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Reste urtümlicher Materie Alkohol auf "Lovejoy" gefunden

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Die Aufnahme zeigt den Kometen Lovejoy (C/2014 Q2) mit weitem Kometenschweif als grünlichen Punkt über der Wüste von Neu Mexiko (USA).

(Foto: Alan Dyer/amazingsky.com)

Im All gibt es viele chemische Elemente und Verbindungen, die auch auf der Erde existieren. Der Fund von C2H6O auf einem Kometen ist allerdings eine Premiere - und könnte hier mit der gleichen Verbindung begossen werden.

Forscher haben erstmals gewöhnlichen Alkohol auf einem Kometen nachgewiesen. Mit einem 30-Meter-Radioteleskop in der spanischen Sierra Nevada konnten die Astronomen die Signatur von Ethanol auf dem Kometen Lovejoy messen, der zum Jahresanfang dem inneren Sonnensystem einen Besuch abgestattet hatte. Ethanol ist derjenige Alkohol, der auch in alkoholischen Getränken vorkommt. Das Team um Nicolas Biver von der Université Paris-Diderot stellt seine Entdeckung im US-Fachblatt "Science Advances" vor.

Der Komet mit der vollen Bezeichnung C/2014 Q2 (Lovejoy) war einer der aktivsten der vergangenen Jahrzehnte. Im Januar und Februar war er mit bloßem Auge zu sehen, und bei seiner größten Annäherung an die Sonne produzierte er durch die Erwärmung mehr als 20 Tonnen Wasser pro Sekunde. Solche hellen, aktiven Kometen bieten die Chance, zahlreiche chemische Verbindungen in ihrer Atmosphäre nachzuweisen.

Nicht nur Alkohol gefunden

Die Gruppe um Biver beobachtete Lovejoy, als er am hellsten und produktivsten war, und fand sogar 21 unterschiedliche Molekülsorten in der Atmosphäre des Kometen. Neben Ethanol (C2H6O) waren darunter eine Reihe anderer Kohlenstoff-Verbindungen, von einfachen wie Kohlenmonoxid (CO) bis zum Zucker-Verwandten Glykolaldehyd (C2H4O2), das auch auf dem Kometen Tschuri entdeckt worden war. Zudem stießen die Forscher auf verschiedene Stickstoff- und Schwefelverbindungen.

Kometen haben ihre Heimat in den eisigen Außenbezirken unseres Sonnensystems und kommen nur selten in die Nähe der Sonne. Sie gelten daher als urtümliche Materie, die bei der Entstehung des Sonnensystems vor 4,6 Milliarden Jahren übrig geblieben ist.

Der Nachweis der zum Teil komplexen Kohlenstoffverbindungen auf dem Kometen Lovejoy legt nahe, dass diese Moleküle auch am kalten Rand unseres Systems entstehen können oder bereits zu einem früheren Zeitpunkt in der Entwicklung unseres Systems entstanden sind. Da manche dieser Moleküle auch biologisch von Bedeutung sind, sei der Nachweis ein weiterer Schritt zum Verständnis des Ursprungs des Lebens auf der Erde, betonen die Forscher.

Quelle: ntv.de, jaz/dpa

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