Wissen

Badewanne voll Alkohol bleibt Volksdroge Nummer eins

ALT Jetzt anhören
imago60690282h (1).jpg

(Foto: imago stock&people)

"Alkohol macht mehr kaputt als du denkst", mahnt eine Kampagne des Bundesgesundheitsministeriums. Hinzu kommt: Hunderte Menschen sterben jährlich durch Unfälle unter Alkoholbeteiligung.

Alkohol ist noch immer eine Volksdroge. Rund neuneinhalb Millionen Deutsche trinken so viel Alkohol, dass sie ihre Gesundheit damit gefährden."Jeder Deutsche trinkt im Jahr im Durchschnitt eine ganze Badewanne voll alkoholischer Produkte", sagt Christina Rummel, die die am Samstag beginnende "Aktionswoche Alkohol" organisiert.

Angesichts von tausenden Verletzten und mehr als 250 Toten durch Alkoholunfälle fordern Experten ein absolutes Alkoholverbot am Steuer. Fast jeder 14. Unfalltote sei 2015 gestorben, weil einer der Beteiligten zu viel Alkohol getrunken hatte, erklärte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR), Christian Kellner.

"Auch wenn die Zahl der alkoholbedingten Unfälle insgesamt rückläufig ist, sie sind besonders folgenschwer", warnte Kellner. 2015 starben 256 Menschen bei Alkoholunfällen, etwa 16.500 wurden verletzt.

Es sind nach Angaben der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) vor allem junge Männer, die trotz Alkoholkonsums das Auto nicht stehen lassen. Sie überschätzten oft ihre Fahrtüchtigkeit und seien extrem risikobereit. Alkoholisierte Männer im Alter von 21 bis 25 Jahren sind demnach mit Abstand am häufigsten an Unfällen mit Personenschäden beteiligt. Alkohol ist auch ein Problem im öffentlichen Verkehr. Zur Partyzeit etwa häufen sich Vorfälle in Bahnen und Bussen durch enthemmte Fahrgäste.

Die Gefahrenschwelle, bei der sich Alkohol negativ auf die Fahrtüchtigkeit auswirkt, beginnt dem Verkehrssicherheitsrat zufolge bereits bei 0,2 bis 0,3 Promille. Bei dem vom Gesetzgeber festgelegten Grenzwert von 0,5 Promille sei das Risiko, in einen Unfall verwickelt zu werden, bereits doppelt so hoch wie in nüchternem Zustand.

Alkohol ist kein Lebens-, sondern ein Genussmittel

Die Aktionswoche Alkohol, die alle zwei Jahre stattfindet, soll zum kritischen Umgang mit Alkohol anregen. Bundesweit sind bis zum 21. Mai hunderte Veranstaltungen geplant, an denen sich unter anderem Selbsthilfegruppen, Fachkliniken, Ärzte, Apotheker und Beratungsstellen beteiligen. Schwerpunktthema ist Alkohol im Straßenverkehr.

DHS-Geschäftsführer Raphael Gaßmann forderte, den Alkoholverkauf nach 22 Uhr zu verbieten. "Ein nächtliches Verkaufsverbot schränkt zumindest den spontanen Alkoholkonsum deutlich ein und mit ihm die Exzesse, die andere gefährden", erklärte Gaßmann. Gerade Tankstellen seien "ein Brennpunkt". Es gebe daher keinen vernünftigen Grund, Tankstellen einen Verkauf von Rausch- und Suchtmitteln zu erlauben.

In Deutschland sterben jedes Jahr rund 74.000 Menschen an den Folgen von Alkohol oder durch den kombinierten Konsum von Alkohol und Tabak. Alkoholabhängigkeit ist das größte Suchtproblem hierzulande. Übermäßiger Alkoholkonsum erhöht das Risiko zum Beispiel für Krebserkrankungen, neurologische Störungen, Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems, Störungen im Verdauungssystem und vor allem für Leberkrankheiten.

Studien zufolge weisen 13,1 Prozent der Frauen und 18,5 Prozent der Männer tendenziell einen riskanten Konsum auf. "Jedem muss klar sein: Alkohol ist kein Lebens-, sondern ein Genussmittel", erklärte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler. Nötig sei ein bewussterer und risikoärmerer Alkoholkonsum. "In der Schwangerschaft, am Arbeitsplatz und am Steuer müssen Bier, Wein und Co. tabu sein", forderte Mortler.

Quelle: ntv.de, awi/dpa

ntv.de Dienste
Software
ntv Tipp
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.