Marktberichte

"Risikobarometer auf Hassniveau" Dax wackelig erwartet

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Der Dax am Dienstag: Nach den ISM-Daten ging es abwärts.

(Foto: REUTERS)

Am deutschen Aktienmarkt bietet sich am Morgen ein ungewöhnlich unfreundliches Bild: Die Vorgaben aus Übersee enthalten eine Welle rot leuchtender Warnsignale. Enttäuschenden US-Konjunkturdaten wirken im Handel gewaltig nach.

Ist das der Beginn eines weltweiten Kurseinbruchs? An der Tokioter Börse rutschen die Kurse teils zweistellig ab. Der Nikkei-Index schloss 4,2 Prozent im Minus. Die Börse Shanghai blieb wegen der Neujahrsfeierlichkeiten geschlossen. In New York hatte der Dow-Jones-Index am Vorabend mit Minus 2,1 Prozent den größten prozentualen Tagesverlust seit Juni letzten Jahres hinnehmen müssen.

Angesichts dieser außergewöhnlich schwachen Vorgaben müssen sich Anleger im deutschen Aktienhandel auf einen schwach bis sehr schwachen Einstieg in den Dienstagshandel einstellen. In der Indikation bei Lang & Schwarz sehen Beobachter den Dax zum Auftakt bei 9102 Punkten, und damit vergleichsweise moderate 0,9 Prozent im Minus. Am Vorabend war der deutsche Leitindex 1,3 Prozent im Minus bei 9187 Zählern aus dem Handel gegangen.

Der Ausverkauf an den europäischen Börsen dürfte sich am Morgen fortsetzen, hieß es am Markt. "Unser Risikobarometer ist hurtig ins Hassniveau gelaufen", sagte zum Beispiel Marktbeobachter Mitul Kotecha von der Credit Agricole. Der VDax, der als Gradmesser der Nervosität im Markt gilt, ist zuletzt auf den höchsten Stand seit vergangenen Sommer gestiegen. Sichere Währungshäfen wie der Yen und der Schweizer Franken seien dagegen gut unterstützt, meinte Kotecha. Die Rendite zehnjähriger US-Anleihen ist seit Jahresbeginn um 45 Basispunkte eingebrochen und liegt nun auf dem niedrigsten Stand seit Ende Oktober 2013.

Zahlen gibt es am Morgen unter anderem von Munich Re, Vattenfall, BP und Toyota. Im Automobilsektor dürften zudem noch die Absatzzahlen aus dem US-Markt nachwirken. Dazu werden im Tagesverlauf die Monatsdaten aus dem Kraftfahrbundesamt zu den Neuzulassungen im Januar erwartet.

Als "per Saldo völlig in line" werteten Händler am Morgen in einer ersten Reaktion die Ergebnisse des Rückversicherers Munich Re. Einige Kennziffern lägen leicht über Erwarten wie der Nettogewinn und die Prämieneinnahmen, andere leicht darunter. Die Schaden-Kosten-Quote sei "in Ordnung", wie es hieß. "Bremsend dürfte aber der verhaltene Ausblick wirken", meinte ein Händler.

Der Dax-Konzern hatte auf Preisdruck in den kommenden Erneuerungsrunden hingewiesen. Zudem führen Analysten den Gewinnanstieg teils auf aufgelöste Rückstellungen zurück. Er sei nicht operativ begründet, hieß es. "Das mindert den guten Eindruck", bestätigte ein Händler. Angesichts der leicht erhöhten Dividende dürfte sich die Aktie aber besser schlagen als andere Finanzwerte und der Gesamtmarkt.

Turbulenzen noch nicht beendet

"Es erübrigt sich zu empfehlen, dass sich Investoren kurzfristig von risikoreichen Anlagen fern halten sollten", fügte Kotecha hinzu. Denn die Turbulenzen schienen noch eine Weile nicht beendet zu sein. Die Mischung aus gedrosselten Anleihekäufen der US-Notenbank, länderspezifischen Sorgen in den Emerging Markets und Wachstumsbedenken mit Blick auf China dürften auch in den kommenden Wochen, wenn nicht sogar länger, für hohe Volatilität sorgen.

