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Kartellwächter im Milchmarkt Milchgipfel birgt Zündstoff

Das Bundeskartellamt prüft einem Zeitungsbericht zufolge den deutschen Milchmarkt auf Wettbewerbsbeschränkungen. Ziel der umfassenden Untersuchung sei, alle Vermarktungsstufen - von der Landwirtschaft über die Industrie bis zum Einzelhandel - im Detail unter die Lupe zu nehmen, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Mittwoch). Eine Untersuchung der Wettbewerbshüter könnte inmitten der heftigen Debatten um einen fairen Milchpreis für weiteren Zündstoff sorgen.

"Es gibt Vermutungen, dass der Wettbewerb auf dem Milchmarkt nicht ordnungsgemäß funktioniert", zitiert die Zeitung eine Kartellamts-Sprecherin. In den vergangenen Wochen hatten die Milchbauern mit einem Lieferstopp für Aufsehen gesorgt, mit dem sie höhere Einkaufspreise durchsetzen wollten. Die angekündigten Preissteigerungen kamen im Handel jedoch nur teilweise zustande. Die Bauern drohen nun mit neuen Lieferunterbrechungen. Bundesagrarminister Horst Seehofer (CSU) will am Donnerstag mit den Bauern sprechen. Danach sind Gespräche mit Milchindustrie und Handel geplant.

Milchfonds kartellrechtlich kritisch

Manche Modelle, die jetzt im Umfeld des Milchgipfels diskutiert würden, gäben Anlass zu kartellrechtlichen Bedenken, sagte die Kartellamts-Sprecherin der Zeitung. Sehr kritisch sehe man in der Wettbewerbsbehörde nicht zuletzt Überlegungen, einen von den Molkereien finanzierten Milchfonds einzurichten, der überschüssige Milch aufkaufen soll, um die Preis zu stabilisieren, heißt es in der "FAZ". Ein konkreter Verdacht gegen einzelne Unternehmen liege nicht vor. Sollten sich Anhaltspunkte ergeben, würden gegebenenfalls Kartellverfahren eingeleitet, sagte die Sprecherin. Wie lange die Untersuchung dauern wird, stehe noch nicht fest.

Bauernpräsident Gerd Sonnleitner erwartet unterdessen von Seehofer, "dass er die Position der Milchbauern und ihrer Molkereien gegenüber dem Lebensmitteleinzelhandel politisch stärkt". Er rief in der "Saarbrücker Zeitung" (Dienstag) den Handel dazu auf, für eine Preisanhebung auf breiter Front zu sorgen. Die Discounter hätten die Preise für Milch nach Protesten der Milchbauern angehoben. "Jetzt gilt es, diese Preiserhöhungen auch bei allen anderen Milchprodukten in den Verhandlungen der Molkereien mit dem Lebensmittelhandel durchzusetzen."

Bauern und Molkereien gegen den Handel

Die Milchbauern fordern eine Kraftanstrengung aller Beteiligten. "Wir müssen alle an einem Strang ziehen, wenn wir etwas erreichen wollen", sagte der Vorsitzende des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter, Romuald Schaber, in Freising. Der Bauernverband solle die Forderungen der Milchbauern unterstützen, um durch Strukturänderungen für dauerhaft höhere Preise zu sorgen. Die Molkereien zeigten sich dafür offen. "Wir versperren uns da nicht", sagte der Geschäftsführer des Milchindustrie-Verbandes, Michael Brandl. Die Unternehmen seien bereits dabei, für eine höhere Auszahlung an die Milchbauern zu sorgen.

Quelle: n-tv.de

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