Marktberichte

"6 aus 30" heißt es im Dax "Super-Donnerstag" wird zum Rohrkrepierer

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6 aus 30: Zahlenlotterie im Dax.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Stimmung der Anleger am deutschen Aktienmarkt bleibt angespannt. Deutliche Gewinne können nicht gehalten werden. Starke Quartalsberichte geben nur kurz Impulse. Nervosität beherrscht den Handel.

Der Schein trügt. Zwar fällt "die Bilanz der Bilanzen positiv aus" (n-tv-Börsenexpertin Corinna Wohlfeil) und der Dax "schlägt sich wacker" (n-tv-Börsenexpertin Katja Dofel) - doch am Ende zählt, was hinten rauskommt. Oder besser: Steigen die Kurse oder fallen sie? Die Antwort fiel erst am Handelsende.

Der Dax, mit einem deutlichen Plus und Tageshoch von 11.313 Punkten gestartet, markierte im späten Handel sein Tagestief von 11.144 Zählern. Aus dem Handel ging der Leitindex dann wieder mit einem Aufschlag von 0,4 Prozent und 11.257 Stellen. Der MDax gewann 0,1 Prozent auf 20.565 Punkte. Der TecDax, zur Wochenmitte bereits schwächer, verlor weiter an Boden und büßte 0,4 Prozent auf 1762 Punkte ein. Am Mittwoch war der Dax nach einer Berg- und Talfahrtt mit einer allerdings geringen Handelsspanne mit Gewinnen aus dem Handel gegangen.

Für Verunsicherung am Markt sorgten am Vormittag Chinas erneut turbulente Börsenentwicklung und die aussagelose US-Zinspolitik sowie am Nachmittag frische Daten zum Wirtschaftswachstum in den USA. Dieses fiel im zweiten Quartal zum Vorjahreszeitraum zwar mit 2,3 Prozent recht ordentlich aus. Erwartet worden war aber ein Zuwachs bei der Wirtschaftskraft der stärksten Ökonomie der Welt von 2,7 Prozent. Am Mittwochabend hatten die US-Währungshüter bereits entschieden, den Zins-Schlüsselsatz auf dem Rekordtief von 0,00 bis 0,25 Prozent zu belassen.

"Von der Fed-Sitzung geht weder ein Signal für eine Zinserhöhung im September aus, noch ist dieser eine Absage erteilt worden", kommentierte Experte Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe. Alles in allem "war das ein Non-Event", sagte n-tv Börsenexpertin Wohlfeil. Die Anleger blickten dadurch zunächst auch auf "Zahlen satt" im Dax.

Dax: Fresenius überrascht, FMC enttäuscht

Denn im Leitindex erreichte die Berichtssaison ihren Höhepunkt: Fresenius, FMC, Siemens, Infineon, Lufthansa und Deutsche Bank zeigten, was sie in ihren Büchern haben. Der Gesundheitskonzern Fresenius hielt sich dadurch lange an der Spitze der Dax-Gewinner. Vor allem das starke US-Geschäft gefiel am Markt. Zudem erhöhte der Konzern bereits zum Mal in diesem Jahre seine Geschäftsziele. Doch am Nachmittag war Schluss, Gewinnmitnahmen drückten den Wert ins Minus.

Die Aktien der Tochter FMC sackten regelrecht ab: Fast 4,5 Prozent - obwohl der Dialysekonzern nach zwei Jahren mit schrumpfenden Gewinnen diesen im zweiten Quartal um drei Prozent auf 241 Millionen Dollar steigern konnte. FMC litt seit Längerem unter Kürzungen im US-Gesundheitssystem. Der Konzern hatte deshalb ein mehrjähriges Sparprogramm eingeleitet.

Siemens arbeitet, Lufthansa ebenso

Deutlich besser kamen da die Zahlen von Siemens an. Die Anteilsscheine kletterten um rund 4 Prozent. Dem im Umbau befindlichen Konzern machte im abgelaufenen Quartal die Schwäche auf dem Markt für Energietechnik überraschend wenig aus, der schwache Euro halft. Der Gewinn aus fortgeführtem Geschäft nahm binnen Jahresfrist zwar um sieben Prozent auf 1,25 Milliarden Euro ab. Damit schnitt Siemens aber deutlich besser ab als von Analysten erwartet. Der Umsatz gab währungsbereinigt um drei Prozent auf 18,84 Milliarden Euro nach, der Auftragseingang fiel um fünf Prozent auf 19,86 Milliarden Euro. Siemens zeige alles in allem ein "gemischtes Bild", so Börsenexpertin Wohlfeil.

