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Investoren glauben an Omio Reise-Startup sichert sich Rekordsumme

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Über Omio können Züge, Flüge, Fähren, Mietwagen sowie Carsharing-Fahrzeuge in Europa, den USA sowie Kanada miteinander verglichen und gebucht werden.

(Foto: picture alliance/dpa)

Wie viele andere Reise-Startups trifft die Corona-Krise auch Omio zunächst hart. Die weltweiten Reisewarnungen waren laut Gründer Shaam wie ein Unfall bei voller Fahrt. Doch inzwischen komme das Geschäft stärker wieder als erwartet - daran scheinen auch die Investoren zu glauben.

Die Berliner Reiseplattform Omio hat mitten in der die Branche besonders stark belastenden Corona-Krise 100 Millionen Dollar frisches Kapital bei Investoren eingesammelt. Das Geld fließe in die Expansion sowie potenzielle Zukäufe, sagte Firmengründer und -chef Naren Shaam. Bei der Finanzierungsrunde konnte Omio, das früher unter dem Namen GoEuro firmierte, auf namhafte Bestandsinvestoren sowie neue Anteilseigner wie Temasek, Kinnevik, Goldman Sachs, NEA und Kleiner Perkins setzen.

Allerdings musste auch das 2013 gegründete Unternehmen der Krise Tribut zollen. Die Finanzierungsrunde erfolgte in Form von Wandelanleihen, und den Investoren wird ein Rabatt bei der nächsten Runde eingeräumt. Zur Unternehmensbewertung schwiegen sich die Berliner aus. Insidern zufolge wurde Omio in der Vergangenheit mit fast einer Milliarde Dollar bewertet. Über Omio können Züge, Flüge, Fähren, Mietwagen sowie Carsharing-Fahrzeuge in Europa, den USA sowie Kanada miteinander verglichen und gebucht werden. Das Unternehmen kooperiert dafür mit mehr als 800 Transportunternehmen.

Die Corona-Krise mit weltweiten Reisewarnungen, Ausgangssperren und Abstandsregeln verglich Shaam bei seinem Unternehmen mit einem Unfall bei voller Fahrt. Inzwischen bewege man sich wieder, sei aber noch nicht auf der Überholspur. Zwischenzeitlich waren 90 Prozent der 350 Mitarbeiter auf Kurzarbeit. "Unser Geschäft kommt stärker wieder als erwartet", sagte Shaam. Die Buchungen in Frankreich und Deutschland befänden sich wieder bei mehr als 50 Prozent des Vor-Corona-Levels. Shaam machte auch Veränderungen im Konsumentenverhalten aus. Verbraucher würden später buchen, mehr Flexibilität verlangen und stärker auf Nachhaltigkeit setzen.

Auflagen für Deutsche Bahn bei Corona-Hilfen

Gemeinsam mit anderen europäischen Mobilitäts-Startups hat sich Omio bei der EU-Kommission erst kürzlich über staatliche Corona-Hilfen für die Deutsche Bahn und andere Staatsbahnen beschwert. "Wir befürchten, dass die Covid-19-Maßnahmen nur staatlichen Eisenbahnen helfen, den Markt weiter verzerren und das Wachstum bei Wettbewerbern unumkehrbar und langfristig limitieren", schrieb die Lobbygruppe Allrail in einem Brief an Vize-Kommissionspräsidentin Margrethe Vestager. Die Bahn soll über eine Eigenkapitalerhöhung des Bundes bis zu 6,7 Milliarden Euro als Hilfen erhalten. Nach Meinung der Startups muss dieser Ausgleich für Corona-Folgen an Bedingungen geknüpft werden, damit alle Marktteilnehmer profitieren.

Konkret empfehlen sie im Fall der Deutschen Bahn "die Stimulation eines Gebrauchtmarktes für Eisenbahnfahrzeuge, Zugang zu Passagierinformationen und Ticketverkäufen oder ein faires Verhalten bei Ausschreibungsverfahren für den Regionalverkehr." Die EU-Kommission kann staatliche Beihilfe stoppen, wenn dadurch negative Folgen für den Binnenmarkt zu erwarten sind. Schon länger streiten zwei der wertvollsten deutschen Startups mit der Bahn über die Weitergabe von Daten und andere Markteintrittsbarrieren. Omio braucht die Daten der Bahn, um eine gleichwertige Reiseplattform anbieten zu können.

Quelle: ntv.de, jki/rts