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Berühmtes, uraltes FossilÄltester Oktopus aus Guinness-Buch ist gar keiner

08.04.2026, 11:36 Uhr
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Grafik des Fossils Pohlsepia mazonensis - doch kein Oktopus, sondern ein Perlboot. (Foto: Thomas Clements, University of Reading/dpa)

Die Entwicklungsgeschichte der Tintenfische muss umgeschrieben werden: Eine angebliche Sensation entpuppt sich als Verwechslung mit einem Meerestier mit Außenschale. Die Anzahl der Zahnreihen im Inneren des Gesteins liefert den entscheidenden Beweis.

Der bislang vermeintlich älteste Oktopus der Welt ist nach jüngsten Erkenntnissen ein anderes Tier gewesen. Das fand ein Forscherteam der Universität Reading heraus, als es mit neuen, moderneren Techniken das berühmte, 300 Millionen Jahre alte Fossil analysierte. Pohlsepia mazonensis hatte es als Fossil des ältesten bekannten Oktopus sogar ins Guinness-Buch der Rekorde geschafft. Das dürfte sich nun ändern.

Tatsächlich handelt es sich vermutlich um einen Verwandten der heutigen Gattung Nautilus - ein vielarmiges Meerestier mit äußerer Schale, das zu den Perlbooten (Nautilidae) gehört. Möglich wurde die Neubewertung, über die das Team in der Fachzeitschrift "Proceedings of the Royal Society B" berichtet, durch den Einsatz einer speziellen Technik, bei der extrem helle Lichtstrahlen das Gestein durchleuchten und damit Strukturen sichtbar machen, die dem bloßen Auge verborgen bleiben.

Zähne verraten Irrtum

Im Inneren des Fossils entdeckten die Forschenden ein Mundwerkzeug mit Zahnreihen, wie es nur bei Weichtieren vorkommt. Entscheidend für die Bestimmung war auch die Anzahl der Zähne: Mit mindestens elf Zähnen pro Reihe waren es zu viele für Oktopusse, die demnach maximal neun Zähne pro Reihe haben. Deutlich besser passt die Anzahl mit Blick auf die Gruppe der Nautiloideen (Nautiloidea), die demnach üblicherweise 13 Zähne pro Reihe haben.

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Die Anatomie des Fossils Pohlsepia mazonensis. (Foto: Thomas Clements, University of Reading/dpa)

Die Struktur der Zähne passt den Forschern zufolge zu einem Nautiloid namens Paleocadmus pohli, der schon am selben Fundort wie das in der Studie analysierte Fossil im US-Bundesstaat Illinois entdeckt worden war. Für dieses Tier bedeutet das den weitaus ältesten bekannten Fossilienfund.

Zersetzung stiftete Verwirrung

Dass man sich lange irrte, hat wohl mit dem Zustand des Tieres zu tun: Nach Angaben der Forschenden hatte sich der Körper bereits über Wochen zersetzt, bevor er im Gestein eingeschlossen wurde. Diese Zersetzung veränderte die ursprüngliche Form so stark, dass das Fossil wie ein Oktopus mit acht Armen und Flossen erschien. Genau diese Merkmale hatten dazu geführt, dass das Fossil im Jahr 2000 als Oktopus klassifiziert wurde.

Seitdem galt es als Beleg dafür, dass Oktopusse bereits vor etwa 300 Millionen Jahren existierten. Die neuen Erkenntnisse sprechen den Autoren zufolge jedoch dafür, dass Oktopusse deutlich später entstanden - nämlich erst in der Jurazeit, also vor etwa 201 bis 145 Millionen Jahren.

Es hatte bereits zuvor Zweifel gegeben, ob es tatsächlich einen so alten Oktopus geben könne - allerdings keine Beweise. "Manchmal bringt die erneute Untersuchung umstrittener Fossilien mit neuen Techniken winzige Hinweise zutage, die zu wirklich spannenden Entdeckungen führen", betont der federführende Autor Thomas Clements. "Es ist erstaunlich, dass eine Reihe winziger, im Gestein verborgener Zähne, die dort seit 300 Millionen Jahren verborgen lagen, unser Wissen darüber, wann und wie sich Kraken entwickelt haben, grundlegend verändert hat."

Quelle: ntv.de, Larissa Schwedes, dpa

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