Marktberichte

"Gewinn für die Märkte" US-Börsen schließen auf Allzeithoch

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Erst die EZB, dann am Freitag der Arbeitsmarktbericht: Das Börsenfieber erfasst die Wall Street.

(Foto: dpa)

Die Entfesselung geldpolitischer Maßnahmen im Euroraum befeuert das Börsenfieber: An der New Yorker Wall Street klettern die großen Indizes weiter in schwindelerregende Höhen. Dow und S&P-500 erreichen neue Rekordmarken.

Die Zinssenkung in Europa hat die Stimmung an den US-Börsen sichtlich angeheizt. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte beendete den Donnerstagshandel mit einem Kursplus von 0,59 Prozent auf 16.836,11 Punkte - so hoch wie noch nie zuvor. Im späten Handel markierte der Dow ein Rekordhoch aus dem Verlauf bei 16.845 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 ging 0,65 Prozent höher auf einem Stand von 1940,46 Zählern in den Feierabend - und markierte damit ebenfalls ein neues Allzeithoch. Der Composite-Index an der Technologiebörse Nasdaq legte 1,05 Prozent auf 4296,23 Stellen zu. Der Auswahlindex Nasdaq 100 stieg um 0,89 Prozent auf 3776,95 Punkte.

Die historische Weichenstellung der Europäischen Zentralbank mit Ultraniedrigzins, neuen Geldspritzen und einem Strafzins für Banken entfaltete auch an der Wall Street eine kurstreibende Wirkung. EZB-Präsident "Super Mario" Draghi verkündete gleich ein ganzes Bündel an Maßnahmen, darunter die Senkung der Leitzinsen auf ein neues Rekordtief und einen negativen Einlagesatz für Banken. Dies weckte die Hoffnung auf eine neue Runde von Kursgewinnen an den Aktienmärkten.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Leitzins im Euroraum wie erwartet von 0,25 auf 0,15 Prozent gesenkt. Gleichzeitig beschloss der EZB-Rat erstmals eine Gebühr von 0,10 Prozent für Bankeinlagen. "Die große Überraschung ist ausgeblieben, die Entscheidungen Mario Draghis sind nur eine Kampfansage", kommentierte Marktexperte Daniel Saurenz von Feingold Research. "Die Keule großvolumiger Anleihenkäufe hat die EZB nach wie vor in der Hinterhand und erst diese dürften Aktienmärkte und Wirtschaft so richtig auf Trab bringen."

Volkswirt Ralf Umlauf von der Helaba sagte: "Draghi hält mit seinen Aussagen die Erwartungen am Leben, dass die EZB auch weiterhin handlungsbereit und -fähig bleibt, obwohl die EZB bezüglich der Zinspolitik wohl das Ende erreicht hat." Wenig Beachtung fand der Umstand, dass die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der vergangenen Woche etwas höher als erwartet gestiegen waren. Nun warte der Markt auf weitere Impulse von den offiziellen Arbeitsmarktdaten am Freitag, sagte ein Börsianer.

Die Erwartungen an die EZB-Sitzung waren vorab hoch und höher geschraubt worden. Draghi enttäuschte sie nicht. "Meine unmittelbare Reaktion war: sie haben geliefert", sagte Chris Diaz, Portfoliomanager bei Janus Capital Group. "Zuvor hatte ich Bedenken, denn die EZB hat oft die Erwartungen nicht erfüllt".

Der Hedgefondsmanager David Tepper, der sich im vergangenen Monat noch vorsichtig gezeigt hatte, meinte, die EZB habe seine größten Sorgen gemildert. Von einem "Gewinn für die Märkte" sprach Myles Zyblock von Dynamic Funds.

Hinzu kamen ermutigende Nachrichten vom US-Arbeitsmarkt. Am Tag vor dem offiziellen Bericht zur Lage im Stellenmarkt kam die lediglich leicht gestiegene Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe aus der Vorwoche gut an. Sie rangieren damit weiter in der Nähe eines Siebenjahrestiefs, was als Zeichen für die Stärke des US-Arbeitsmarktes gewertet wird. Am Freitag kommt der "große" Job Report:Der Bericht gilt nach der EZB-Sitzung als der zweite Höhepunkt der Woche.

Auf Unternehmensseite standen Fusionspläne in der US-Mobilfunkbranche im Mittelpunkt. Nach jahrelangen erfolglosen Bemühungen steht die Deutsche Telekom Insidern zufolge vor dem milliardenschweren Verkauf der US-Mobilfunktochter. Der Branchendritte Sprint nach Verizon und AT&T will demnach die Nummer vier T-Mobile US für 40 Dollar je Aktie kaufen. Allerdings können die Kartellwächter ihr Veto einlegen. Die Sprint-Aktien gaben 4,0 Prozent nach an. Die Papiere von T-Mobile verloren knapp 2,3 Prozent.