Chris Weston vom Broker IG hält erst bei einem soliden ISM-Index für den Servicesektor in den USA Schnäppchenkäufe für möglich. Dieser wird am Mittwoch veröffentlicht. "Bis dahin haben die Hedgefonds freie Bahn, um in diesem Umfeld Futures und Aktien zu shorten", sagte der Stratege. Den Dax prognostizierte Weston zum Auftakt 84 Punkte niedriger bei 9102 Punkten. Knapp darunter bei 9088 Punkten verläuft die 100-Tage-Linie, die charttechnische Beobachter als "Unterstützung" ansehen.

Den Auslöser für die aktuelle Verunsicherung erkannten Marktbeobachter in den jüngsten Konjunktursignalen: Wie am Vortag bekannt wurde, hat sich die Stimmung der Einkaufsmanager in der US-Industrie im Januar unerwartet kräftig eingetrübt.

Der entsprechende Frühindikator fiel von 56,5 Punkten im Vormonat auf 51,3 Zähler, wie das Institute for Supply Management (ISM) mitteilte. Bankvolkswirte hatten beim ISM-Index lediglich mit einem Rückgang auf 56,0 Punkte gerechnet.

Der US-Leitindex Dow Jones sackte daraufhin um 2,08 Prozent auf 15.372,80 Punkte ab, nachdem er im Januar bereits mehr als 5 Prozent eingebüßt hatte. Für den S&P-500-Index ging es zu Wochenbeginn um 2,28 Prozent auf 1741,89 Punkte nach unten. Der technologielastige Auswahlindex Nasdaq 100 fiel um 2,31 Prozent auf 3440,50 Punkte.

Die Wirtschaft in den USA entwickle sich offenbar nicht so stark wie erwartet, sagte ein Vermögensverwalter. Die Anleger legten nun eine Pause ein und überlegten, in welcher Phase die Märkte sich nun befänden. Der Kursrutsch in Tokio belegt nun offenbar, für welche Richtung sich die Masse der asiatischen Anleger entschieden hat.

Im späten Frankfurter Handel weiteten die deutschen Aktien am Vorabend ihre Verluste etwas aus. Der L-Dax beendete den Tag bei 9144,05 Punkten. Im Xetra-Hauptgeschäft war der deutsche Leitindex nach schwachen US-Konjunkturdaten bereits um 1,29 Prozent auf 9186,52 Punkte gefallen. Der L-MDax schloss bei 15.988,54 Punkten, nachdem der Index der mittelgroßen Werte zuvor um 1,19 Prozent auf 16 013,83 Punkte nachgegeben hatte. Beim L-TecDax standen zum Schluss 1205,18 Punkte zu Buche. Den Haupthandel hatte der Auswahlindex für deutsche Technologiewerte mit einem Minus von 0,75 Prozent bei 1211,94 Punkten beendet.

"Der scharfe Verfall der ISM-Daten, der ja ein Stimmungsindikator ist, zeigt, dass auch das Verarbeitende Gewerbe der USA die Konjunkturrisiken der Schwellenländer ernst nimmt", erklärte Marktanalyst Robert Halver von der Baader Bank.

Auf die Kurse drückten einmal mehr auch die jüngsten Daten aus China, die weitere Hinweise auf ein Abkühlen der Konjunktur lieferten. Die Stimmung der Einkaufsmanager im Dienstleistungsgewerbe fiel im Januar auf den tiefsten Stand seit mindestens zwei Jahren. In der Industrie zeigte sich ein ähnliches Bild. Hier liegt der Stimmungsindikator nur noch knapp im Expansionsbereich.

Quelle: ntv.de, mmo/DJ/dpa

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