Marktberichte

Fokus auf Golfstaaten Ölpreise klettern weiter

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Proteste im arabischen Königreich Bahrain.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die anhaltenden Spannungen im arabischen Raum stützen die Ölpreise. Die einzige Raffinerie in Bahrain wurde heruntergefahren. Außerdem wird Immer noch befürchtet, dass die Unruhen auf den weltgrößten Exporteur Saudi Arabien übergreifen könnten. Die Lage in Libyen bleibt ebenfalls unübersichtlich.

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Tankanlagen auf dem Gelände der Raffineriegesellschaft ConocoPhillips in Wilhelmshaven.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die mögliche Verschärfung der Krise in den erdölexportierenden Ländern Libyen und Bahrain hat den Ölpreis weiter nach oben getrieben. Mehrere Faktoren sorgten für Nervosität am Markt: Während die libyschen Regierungstruppen Richtung Benghasi vorrückten, erwägen die USA nach Angaben ihrer UN-Botschafterin Susan Rice Maßnahmen gegen Machthaber Muammar Gaddafi, die über eine Flugverbotszone hinaus gehen.

Zugleich musste in Bahrain die staatliche Erdölgesellschaft (Bapco) Händlern zufolge ihre Produktion teilweise einstellen, weil viele Arbeiter wegen der Unruhen in dem Golfstaat nicht erschienen seien. Darüber hinaus sorgte die unklare Lage im japanischen Atomkraftwerk Fukushima weiter für Nervosität.

Der Markt sei auf der Suche nach Orientierung, sagte Barbara Lambrecht, Rohstoffanalystin bei der Commerzbank. Die Anleger seien zwischen möglichen Lieferengpässen infolge der Unruhen in der arabischen Welt und den Spekulationen auf eine höhere Nachfrage aus Japan hin- und hergerissen. "Wir können deshalb mit noch mehr Volatilität rechnen", sagte sie.

Nordsee-Öl der Sorte Brent verteuerte sich um mehr als zwei US-Dollar auf 113,17 Dollar je Barrel. US-Leichtöl WTI legte ebenfalls um mehr als zwei Dollar auf rund 100 Dollar pro Fass zu.

UN-Sicherheitsrat tagt zu Libyen

Der UN-Sicherheitsrat wollte noch am Donnerstag über die Errichtung einer Flugverbotszone in Libyen entscheiden. Damit sollen die Aufständischen gegen Luftangriffe durch die Truppen Gaddafis geschützt werden. In US-Kreisen wurden Diskussionen über einen Angriff auf die libyschen Streitkräfte zwar nicht bestätigt. Theoretisch betrachtet könnten dabei jedoch nicht nur die libysche Luftwaffe, sondern auch die Artillerie und die Kommunikation Ziel sein, hieß es. Während Frankreich und Großbritannien eine Flugverbotszone befürworten, zeigen sich Russland, China und Deutschland bislang skeptisch.

Die Folgen der Krise in Libyen sind nicht einschätzbar. In einem Interview mit n-tv hatte Libyens Staatschef Muammar al-Gaddafi zuletzt erklärt, man traue dem Westen nicht mehr, und auch nicht den westlichen Firmen, als reiche Öl-Nation werde man Aufträge in Zukunft eher an russische, chinesische oder indische Firmen vergeben. "Der Westen kann uns vergessen", so Gaddafi im Gespräch mit Antonia Rados.

Bahrain und Saudi-Arabien

In Bahrain hat das gewaltsame Vorgehen der sunnitischen Herrscherfamilie gegen die vornehmlich schiitischen Demonstranten unterdessen zu einer Krise zwischen den sunnitisch geprägten arabischen Staaten am Persischen Golf und der schiitischen Regionalmacht Iran geführt. Saudi-Arabien hat Truppen nach Bahrain zur Unterstützung des dortigen Königshauses entsandt. Der Iran forderte die UN auf, alle nötigen Entscheidungen zu treffen, um ausländische Truppen zum Abzug aus Bahrain zu bewegen. Auch der schiitische Ministerpräsident des Irak, Nuri al-Maliki, kritisierte das Vorgehen gegen die Demonstranten aufs Schärfste. Im irakischen Kerbela gingen zudem Hunderte Schiiten auf die Straße, um gegen die saudi-arabische Truppenverlegung nach Bahrain zu demonstrieren.

"Die Führung Saudi-Arabiens fürchtet nicht nur wachsenden Einfluss im Nachbarstaat Bahrain, sondern auch ein Übergreifen der Proteste auf die ölreichen Provinzen im Osten des eigenen Landes, wo die Schiiten in der Mehrheit sind", erklärten die Analysten von Barclays Capital. Rohstoff-Ökonom Ben Westmore von der National Australia Bank sagte: "Alles, was zu Protesten in Saudi-Arabien führt und die Ölförderung in der Region betrifft, wird zu einem deutlichen Anziehen der Preise führen."

Anleger zwischen Arabien und Japan

Anleger sind mit ihren Entscheidungen somit hin- und hergerissen zwischen ihrer Einschätzung der Spannungen im arabischen Raum und der Zuspitzung der Lage in Japan. Rutscht die Weltwirtschaft in die Rezession? Sinkt der Ölverbrauch und sinken damit auch die Preise? Oder wird sich das Angebot verknappen und die Preise steigen?

Einerseits fürchten Anleger einen Rückfall der Weltwirtschaft in eine Rezession und damit einen sinkenden Ölverbrauch. Andererseits wird aber der Ölpreis durch die anhaltenden Spannungen im arabischen Raum gestützt, die das Ölangebot verknappen könnten. Vor den Ereignissen in Japan war der Ölpreis wegen der politischen Unruhen in vielen arabischen Ländern zeitweise bis auf 120 US-Dollar gestiegen. Danach war der Preis für ein Barrel der Sorte Brent bis auf 107,35 US-Dollar gefallen.

Goldpreis stabil, Kupferpreis zieht an

Der Goldpreis notierte nur wenig verändert um die Marke von 1400 Dollar je Feinunze. Wie bereits in den vergangenen Tagen konnte das Edelmetall nicht von seinem Ruf als sicherer Anlagehafen profitieren. Der Silberpreis stieg um 0,8 Prozent auf 34,47 Dollar pro Feinunze.

 Kupfer verteuerte sich um 2,6 Prozent auf 9500 Dollar je Tonne und erreichte damit den höchsten Stand seit einer Woche. Die Preise für das Industriemetall zogen an, nachdem US-Daten weniger Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe zeigten als von Analysten angenommen.

Hier das n-tv.de Spezial zum Atomunfall in Japan, zum Liveticker geht es hier.

Quelle: n-tv.de, ddi/dpa

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