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Neue Ära bei der GDL Weselsky löst Schell ab

Der 49-jährige Claus Weselsky ist zum neuen Vorsitzenden der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) gewählt worden. Die cGeneralversammlung der Organisation bestimmte ihn mit rund 90 Prozent der Stimmen zum Nachfolger von Manfred Schell, der mit 65 Jahren in den Ruhestand geht.

Schell hatte in den vergangenen Monaten mit seinem Kampf um einen eigenständigen Tarifvertrag für Lokführer erfolgreich jahrzehntelange Traditionen bei den Eisenbahnern gebrochen. Nach einem fast einjährigen Arbeitskampf hatten sich die Lokführergewerkschaft und die Bahn im März auf eine Entgelterhöhung von zunächst acht und ab September elf Prozent geeinigt.

Schell stand 25 Jahre an der Spitze der GDL. Diese hat eigenen Angaben zufolge rund 34.000 Mitglieder. Die alle vier Jahre stattfindende Generalversammlung ist das oberste Organ der GDL. Ihre Beschlüsse sind bindend.

Kein Spurwechsel

Weselsky, bis zum heutigen Dienstag stellvertretender Vorsitzender der GDL, will mit Aufnahme des neuen Amts nahtlos an den Kurs seines Vorgängers Manfred Schell anschließen. Im Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung" sagte Weselsky wörtlich: "Ich setze genau an der Stelle an und werde mit Herrn Mehdorn eine vernünftige Zusammenarbeit pflegen." Einen Termin für einen Antrittsbesuch beim Bahnchef habe er schon ausgemacht.

Im Hinblick auf den geplanten Börsengangs sprach sich der neue GDL-Chef Weselsky jedoch gegen die Pläne des Bahnchefs und der Bundesregierung aus. "Wenn private Investoren einsteigen, wird der Renditedruck größer. Der Abbau von Arbeitsplätzen könnte durchaus zum Problem werden", sagte er.

Schell als Vorbild

"Ich möchte kein Horrorszenario an die Wand malen, es kann auch sein, dass es ganz vernünftig abläuft. Aber private Investoren wollen natürlich das eingesetzte Kapital verzinst und mit Dividende zurückhaben", so Weselsky weiter. Der Bund will noch im Herbst 24,9 Prozent der Bahn an die Börse bringen.

Über seinen Amtsvorgänger sagte der neue Chef Weselsky: "Schell ist Vorbild für mich. Er hat die GDL massiv geprägt und nach vorne gebracht. Er hat diese 141 Jahre alte Organisation in einen Tarifzustand gebracht, der besser nicht sein kann. Was er mir mit auf den Weg gibt, ist eine ziemlich schwere Bürde: Schell war 25 Jahre lang im geschäftsführenden Vorstand. Diese erfolgreiche GDL-Story muss ich nun fortsetzen. Das wird nicht einfach."

Weselsky verteidigte das GDL-Vorgehen während des Tarifkonflikts mit der Bahn, von einem ramponierten Image könne keine Rede sein. "Wenn Großgewerkschaften auch nach Ende des Tarifkonflikts noch nachtreten, hat das Ursachen: Die Herrschaften wollen ihre eigene Unfähigkeit überdecken. Ihr Mitgliederschwund und ein Organisationsgrad in der Republik von unter 25 Prozent ist doch ganz klar Ausdruck dafür, dass sie Fehler gemacht haben", sagte Weselsky weiter.

Nicht ramponiert

Es sei "erstaunlich und eigentlich traurig", dass "ausgerechnet die Gewerkschaften, die einen niedrigen Organisationsgrad" hätten, die kritisieren, die "80 Prozent aller Lokomotivführer vertreten". Die GDl hätte aufgrund des Organisationsgrads eine "entsprechende Schlagkraft gegenüber dem Arbeitgeber". An der Politik der GDL werde sich nichts ändern, so Weselsky.

Quelle: ntv.de

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