Lufthansa-Aktien stützte zunächst ein von April bis Juni erzielter deutlich höherer Gewinn. Gesunkene Kerosinkosten halfen und der Konzern verdiente unterm Strich 529 Millionen Euro - dreimal so viel wie im zweiten Quartal 2014. Der Gewinn im ersten Halbjahr stieg auf 954 Millionen Euro; im Vorjahreszeitraum hatte noch ein Verlust von 79 Millionen Euro gestanden. Allerdings belasteten auch hier Gewinnmitnahmen den Aktienkurs, der am Ende deutliche 4 Prozent tiefer aus dem Handel ging.

Infineon im Auf-und-Ab, Deutsche Bank stark

Rauf und runter ging es für die Infineon-Aktien: Für eine kräftige Intraday-Erholung sorgten dabei zunächst die Aussagen während der Telefonkonferenz. "Infineon ist es gelungen, die Befürchtungen um ein zu schwaches Umsatzwachstum zu entkräften oder zumindest zu relativieren", sagte ein Händler. Der Markt habe die Aktie am Morgen kräftig abverkauft, da der Chiphersteller für das vierte Quartal nur noch mit einem Umsatzwachstum von 1 Prozent plusminus 2 Prozent Schätzfehler gerechnet habe. Dies habe Sorgen vor einer Topbildung geweckt. Nun aber habe Infineon klargestellt, dass dies auf verschobene Umsätze durch nur einen Kunden im Automobilbereich zurückgehe. Dem zeitweise recht deutlichen Plus folgte ein Minus und am Ende blieb der Kurs nahezu unverändert.

Um mehr als 4,5 Prozent starteten dagegen die Anteilsscheine der Deutschen Bank durch, nachdem das Institut im zweiten Quartal den Gewinn auf 818 Millionen Euro mehr als verdreifacht hatte. Das finanzielle Ergebnis spiegele aber nicht das " enorme Potenzial" von Deutschlands größtem Geldinstitut wider, erklärte der neue Vorstandschef John Cryan. Er wolle die "inakzeptabel hohen Kosten, anhaltend hohen Belastungen aus Rechtsstreitigkeiten, zu bilanzintensive Geschäfte" und eine insgesamt zu niedrige Rendite für die Aktionäre anpacken. "Genau darauf scheint die Börse zu setzen", kommentierte Börsenexpertin Wohlfeil.

TecDax: Nordex sacken ab

Nordex gaben schnell anfängliche Kursgewinne wieder ab. "Die Aktie ist nach 75 Prozent Kursgewinn sicher etwas heiß gelaufen", sagte ein Händler. Anleger nähmen nun Gewinne mit, unter 26,50 Euro kämen jedoch bereits wieder Käufer an den Markt. Allerdings könnten Hochstufungen von Banken den Kurs kurzfristig weiter zulegen lassen. So hatte beispielsweise die WGZ-Bank die Aktie auf "Kaufen" von "Halten" und das Kursziel um 7 auf 31 Euro erhöht. "Andere Häuser dürften folgen", sagte der Händler. Die Aktie verlor etwa 3,5 Prozent und zählte neben LPKF zu den Top-Verlierern im Tech-Index.

USA: BIP schüttelt durch

Mit Verlusten wartete die Wall Street zunächst auf, nachdem das Wirtschaftswachstum der USA etwas hinter den Erwartungen zurückgeblieben war Der Dow-Jones-Index büßte bis zum Vormittag (Ortszeit) 0,2 Prozent auf 17.716 Punkte ein. Der S&P-500 gab ebenfalls 0,2 Prozent nach auf 2104 Stellen und der Nasdaq 100 um 0,4 Prozent auf 4575 Zähler. Neben dem BIP stieg die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe etwas weniger stark als erwartet.

Auf Unternehmensseite belasteten die am Vorabend nach Börsenschluss veröffentlichten Geschäftszahlen von Facebook. Zwar steigerte das soziale Netzwerk den Umsatz um 39 Prozent, doch wuchsen die Ausgaben stärker als die Einnahmen. Das schmälerte den Gewinn. Die Facebook-Aktie gab 1,1 Prozent nach. Bei Procter & Gamble lief es auch nicht besser, der Aktienkurs fielen 2,32Prozent. Gut kamen dagegen die Zweitquartalszahlen von Mondelez an, zumal der Lebensmittelkonzern gleichzeitig ein höheres Ziel für das organische Umsatzwachstum ausgab und die Ausweitung seines Aktienrückkaufprogramms ankündigte. Die Aktie legte 4,5 Prozent zu.

