Marktberichte

Richtwert in weiter Ferne Euro wälzt Deflationssorgen

3gk50406.jpg5678191314603310337.jpg

In Deutschland steigen die Preise schwächer als erwartet: Sind das Vorboten einer Deflation?

(Foto: dpa)

Hinweise auf einen nachlassenden Preisdruck in der Eurozone sorgen an den Devisenmärkten für Grübelfalten. Ökonomen schwadronieren inzwischen über eineZinssenkung. Für Nervosität sorgen weiter - trotz Entspannung - die Schwellenländer.

Die Europäische Gemeinschaftswährung gerät nach schwachen Verbraucherpreisen aus der Eurozone stark unter Druck. Am Nachmittag geht der Euro für 1,3488 Dollar um. Erstmals seit Ende November sank der Euro unter die Marke von 1,35 Dollar.

Euro / US-Dollar
Euro / US-Dollar 1,11

Die Preissteigerung ist im Januar auf 0,7 Prozent zurückgekommen nach 0,8 Prozent im Dezember. Erwartet wurde von Analysten ein Anstieg auf 0,9 Prozent. Damit ist das aktuelle Inflationsniveau weit von dem Richtwert der Europäischen Zentralbank (EZB) von zwei Prozent entfernt. "Die Preisdaten erhöhen den Handlungsdruck auf die EZB zusätzlich", sagt ein Händler.

Die nächste EZB-Sitzung findet in der kommenden Woche statt. Die Mehrzahl der Beobachter rechnet zwar nicht mit zusätzlichen geldpolitischen Lockerungsmaßnahmen. Vollständig ausschließen könne man dies aber nicht, heißt es im Handel. Newedge stellt sich auf eine "extrem taubenhafte" Pressekonferenz mit EZB-Präsident Mario Draghi ein. Im Devisenhandel mehren sich die Stimmen, die zunehmend eine längere Schwächephase des Euro erwarten.

Am Nachmittag legte die EZB den täglichen Referenzkurse bei 1,3516 US-Dollar fest. Ein  Euro entspricht außerdem 138,13 Yen, 0,82135 Pfund Sterling und 1,2220 Schweizer Franken.

Im fernöstlichen Devisenhandel hatte sich der Euro in seinem Verhältnis zur US-Währung noch vergleichsweise stabil gehalten. Die Gemeinschaftswährung notierte in der Nacht bei 1,3552 Dollar und hielt sich damit in etwa auf dem Niveau aus dem späten New Yorker Handel des Vorabends.

Starren auf die Schwellenländer

Mit Argusaugen verfolgten Anleger weiterhin die Kursentwicklungen der Schwellenländer-Währungen: Am Vormittag notierten die türkische Lira, der afrikanische Rand oder der brasilianische Real nahezu unverändert. Der russische Rubel gab dagegen 0,7 Prozent nach, auch der ungarische Forint wertete erneut um ein Prozent ab.

US-Dollar / Türkische Lira
US-Dollar / Türkische Lira 5,92

Die türkische Lira hat auf Wochensicht drei Prozent an Wert verloren, so einen hohen Wochenverlust hatte sie zuletzt im Oktober 2011 verzeichnet. Sollte die türkische Notenbank (CBRT) die Liquidität weiter verknappen, steigt nach Ansicht der Experten der Turk Ekonomi Bankasi (TEB) die Wahrscheinlichkeit, dass die Lira besser läuft als andere Schwellenländerwährungen. "Die CBRT hat in dem gestern veröffentlichten Protokoll ihrer jüngsten Sitzung erkennen lasen, dass sie bereit ist, die Liquidität weiter zu verknappen, wenn dies nötig ist". Diese Aussage habe Erwartungen geweckt, dass der Interbankensatz in Richtung zwölf Prozent weiter steigen könnte.

Auch der ungarische Forint büßte seit vergangenen Freitag mehr als drei Prozent ein, auf Monatssicht ergibt sich ein Minus von 6,4 Prozent.

Stresspegel bleibt hoch

"Der Stresspegel bleibt zwar hoch, aber die Notenbankenprogramme scheinen mit einer kurzen Verzögerung eine gewisse Wirkung aufzubauen", sagte Analyst Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank die jüngsten Zinserhöhungen in etlichen Schwellenländern. Die dortigen Zentralbanken wollen der Abwertung ihrer Währungen so entgegensteuern. "Trotzdem wird der Trend in den nächsten Wochen voraussichtlich weiter sein: raus aus den Emerging-Markets-Indizes und rein in die alten Industrienationen."

Nach Einschätzung der Societe Generale (SocGen) ist es indes zu früh, Entwarnung für die Schwellenländer zu geben. Der Liquiditätsabfluss aus der Region habe gerade erst begonnen. Die monatlichen Mittelzuflüsse hätten sich seit dem Hoch von 220 Milliarden Dollar im Februar 2013 auf 160 Milliarden Dollar im vergangenen Dezember reduziert. Das in der Zwischenzeit erreichte Niveau ist allerdings historisch betrachtet weiterhin sehr hoch. Ende 2008 kollabierten die Zuflüsse auf deutlich unter 50 Milliarden Dollar.

Derweil tritt Rumänien in der Debatte über einen Euro-Beitritt auf die Bremse. Das Land wolle die Gemeinschaftswährung erst in vier oder fünf Jahren einführen, sagte Präsident Traian Basescu. "Unser Ziel ist es, der Euro-Zone 2018/2019 beizutreten.

Dabei werde sein Land schon früher die Bedingungen für einen Beitritt erfüllen. "Es ist sicher, dass wir die Bedingungen von Maastricht, und zwar alle, schon dieses Jahr erfüllen", sagte er. Weil aber der staatliche Teil der Wirtschaft, das seien 45 Prozent der Wirtschaft insgesamt, noch massive Mängel in der Wettbewerbsfähigkeit habe, wolle man hier zunächst Abhilfe schaffen, und zwar durch forcierte Privatisierungen.

Quelle: ntv.de, jwu/dpa/DJ/rts