Marktberichte

Ausgang noch offen Zwei Entwicklungen halten Dax in Atem

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US-Wahl und Corona-Krise sorgen derzeit für Gegenwind am Aktienmarkt.

(Foto: picture alliance / Frank Rumpenh)

In den USA hat die bereits laufende Berichtssaison den Aktienmarkt mit positiven Impulsen auf Kurs gehalten. Gelingt das ab kommender Woche auch in Deutschland? Daneben halten auch die US-Wahl und die Corona-Krise die Anleger auf Trab.

Die Trägheit am deutschen Aktienmarkt könnte aus Sicht von Börsianern noch andauern. Die Unsicherheit über den Ausgang der US-Präsidentschaftswahlen und steigende Corona-Infektionszahlen halten die Anleger in Atem. Der deutsche Leitindex Dax zeigt sich seit Wochen orientierungslos und schwankte zuletzt zwischen 12.500 und 13.000 Punkten. In der kommenden Woche nimmt auch die Berichtssaison hierzulande an Fahrt auf. Ob sie für merkliche Kursimpulse sorgen kann, bleibt abzuwarten.

Am Freitag legte der deutsche Aktienmarkt nach einer schwachen Woche noch einen Endspurt ein. Der Dax ging am Abend mit einem Plus von 0,82 Prozent auf 12.645,75 Punkte aus dem Handel. Die Wochenbilanz für den Dax beläuft sich auf ein Minus von rund 2 Prozent. Der Oktober gilt eigentlich als starker Börsenmonat - aber die Unsicherheit ist groß. Für die Experten der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) sind hierfür viele Faktoren verantwortlich: Der Cocktail aus explodierenden Corona-Neuansteckungen, ersten neuerlichen "wirklichen" Lockdowns, einem drohenden harten Brexit, sich kaum noch verbessernden Konjunkturdaten sowie Rückschlägen bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs.

Dass sich lediglich die US-Börsen bisher vergleichsweise stabil hielten, führen die LBBW-Autoren auf die dort bereits laufende Berichtssaison zurück. "Trotz des US-Corona-Peaks im August wissen die von den US-Blue-Chips berichteten Zahlen zum dritten Quartal 2020 bislang in Summe voll zu überzeugen." Hierzulande läuft die Berichtssaison erst an. Einige positive Überraschungen hatte es bereits gegeben, weshalb die Messlatte für den Markt höher hängen könnte. Zuletzt hatte auch der Autobauer Daimler die Anleger mit einem angehobenen Gewinnausblick für 2020 erfreut.

Nach Einschätzung vieler Beobachter rückt bereits das neue Jahr in den Mittelpunkt, da 2020 wegen Corona abgehakt sei. Deka-Chefvolkswirt Ulrich Kater ist überzeugt, dass der Markt trotz der Rückschläge bei der Erholung der Wirtschaft auf eine Besserung im kommenden Jahr setzt.

Uneinigkeit bei der EZB?

Wie das abgelaufene Jahresviertel beim Softwarekonzern SAP verlaufen ist, erfahren Investoren am Montag. Der Zahlenreigen im Dax setzt sich am Dienstag mit dem Kunststoffkonzern Covestro fort. Am Mittwoch folgen die Berichte von Deutsche Bank, BASF, Beiersdorf (Umsatzzahlen) und dem Essenslieferdienst Delivery Hero. Am Donnerstag öffnen der Autobauer Volkswagen, der Triebwerksbauer MTU und der Klinik- und Medizinkonzern Fresenius sowie seine Dialysetochter FMC die Bücher. Daneben steht die komplette Woche über eine Fülle an Zahlen auch aus der hinteren Börsenreihe an.

Auch einige Konjunkturdaten gilt es zu beachten. Aufschluss über die Unternehmensstimmung hierzulande wird am Montag das Ifo-Geschäftsklima geben. Für die Eurozone wird am Donnerstag das Wirtschaftsvertrauen für Oktober publiziert - am selben Tag steht der Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) an. Zwar hatten die europäischen Währungshüter ihre grundsätzliche Bereitschaft signalisiert, die geldpolitischen Stimuli auszuweiten, doch gibt es innerhalb der EZB wohl unterschiedliche Ansichten über den Zeitpunkt.

Kurzfristig steht weiter die US-Wahl im Fokus. Wenngleich die Möglichkeit eines Sieges von Donald Trump bestehe, werde an den Kapitalmärkten derzeit eher ein Regierungswechsel eingepreist, sagt Carsten Mumm, Chefvolkswirt der Privatbank Donner & Reuschel.

Quelle: ntv.de, mbo/rts