Wissen

Erfahrungen aus Test am Südpol All-Gewächshaus soll Astronauten versorgen

123487012.jpg

Die DLR-Experten hatten von Bremen aus den direkten Blick in das Innere des Gewächshauses in der Antarktis.

(Foto: picture alliance/dpa)

Wie können Astronauten auf dem Mond oder Mars ernährt werden? Mit dieser Frage hat sich das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Bremen eingehend beschäftigt. Das Konzept hat bereits einen ersten Test bestanden.

Frisches Gemüse im All, dieser Vision sind Experten des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) einen Schritt näher gekommen. Ein entsprechendes Gewächshausmodul stellten sie in Bremen vor. Es könnte mit einer kommerziellen Falcon-9-Rakete ins All transportiert werden und beispielsweise auf Mond- oder Marsmissionen zum Einsatz kommen.

Laut DLR würde sich die Hightech-Anlage nach der Landung entfalten und hätten dann eine Anbaufläche von rund 30 Quadratmetern für Obst und Gemüse in einem völlig geschlossenen System. Sie könnte rund 90 Kilogramm Nahrung pro Monat liefern.

Ein Hightech-Biofiltersystem könnte dabei aus Bioabfällen und dem Urin der Astronauten sogar eine Düngerlösung produzieren, die die Pflanzenzucht antreibt. Auf diese Weise entstünde dann ein "fast vollständig bio-regeneratives Lebenserhaltungssystem".

Die Experten stützten sich auf Erfahrungen mit einem einjährigen Testlauf des sogenannten Eden-ISS-Gewächshauses am Südpol. Der Container wurde neben der Polarforschungsstation Neumayer III errichtet und versorgte die dort überwinternde Crew mit Frischgemüse und Kräutern. Das Eden-ISS-Projekt zielt auf die Entwicklung von Anbausystemen für Nutzpflanzen auf langen Weltraummissionen.

Überall kann Eden sein

Das DLR und das ebenfalls beteiligte Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut für Polarforschung (AWI) spekulieren aber auch auf Einsätze auf der Erde, etwa in sehr lebensfeindlichen Gegenden wie Wüsten und arktischen Regionen. Denkbar sei zunächst auch ein ganz praktischer Einsatz etwa an Bord des AWI-Eisbrechers "Polarstern" auf dessen Expeditionen.

*Datenschutz

In dem Eden-ISS-Gewächshaus werden Pflanzen bei Kunstlicht ohne Erde gezüchtet, indem sie mit einer Nährlösung besprüht werden. Auf diese Weise ist das System von der Außenwelt unabhängig. Der Gewächshauscontainer steht nach wie vor an der AWI-Station Neumeyer III und wird derzeit für eine weitere Anbausaison vorbereitet. Die US-Weltraumbehörde Nasa schickte laut DLR Salatsamen, die auf der Weltraumstation ISS zum Einsatz kommen.

Durch die neuen Tests sollen zusätzliche Erfahrungen gewonnen werden, etwa mit Blick auf die ferngesteuerte Kontrolle von Bremen aus. Auf einer Anbaufläche von 12,5 Quadratmetern hatte Eden-ISS im vorigen Jahr binnen neun Monaten knapp 270 Kilo Salat, Tomaten, Gurken, Radieschen, Kohlrabi und Kräuter erzeugt. DLR und AWI zeigten sich danach hochzufrieden. Unter anderem hoben sie auch die positiven psychologischen Auswirkungen auf die Crew hervor.

Eine weitere Erkenntnis aus der Probesaison war laut Forschern, dass der Energieverbrauch des Moduls deutlich niedriger war, als für Gewächshäuser für Weltraummissionen bislang angenommen wurde. "Dies ist ein wichtiger Aspekt für einen späteren Weltraumbetrieb und lässt uns zuversichtlich in die Zukunft dieser Idee schauen", erklärte Projektleiter Daniel Schubert.

Zugleich gibt es nach den Angaben des DLR noch Schwachstellen im Konzept. So ist der Zeitbedarf für Wartung und Betrieb derzeit zu hoch. Drei bis vier Stunden waren dafür bei Eden-ISS in der Antarktis im vergangenen Jahr nötig. "Für ein zukünftiges Weltraumgewächshaus muss der Aufwand wertvoller Astronautenzeit noch deutlich reduziert werden", erklärte DLR-Experte Paul Zabel. Er hatte das Gewächshaus vor Ort betreut.

*Datenschutz

Quelle: n-tv.de, sba/AFP

Mehr zum Thema