Unter den Einzelwerten im Dow zogen vor allem Caterpillar und auch Boeing mit Gewinnen von 2,5 beziehungsweise 1,1 Prozent den US-Leitindex nach oben. Der Baumaschinenkonzern profitierte Händlern zufolge von besseren Geschäftsaussichten auf dem europäischen Markt. Der Flugzeughersteller hatte bei seinem Dreamliner-Programm (Boeing 787) einen weiteren Meilenstein mit der Auslieferung des ersten 787 an die niederländische Fluggesellschaft Arke erreicht.

GM und die Zündschlösser

Der US-Autokonzern General Motors (GM) stellte unterdessen das Ergebnis einer internen Untersuchung zur Rückrufaktion wegen defekter Zündschlösser vor. Kern des Berichts ist eine Entlastung der Konzernspitze. Es habe keine Absprachen gegeben, die Vorfälle zu vertuschen. Vielmehr hätten es einzelne Manager versäumt, rechtzeitig und angemessen zu reagieren. GM-Chefin Barra, ihre direkten Untergebenen und Barras Vorgänger Akerson, hätten erst im Dezember von den defekten Zündschlössern erfahren. GM-Papiere gaben 0,7 Prozent nach.

Aktien von Twitter profitierten von einem freundlichen Analystenkommentar und gewannen knapp 3 Prozent. Ciena-Papiere schnellten um mehr als 18 Prozent nach oben. Der Netzwerkspezialist hatte einen unerwartet hohen Quartalsgewinn ausgewiesen.

Der Online-Händler Amazon sorgte mit der Ankündigung einer Produktvorstellung für den 18. Juni für Aufregung. Einem Pressebericht zufolge wird noch in diesem Monat ein Smartphone mit 3D-Bildschirm präsentiert. Demnach braucht das Gerät keine Spezialbrille. Die Amazon-Aktien legten um knapp fünfeinhalb Prozent zu.

Warnungen zu Wal-Mart

Besonders im Blickfeld stehen  die Titel von Wal-Mart. Analysten von Belus Capital gehen davon aus, dass sich der Einzelhandelskonzern in der beunruhigendsten fundamentalen Lage seiner Geschichte befindet. Milliarden von Dollars wurden dafür ausgegeben, Preise für wichtige Produkte im Sortiment zu senken, was allerdings nicht zu einer Wiederbelebung des Umsatzwachstums in den Supercentern führte.

Stattdessen haben die Senkungen lediglich dazu beigetragen, dass Wettbewerber - von traditionellen Lebensmittelgeschäften bis zu Target - ihr Profil sowohl in den Ladengeschäften als auch online schärften, so dass sie den Wettbewerbsvorteil, den Wal-Mart lange aufgrund des Preises und des bequemen Einkaufs innehatte, aufholen konnten. Ein globaler Umstrukturierungsplan müsse implementiert werden, um die Zukunft des Unternehmens zu sichern, sagen die Analysten. Die Anleger blieben gelassen, Wal-Markt-Aktien notierten 0,2 Prozent fester.

Microsoft hochgestuft

FBR Capital setzt Microsoft von "Marketperform" auf "Outperform" herauf und nennt ein Kursziel von 49 US-Dollar. Nach Ansicht der Analysten ist der Software-Konzern mittlerweile besser mit seinem Produkt Cloud Office positioniert und die Kundenzahlen zeigten nach oben. Microsoft-CEO Satya Nadella unternehme alle notwendigen Schritte, um zu gewährleisten, dass das Windows-System den Übergang vom PC in die mobile Welt schaffe. Die seit Jahresbeginn um 8 Prozent gestiegenen Aktien gewannen 2,2 Prozent.

Am deutschen Aktienmarkt war der Leitindex Dax am Tag des EZB-Zinsentscheids erstmals in seiner Geschichte über die 10.000er Marke gesprungen. Dieses Niveau ließ sich aber nicht halten. Schließlich ging der Dax mit einem Plus von 0,2 Prozent bei 9947 Punkten aus dem Handel. Am Devisenmarkt büßte der Euro zeitweise deutlich ein, an den Rohstoffmärkten sticht Gold positiv heraus.

Der Euro baute seine Gewinne aus dem späten europäischen Geschäft im US-Handel aus. Zuletzt kostete die Gemeinschaftswährung 1,3660 Dollar. Richtungweisende zehnjährige Anleihen stiegen um 5/32 auf 99 8/32 Punkte. Sie rentierten mit 2,58 Prozent.

Quelle: ntv.de, mmo/bad/DJ/dpa/rts

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