden der Zinserhöhungsfantasien in den USA. Dollarstärke und Spekulationen auf steigende Zinsen drückten den Preis nach einem Zweiwochenhoch für das Edelmetall um 1,0 Prozent auf 1339 Dollar im Vergleich zum späten Vorabendgeschäft.

Mit Erdöl neigte tagsüber auch noch ein weiterer Rohstoff zur Schwäche, allerdings ging es am späten Abend mit den Preisen wieder leicht bergauf. US-Leichtöl der Sorte WTI verbilligte sich nur noch um 0,3 Prozent auf 48,99 Dollar, Nordseeöl der Sorte Brent verteuerte sich um 0,3 Prozent auf 50,74 Dollar.

Fundamental billigteen Händler dem Ölmarkt aber weiter Stärke zu. Auf Wochensicht liegt der Markt im Plus. Der Aufschlag basiere im Wesentlichen auf den Spekulationen auf eine Förderdeckelung des Erdölkartells Opec, hieß es. 

Devisen: Euro über 1,13

Euro / Dollar
Euro / Dollar 1,11

Auch am Devisenmarkt blieben die jüngsten Äußerungen aus dem Kreise der Fed nicht ohne Wirkung. Mit der Aussicht auf eine möglicherweise baldige Straffung des US-Zinsniveaus zog der Greenback an. Der Euro fiel umgekehrt auf 1,1326 Dollar nach Wechselkursen über 1,1360 im Tageshoch des Vorabends.

Die türkische Lira setzte am Freitag die bereits am Vortag gesehen Abwärtsbewegung fort. Der Dollar verteuerte sich zwischenzeitlich auf über 2,94, nachdem er im späten US-Geschäft noch für 2,9270 zu haben war. Zuletzt notierte er noch bei 2,93.

Nach Ansicht von Devisenmarktexperten Peter Kinsella von der Commerzbank wird die Ratingagentur Fitch das Länderrating der Türkei bei der heutigen Revision wahrscheinlich unverändert bei "BBB-" belassen. Viele Beobachter hätten ursprünglich eine Herabstufung infolge des Putschversuchs und seiner Folgen erwartet, aber da sich die Märkte seitdem deutlich beruhigt hätten, sei eine Anpassung unwahrscheinlich. Die Lira sei auf das Kursniveau vor dem Putschversuch zurückgekehrt. Weitere Ratingherabstufungen stünden an, allerdings erst im späteren Verlauf des Jahres, so Kinsella weiter.

Anleihemarkt: Portugal im Visier

Am Anleihemarkt stand die Überprüfung des portugiesischen Länderratings durch Fitch im Blick. Laut der Commerzbank dürfte die Agentur ihr "BB+"-Rating mit stabilem Ausblick bestätigen. "Es könnte jedoch zu einer negativen Marktreaktion auf potenziell skeptische Kommentare im Rahmen von Querverweisen kommen", so die Analysten. Die portugiesischen Renditen sind bereits mehrere Tage in Folge gestiegen.

Hintergrund sind Spekulationen, die kanadische Ratingagentur DBRS könnte dem Land das letzte noch erhaltene Investmentgrade-Rating entziehen. Dann könnten portugiesische Papiere nicht mehr länger als Sicherheit bei der EZB hinterlegt werden. Am Morgen steigt die Rendite zehnjähriger portugiesischer Staatsanleihen um 3 Basispunkte auf 2,91 Prozent.

Quelle: n-tv.de, ddi/bdk/rts/DJ/dpa

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