Marktberichte

Nach der Moody's-Aktion Dax verunsichert erwartet

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Der Dax am Donnerstag: Kurz vor Handelsschluss ging es abwärts.

(Foto: REUTERS)

Am deutschen Aktienmarkt zeichnet sich ein stark unterkühlter Einstieg in den letzten Handelstag der Woche ab: Die Herabstufung mehrerer Großbanken durch die Ratingagentur Moody's sorgt zunächst für Verunsicherung. Gespannt warten Experten nun auf neue Konjunkturdaten aus Deutschland.

Die durch die Ratingagentur Moody's dürften den deutschen Aktienmarkt zusammen mit den schwache Vorgaben aus den USA zum Auftakt am Freitag belasten.

Die Analysten der US-Ratingagentur stuften - wie vor Wochen angekündigt - Geldhäuser in Europa und den USA in ihrer Bonitätsbewertung tiefer ein. Von dem Rundumschlag ist auch die Deutsche Bank betroffen. Die Herabstufung hat in der Regel höhere Refinanzierungskosten zur Folge: Die betroffenen Häuser müssen für neue Kredite höhere Zinsen zahlen.

Mit Blick auf den deutschen Leitindex Dax rechneten Banken und Broker am Morgen mit einem Abschlag von 0,9 Prozent. Im Frühhandel gab das Börsenbarometer zeitweise bis zu 1,1 Prozent nach. Am Donnerstag hatte der Leitindex nach enttäuschenden US-Konjunkturdaten bereits 0,8 Prozent niedriger bei 6343 Punkten geschlossen.

Nach dem starken Rücksetzer vom Vorabend schienen sich die Futures im frühen Handel zum Wochenausklang zu stabilisieren. Der Dax-Future mit Fälligkeit im September erholt sich zeitweise um 12 Zähler auf 6298,5 Punkte. Das bisherige Tageshoch liegt bei 6306,5 Punkten und das Tagestief bei 6292 Punkten. Umgesetzt wurden bislang knapp 1600 Kontrakte. Ein Analyst sprach mit Blick auf die Verluste vom Vortag von einem "regelrechten Absturz" des Futures. Technisch unterstützt sei dieser nun bei 6268 und bei 6238 Punkten. Auf Widerstand treffe der Kontrakt bei 6325 und bei 6386 Punkten.

Eine Reihe von Aktien aus der zweiten und dritten Reihe werden vor dem Wochenende mit einem Dividendenabschlag gehandelt, darunter Euroshop, Cancom, Strabag und Catoil.

An Konjunkturdaten steht nicht viel Neues an: Am Vormittag wird der Ifo-Geschäftsklimaindex veröffentlicht. Nach dem sehr schwachen ZEW-Konjunkturindex sind negative Überraschungen nicht auszuschließen. Im Vorfeld befragte Analysten rechnen im Juni mit einem Rückgang auf 105,6 nach 106,9 Punkten.

Beim Thema Schuldenkrise schauen die Anleger am Freitag nach Rom: Dort trifft sich Bundeskanzlerin aus Italien, Spanien und Frankreich in einem Vorbereitungstreffen zum Ende Juni stattfindenden EU-Gipfel. Die Anleger hoffen auf energische Maßnahmen zur Eindämmung der Schuldenkrise in der Eurozone. Denkbar sind die Umrisse einer .

Die europäischen Börsen dürften angesichts weltweiter Wachstumssorgen und der Moody's-Aktion nach Einschätzung von Beobachtern ebenfalls mit schwächeren Kursen eröffnen. Die ersten Hinweise auf ein Rating-Signal hatten bereits im späten US-Geschäft für Abgabedruck gesorgt. Dabei kamen die Ankündigungen von Moody's nicht unerwartet. Seit Monaten ist bekannt, dass Moody's den Bankensektor einer Prüfung unterzieht. Die Namen der Geldhäuser standen auf der sogenannten Beobachtungsliste der Analysten. Dies ist in der Regel mit einem Hinweis auf eine mögliche Herunterstufung verbunden.

Ein erwartbares Ereignis

Ein befragter Händler gab daher auch, dass die Belastungen auf die Börsen und den Bankensektor nur von kurzer Dauer sein werden. Zudem sei der nachbörslich veröffentlichte Stresstest für spanischen Banken von Oliver Wyman und Roland Berger positiv zu werten. Viel wichtiger für die Märkte seien aber die sich eintrübenden Weltwirtschaft und die Schuldenkrise in der Eurozone.

Schwache Vorgaben kamen zuvor von der New Yorker Wall Street: Der Dow-Jones-Index gab um zwei Prozent nach, der S&P-500 sank um 2,2 Prozent und der Nasdaq-Composite verlor 2,4 Prozent. Damit bauten alle drei Indizes ihre Verluste nach Handelsschluss in Europa noch einmal aus. In Asien folgen die Börsen den schwachen Vorgaben der Wall Street, sie weiten die Kursverluste jedoch zunächst nicht noch aus. In Tokio notierte der Nikkei-Index 0,2 Prozent schwächer.

Der S&P-500-Future konnte sich im asiatischen Handel über der Marke von 1320 Punkten stabilisieren. Auch der Euro schien zum Dollar um die Marke von 1,2550 Dollar erst einmal einen Halt gefunden zu haben.

Im abendlichen Viertelfinalspiel der deutschen Fußballnationalmannschaft gegen Griechenland gibt es nach Meinung von Händlern nur einen Sieger: Alle acht befragten Händler setzen auf das Team von Joachim Löw. Ein Sieg mit 4 zu 1 Toren ist die optimistischste der Prognosen, auf diesen Ausgang setzen zwei Händler. "Die Griechen stellen sich hinten rein, das Spiel endet nach 90 Minuten null zu null und Deutschland siegt erst im Elfmeterschießen mit fünf zu drei", lautet das vorsichtigste Szenario eines Händlers.

Quelle: ntv.de, DJ/rts