Marktberichte

Inside Wall Street Rosen, Herzen und Milliarden

Die Börsenkolumne aus New York von Lars Halter

Als konsequenter Unterstützer des Emanzipations-Gedankens hat mein Nachbar ein interessantes Experiment gewagt: Nachdem er seiner Freundin im vergangenen Jahr zum Valentinstag ein teures Dinner samt Champagner-Apero, eine silberne Halskette und einen wuchtigen Strauß roter Rosen organisierte, schlug er vor, dass in diesem Jahr SIE für IHN ähnliche Genüsse planen solle. Die Idee kam nur bedingt an, ob die beiden am Mittwoch überhaupt zusammen essen gehen, ist noch nicht geklärt.

Der Valentinstag ist offensichtlich ein von jeder Gleichberechtigung unberührtes Ereignis. Ein Fest, bei dem ER möglichst tief in die Tasche greift, um SIE möglichst romantisch zu bezirzen. In den USA erkennen viele Frauen die Liebe ihres Mannes an der Größe des Rings oder, im frühen Stadium einer Beziehung, an der Zahl der langstieligen Rosen.

Die amerikanischen Männer wissen das, und sie spielen artig mit. In diesem Jahr geben sie zum Valentinstag 16,9 Mrd. US-Dollar aus. Pro Mann sind das 156,22 Dollar, wie der Einzelhandelsverband NRF ausgerechnet hat, und damit satte 18 Prozent mehr als im Vorjahr.

Doch während immer mehr Geld in das Fest der Liebe investiert wird, bleiben die Geschenkideen dieselben: 27,6 Prozent der Männer schenken der Liebsten Schmuck, 42,9 Prozent schenken Schokolade. 53,1 Prozent gehen aus, und 58,3 Prozent bringen Blumen. Mehr als die Hälfte heftet dem Valentins-Geschenk einen Kartengruß an, was den 14. Februar zum zweitwichtigsten Datum für die Karten-Industrie macht.

Ihren wichtigsten Tag überhaupt feiern die Floristen. Allein 189 Mio. Rosen stehen laut Branchenverband bereit. Und auch die Süßwaren-Hersteller können sich nicht beklagen. Neben tonnenweise Pralinen machen vor allem die sogenannten „Conversation Hearts“ Rekord-Umsätze. Das sind kleine Zucker-Herzen, auf denen „I love you“ oder „Lets kiss“ steht. Ganze 8 Milliarden Stück wurden für diese Saison produziert. Laut dem NRF würden sie aneinandergelegt fünf Mal um die Erde reichen.

Während sich solche Kleinigkeiten tütenweise und nahezu von selbst verkaufen, müssen sich die Luxus-Anbieter zumindest etwas mehr um ihre Kunden bemühen. Der Juwelier Zales bietet für Valentins-Geschenke kostenlosen Versand mit FedEx an, und Vermont Teddy Bear hat eine riesige Anzeigen-Kampagne auf TV-Sendern mit überwiegend männlichem Publikum geschaltet, unter anderem auf dem Börsensender CNBC.

Dabei wird an der Wall Street ohnehin keiner den Festtag vergessen – er hat sich in Umsatz und Unternehmensgewinnen längst zu einem Wirtschaftsfaktor entwickelt. Und stellt darüber hinaus die Weichen für die Beziehungen zuhause.

Quelle: ntv.de

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