Ein starkes Kundenwachstum bescherte zudem T-Mobile US, der Tochter der Deutschen Telekom, im zweiten Quartal deutliche Zuwächse bei Umsatz und operativem Ergebnis. Anleger honorierten das mit einem Kursplus von 2,0 Prozent. Ein positives Analystenurteil gab der Oracle-Aktie dagegen kaum Auftrieb. Sie gewann 0,1 Prozent, nachdem sie von Jefferies auf "Buy" von "Hold" hochgestuft wurde.  

Devisen: Euro nähert sich 1,09

Der Euro zeigte sich am Abend mit rund 1,0915 Dollar deutlich schwächer. Auch wenn die US-Notenbank eine genaue Festlegung vermied, hatte sie doch Erwartungen geschürt, dass sie die Zinsen schon im September erstmals seit vielen Jahren erhöhen wird. Gestützt wurden diese Erwartungen auf den Umstand, dass die Notenbank in ihrem Begleitkommentar nicht auf die jüngsten Verwerfungen an den chinesischen Börsen einging. Vor dem Zinsentscheid hatten viele Beobachter gehofft, die Fed würde die Entwicklung in China zum Anlass nehmen, die geplante Zinswende aufzuschieben. Höhere Zinsen würden den Dollar stärken. Die nun fehlende Fantasie sorgte dafür, dass der Euro zum Dollar deutlich nachgab. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittag noch auf 1,0955 Dollar festgelegt.

Asien: Shanghai-Composite sackt erneut ab

An der Börse in Schanghai entpuppte sich die Erholungsbewegung zur Wochenmitte als Strohfeuer. Nach einem volatilen Handel ging es wieder deutlich nach unten. Der Shanghai-Composite verlor 2,2 Prozent auf 3706 Punkte. Die jüngste Volatilität war am Montag in einem dramatischen Kurseinbruch um 8,5 Prozent, dem stärksten Tagesverlust seit Februar 2007, gegipfelt. "Möglicherweise hat der Kurseinbruch zu Wochenbeginn geholfen, das Marktsentiment von den vielen Spekulationen etwas rein zu waschen", sagte Analyst Vincent Chan von der Credit Suisse. "Die Investoren sind derzeit den Regulierungen ausgeliefert", ergänzte Analyst Zhang Xin von Guotai Junan Securities. Diese würden ohne Vorwarnung immer wieder geändert. Daher sei die Nervosität am Markt hoch, so der Marktteilnehmer weiter.

Dagegen machte der Nikkei-225 einen Satz nach oben und gewann 1,1 Prozent auf 20.523 Punkte. Der japanische Index beendete damit eine viertägige Verluststrecke. Händler verwiesen vor allem auf solide Unternehmensergebnisse, die das Sentiment gestützt hätten. "Solange die externen Einflüsse, also US-Aktienmarkt, Devisen- und Rohstoffmärkte sowie die politischen Entwicklungen kein Störfeuer liefern, kann der Markt von seiner vernünftigen Bewertung weiter profitieren", so Kenichi Hirano von K Asset Management. "Die volatilen Märkte in China und das dortige Wirtschaftswachstum bereiten weiterhin große Sorgen, doch ich rechne damit, dass die Regierung in Peking ein Maßnahmenpaket schnüren wird, sollten die Daten auf einen stärkeren Rückgang des Wachstums hindeuten", sagte der Teilnehmer weiter.

Rohstoffe: Ölpreise atmen durch

Der Ölpreis kletterte weiter, nachdem er am Mittwoch vom überraschenden Rückgang der US-Rohölvorräte profitiert hatte. Das Barrel WTI kostete am Abend 49,13 Dollar, rund 0,5 Prozent mehr. Bei Brent sah es ähnlich aus: Der Preis für ein Barrel stieg um 0,6 Prozent auf 53,91 Dollar.

Kaum Veränderung an der Wall Street

Die US-Aktienmärkte schlossen wenig verändert. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte ging mit 17.745 Punkten ebenso auf dem Niveau des Vortages aus dem Handel wie der breiter gefasste S&P 500 mit 2108 Zählern. Der Index der Technologiebörse Nasdaq legte 0,3 Prozent auf 5128 Stellen zu.

Quelle: ntv.de, bad/rts/DJ/dpa