Marktberichte

Kurse auf Talfahrt Wall Street weiter im Ölpreis-Schock

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(Foto: picture alliance/dpa)

Die US-Börsen leiden weiter unter dem Ölpreis-Crash. Viele Anleger halten sich mit Investitionen zurück. Selbst Trumps Ankündigung, die Ölreserven des Landes aufzustocken, bringt keine Entlastung.

Die Turbulenzen am Ölmarkt haben auch an der Wall Street für kräftige Abgaben gesorgt. Das Ausmaß der globalen Rezession zeigt sich immer deutlicher am Ölmarkt und belastete somit erneut auch den US-Aktienmarkt. Weil das Überangebot an Rohöl die Nachfrage bei Weitem übersteigt, werden Lagerkapazitäten knapp. Um die immer höheren Kosten für die Lagerung zu sparen, sind Händler sogar bereit, für die Abnahme von Rohöl zu bezahlen, statt Geld zu verlangen.

Rohöl (WTI)
Rohöl (WTI) 36,52

US-Leichtöl der Sorte WTI mit Lieferung im Mai, das heute letztmalig gehandelt wurde, notierte zunächst erneut im Minus, erholte sich aber anschließend und stand zum US-Settlement bei 10,01 US-Dollar je Fass. Zu Wochenbeginn lag der Preis im Tief bei minus 40,32 Dollar. Der Preis für US-Erdöl, das im Juni geliefert wird, brach um 35,5 Prozent auf 13,17 Dollar ein - der tiefste Stand seit 21 Jahren. Für das europäische Referenzöl Brent ging es um 22,2 Prozent auf 19,89 Dollar nach unten, den tiefsten Stand seit 2002.

Vor diesem Hintergrund verlor der Dow-Jones-Index 2,7 Prozent auf 23.018 Punkte. Der S&P-500 reduzierte sich um 3,1 Prozent auf 2.737 Punkte. Der Nasdaq-Composite fiel um 3,5 Prozent auf 8.263 Punkte.

Trump will Ölreserven aufstocken

Für keine Entlastung bei den Ölpreisen sorgten Nachrichten aus den USA und Saudi-Arabien. US-Präsident Donald Trump will den dramatischen Absturz des Erdölpreises dafür nutzen, die strategischen Ölreserven seines Landes aufzustocken. Und angeblich sollen Saudi-Arabien und andere Mitglieder des Erdölkartells Opec erwägen, ihre Ölförderung so schnell wie möglich zu reduzieren, anstatt mit diesem Schritt wie ursprünglich geplant bis Mai zu warten.

Gold, Feinunze
Gold, Feinunze 1.727,90

Selbst die robusten Ölimporte in China wurden nicht preisstützend interpretiert. Denn bereits vor der Covid-19-Pandemie habe es in China eine Überproduktion bei Erdölprodukten gegeben. Daher seien die derzeitigen Importe wohl nur der Auffrischung der nationalen Erdölreserven in China geschuldet, hieß es. Die Nachfrage in der Volksrepublik bleibe aber schwach. Daher könnten auch die Ölimporte in China schon bald einbrechen.

Gold erweist sich nicht als "sicherer Hafen"

Auch der Goldpreis litt nun unter den sinkenden Preisen für Industrierohstoffe. Der Preis für die Feinunze reduzierte sich um 0,5 Prozent auf 1.686 Dollar und damit den tiefsten Stand seit rund zwei Wochen. Jedoch rechnen Analysten mit keinem deutlicheren Fall unter die Marke von 1.700 Dollar, da im Hinblick auf die weiter bestehenden konjunkturellen Unsicherheiten der "sichere Hafen" Gold gesucht bleiben dürfte.

Philip Morris
Philip Morris 65,81

Der Dollar profitierte zwischenzeitlich von seinem Status als Fluchtwährung, gab seine Gewinne jedoch wieder weitgehend ab. Der Euro lag im späten US-Handel bei 1,0861 Dollar und damit knapp unter dem Niveau vom Vorabend. Im Tagestief hatte er schon bei 1,0817 Dollar gelegen. Der überraschend positiv ausgefallene ZEW-Index in Deutschland stützte die Gemeinschaftswährung leicht.

Philip Morris rechnet mit Belastungen durch Corona

Mit dem Ölpreisverfall verlor der Energiesektor weitere 1,7 Prozent. Unter den Einzelaktien fielen Coca-Cola um 2,5 Prozent. Der Getränkekonzern hat im ersten Quartal einen rückläufigen Umsatz und Absatz verbucht. Allerdings wurden die Erwartungen der Analysten übertroffen. Philip Morris ermäßigten sich um 6,0 Prozent. Der Tabakkonzern rechnet im Gesamtjahr mit Belastungen aufgrund der Coronavirus-Pandemie. Das Unternehmen zieht angesichts der Unsicherheit seine Prognose für das Gesamtjahr zurück und verlegt sich stattdessen auf quartalsweise Ausblicke. Im ersten Quartal übertraf der Konzern die Erwartungen.

Lockheed Martin fielen um 2,5 Prozent. Der Wehrtechnikkonzern sieht keine gravierenden Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie im ersten Quartal. Die Geschäftszahlen übertrafen die Vorhersage des Marktes. Der Aktienkurs von IBM fiel um 3,0 Prozent. Der IT-Dienstleister hat im ersten Quartal einen Umsatzrückgang verzeichnet. Der Gewinn übertraf aber die Markterwartungen. Der Ausblick für das Gesamtjahr wurde wegen der konjunkturellen Unsicherheiten jedoch ausgesetzt.

Quelle: ntv.de, jpe/DJ