Wissen

Bilanz eines düsteren Januars2018 startet zu dunkel und zu nass

30.01.2018, 19:37 Uhr
65460062
Der Januar 2018 zeigte sich vor allem grau in grau. (Foto: picture alliance / dpa)

Vor allem im Winter bietet das Wetter reichlich Anlass zum Meckern. Neue Zahlen belegen nun, was alle fühlen: Der Januar war zu trüb und zu regnerisch. n-tv Meteorologe Björn Alexander erklärt, wie es dazu kommen konnte.

Viele haben es geahnt, nun ist es amtlich: Der Januar 2018 war deutlich zu warm, zu nass und selbst für einen Wintermonat zu dunkel. Das geht aus einer vorläufigen Bilanz des Deutschen Wetterdienstes (DWD) hervor. Im bundesweiten Durchschnitt gab es im ersten Monat des Jahres nur 35 Stunden Sonnenschein - der langjährige Mittelwert liegt bei 44 Stunden. Damit fehlte ein Fünftel des durchschnittlichen Sonnen-Solls. n-tv Meteorologe Björn Alexander klärt über die Gewinner und Verlierer auf: "Am meisten Sonne bekam die Zugspitze mit jeweils über 100 Sonnenstunden. Auf der Verliererseite mit einem rekordverdächtigen Defizit bei der Sonnenausbeute zeigt sich besonders der Westen."

Auch bezüglich der Temperaturen präsentiert sich der Januar von seiner besonderen Seite: Mit einer Durchschnittswert von plus 3,8 Grad ist bisher er um 4,3 Grad wärmer als das Mittel der Referenzperiode 1961 bis 1990 und damit der sechstwärmste Januar seit Beginn der flächendeckenden Messungen 1881. "Für vergleichbare oder sogar noch wärmere Januar-Monate müssen wir gar nicht so weit in die Vergangenheit blicken. Ähnlich war der Januar 2008. Ebenfalls mit 4 Grad über dem klimatologischen Mittel", so Alexander.

Regenreicher Start

Nicht zuletzt startete das neue Jahr ausgesprochen regenreich: Die Niederschläge lagen mit rund 100 Litern pro Quadratmeter deutlich über dem Soll von 61 Litern.

Fehlende Sonne und trotzdem zu hohe Temperaturen? Alexander erklärt, wie es zu dieser auf den ersten Blick ungewöhnlichen Kombination kommt: "Die vergangenen Wochen waren bei uns fast durchweg von Tiefdruckgebieten dominiert, die uns von Westen und Südwesten her häufig relativ milde und auch feuchte Luft brachten." Die atlantische Tiefdruckküche bestimme in der Regel unser Wetter. Hochs, die im Winter häufiger trockenkalte Festlandsluft mit hohem Sonnenpotenzial aus Osten anzapfen, seien allerdings in diesem Januar Mangelware gewesen.

Ist es in den USA im Winter übrigens besonders kalt, bedeutet dies, dass es zeitgleich in Deutschland warm ist, so Alexander. Denn die eine Seite des Pendels schaufelt Artikluft südwärts, die andere Seite drückt im Gegenzug mildere Luft nordwärts.

Dass es dennoch auch im Flachland etwas Schnee geben kann, steht dazu keineswegs im Widerspruch, wie der Meteorologe erläutert: "Die Tiefs, die bei uns durchzogen, hatten phasenweise auch immer mal wieder kältere Polarluft im Gepäck. Diese konnte sich aber nie lange halten, so dass es anschließend Tauwetter bis in die Lagen um 1000 Meter oder darüber gab." Kombiniert mit Regen führte das zu Hochwasser. Außerdem sorgten die zum Teil sehr intensiven Tiefdruckgebiete je nach Zugbahn für einen oft kräftigen, mitunter auch starken bis stürmischen Wind bis hin zum Orkan "Friederike". Dieser erreichte am 18. Januar Windgeschwindigkeiten von mehr als 200 Kilometern in der Stunde.

Quelle: kpi/dpa

Deutscher WetterdienstExtremwetterWetterBjörn Alexander