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Großbank springt ein Rettung für Countrywide

Die Bank of America übernimmt den US-Baufinanzierer Countrywide. Amerikas zweitgrößtes Geldhaus kündigte am Freitag an, den schwer angeschlagenen Hypothekenfinanzierer für rund vier Mrd. US-Dollar kaufen zu wollen.

Die Bank investiert damit umgerechnet rund 2,7 Mrd. Euro in die Rettungsaktion. Die Countrywide-Führung unterstütze das Angebot, teilte die Bank of America am Freitag an ihrem Sitz in Charlotte, North Carolina mit. Beobachter reagierten erleichtert. Die geplante Übernahme gilt als letzte Chance. Zuvor war an den Märkten über einen Konkurs von Countrywide spekuliert worden. Mit dem Deal wendet die Bank of America voraussichtlich eine der größten Firmenpleiten in den USA in Folge der Hypothekenkrise ab.

Die Transaktion solle über einen Aktientausch abgewickelt werden, teilte die Bank of America (BOA) mit. Aktionäre von Countrywide sollen für jeden ihrer Anteilscheine 0,1822 BOA-Aktien erhalten. Die Institute erwarten, dass die Übernahme im dritten Quartal abgeschlossen werden kann.

Kreditriese im freien Fall

Countrywide ist durch die Immobilienkrise schwer unter Druck geraten. Die Gesellschaft wird wegen ihrer laxen Kreditvergabe als einer der Mitverantwortlichen für die Hypothekenkrise betrachtet. Seit Sommer verlor Countrywide fast 80 Prozent des Börsenwerts. Erst diese Woche musste der Kreditgeber Insolvenzgerüchte dementieren.

Countrywide steht mit dem Rücken zur Wand. Seit Ende Juli hat der größte US-Baufinanzierer 11.000 Stellen gestrichen, der Marktwert schrumpfte innerhalb eines Jahres um gut 80 Prozent. In den USA fallen seit Mitte vergangenen Jahres reihenweise schwach besicherte Baudarlehen aus. Dutzende US-Anbieter von Hypothekenkrediten hatten sich deswegen bereits vom Markt verabschiedet oder waren in Konkurs gegangen. Die Probleme in Amerika hatten nach und nach auch andere Institute rund um den Globus in Mitleidenschaft gezogen.

Reaktionen am Markt

Das Kaufangebot sorgte an der Wall Street vielfach für Aufatmen: Dem Immobilienmarkt und der gesamten Finanzbranche könnte so laut Experten eine drohende Kettenreaktion durch die sich verschärfende Lage bei Countrywide erspart bleiben. Allerdings müssen die Aktionäre und die Wettbewerbshüter noch zustimmen.

Im August hatte sich die Bank of America bereits über eine Kapitalspritze von zwei Mrd. US-Dollar mit 16 Prozent an Countrywide beteiligt. Die Beteiligung hatte allerdings durch die sich verschärfende Situation an den Kapitalmärkten deutlich an Wert verloren. Durch die Übernahme sichert sich die Bank nach Meinung von Analysten eine schlagkräftige Position im Hypothekengeschäft.

Jetzt will das Finanzinstitut den historisch niedrigen Börsenkurs des Kreditgebers offenbar für eine vergleichsweise günstige Komplettübernahme nutzen. Aus dem Geschäft mit schwach besicherten Hypotheken im so genannten Subprime-Sektor, das der Auslöser der gesamten Kreditkrise mit weltweiten Folgen war, soll Countrywide nach dem Willen der Bank dann allerdings aussteigen.

Die Countrywide-Aktie verlor am Freitag im vorbörslichen Handel mehr als 13 Prozent auf rund 6,70 Dollar. Am Vortag war die Aktie nach Spekulationen über das bevorstehende Kaufangebot allerdings um rund 50 Prozent in die Höhe geschossen. Die Aktie der Bank of America gab vorbörslich knapp 1,0 Prozent nach auf gut 39,00 Dollar.

Quelle: n-tv.de