Marktberichte

Starke Halbleiter reichen nicht Wall Street schaltet Gang zurück

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Tesla, Boeing, Chip-Werte hui, der Rest ... ausbaufähig.

(Foto: picture alliance/dpa)

Dem verhaltenen Wochenauftakt folgen an der Wall Street Verluste. Zwar sehen Marktexperten den Konflikt der USA mit dem Iran eher als politisches Thema. Dennoch zeigen sich Anleger durchaus verunsichert. Wall Street schaltet Gang zurück

Die Wall Street hat am Dienstag kleinere Verluste erlitten. Während die Blue Chips etwas stärker abwärts liefen, wurden die technologielastigen Nasdaq-Indizes von den festen Halbeiterwerten gestützt. Der USA-Iran-Konflikt rückte in den Hintergrund, nachdem er noch am Freitag das Geschehen bestimmt hatte. Die Anleger blieben aber vorsichtig, da das Thema jederzeit wieder akut werden kann.

Der Dow-Jones-Index verlor 0,4 Prozent auf 28.584 Punkte. Der S&P-500 schloss 0,3 Prozent leichter, während der Nasdaq-Composite nahezu unverändert tendierte. Der Dax war 0,4 Prozent fester bei 13.184 Stellen aus dem Handel gegangen.

Iran-Konflikt ist politisches Thema

Etwas Unterstützung erhielt der Markt von Konjunkturdaten, die über Erwarten gut ausgefallen sind. Sowohl die Auftragseingänge für die Industrie für November als auch der viel beachtete Einkaufsmanagerindex (ISM) für den Dienstleistungssektor kamen über den Prognosen herein. Zudem ist das Defizit in der Handelsbilanz der USA ist im November stärker als erwartet gesunken.

Das Risiko eines Konflikts mit dem Iran sei eher ein politisches als ein wirtschaftliches, so Holger Schmieding, Chef-Volkswirt von Berenberg. Es stelle nur ein ökonomisches Risiko dar, wenn der Ölpreis nachhaltig nach oben getrieben werde.

Derweil drohte Iran den USA mit Vergeltungsattacken. Für etwas Verwirrung sorgten am Vortag Berichte über einen möglichen Rückzug der US-Armee aus dem Irak. Am Dienstag stellte US-Präsident Donald Trump klar, dass die USA derzeit keinen Truppenabzug aus dem Irak planen. Nachdem am Vorabend noch von der Akzeptanz einer entsprechenden Forderung des irakischen Parlaments die Rede gewesen war, hieß es später von US-Verteidigungsminister Mark Esper, dass "keine Entscheidung getroffen wurde, den Irak zu verlassen."

Ölpreis normailisiert sich

Derweil kam der Ölpreis weiter zurück, nachdem er auf dem Höhepunkt der Krise am Freitag kräftig zugelegt hatte. Die europäische Sorte Brent notierte 1 Prozent leichter bei 68,20 Dollar je Barrel und lag damit nun wieder deutlich unter der viel beachteten Marke von 70 Dollar. Die US-Sorte WTI gab 1 Prozent nach auf 62,64 Dollar.

Gold als vermeintlich sichere Anlage kam von den Spitzenwerten von über 1580 Dollar zu Wochenbeginn wieder etwas zurück und notierte bei 1.572 Dollar, ein Tagesplus von 0,4 Prozent. Im Tagestief lag die Feinunze aber auch schon mal bei 1555 Dollar.

Chiptitel stark

Mit Abstand stärkster Sektor waren Halbleiteraktien mit einem Plus von 1,2 Prozent. Besonders gefragt waren Microchip Technology und Micron Technology. Microchip legten um 6,7 Prozent zu und erreichte ein Allzeithoch, nachdem das Unternehmen schon das zweite Mal innerhalb eines Monats seine Umsatzprognose für das dritte Geschäftsquartal erhöht hat. Nach Ansicht des Unternehmens hat der Auftragseingang im Dezember den Boden erreicht.

Micron Technology verteuerten sich um 8,8 Prozent, nachdem sich Cowen-Analyst Karl Ackerman zuversichtlich geäußert hat. Die fundamentale Lage am DRAM-Markt dürfte sich rascher verbesern als erwartet, mutmaßt er und erhöht die Aktie auf "Outperform".

Tesla und Boeing legen zu

Weiter aufwärts ging es mit der Tesla-Aktie. Der Elektroautohersteller hat den Start der Produktion des Model Y in der "Gigafactory" in Schanghai angekündigt, der ersten außerhalb der USA. Bereits am Montag hatte Tesla mit 81,39 Milliarden Dollar erstmals die Spitzen-Marktkapitalisierung von Ford (80,8 Milliarden Dollar) übertroffen. Tesla ist damit das wertvollste US-Autounternehmen aller Zeiten. Die Aktie stieg um weitere 3,9 Prozent.

Boeing gewannen 1,1 Prozent. Am Markt kursierten Gerüchte, dass Großinvestor Warren Buffett in die Aktie einsteigt. Im übrigen haben das Flugverbot für die Boeing 737 MAX-Flugzeuge und der nun geplante Produktionsstopp Konsequenzen. Bei Boeing selbst werden bis zu 3.000 Mitarbeiter allerdings nur versetzt, nicht entlassen. Beim größten Zulieferer Spirit AeroSystems Holdings wird dies voraussichtlich aber Arbeitsplätze kosten. Spirit legten 1,6 Prozent zu.

Quelle: ntv.de, bad/DJ