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Mehr Tröpfchen in der Luft Alter und Gewicht machen Infizierte zu Superspreadern

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Je mehr Aerosole eine Person ausstößt, desto kleiner sind die einzelnen Partikel.

(Foto: picture alliance/dpa)

Sogenannte Superspreader-Events haben es im Laufe der Corona-Pandemie zu trauriger Berühmtheit gebracht. Doch was macht einige Menschen zu hoch ansteckenden Virenschleudern, während andere Infizierte kaum ihre Mitmenschen gefährden. Eine Harvard-Studie macht zwei Risikogruppen aus.

Die Frage, warum einige mit dem Coronavirus infizierte Menschen offenbar sehr viele andere anstecken, viele andere Infektiöse aber kaum andere infizieren, treibt die Wissenschaft seit Beginn der Corona-Pandemie um und hat für Erstere den Begriff des Superspreaders hervorgebracht.

Für das Coronavirus wird von einer Reproduktionszahl von drei bis fünf ausgegangen. Das heißt, ohne weitere Schutzmaßnahmen steckt ein Infizierter im Durchschnitt drei bis fünf weitere Menschen an. Forscher definierten Superspreader als Personen, die das Virus an mehr als sechs andere Personen weitergeben. Eine mögliche Erklärung, warum dies so ist, haben nun Forscher um David A. Edwards von der Harvard University gefunden. Hierzu untersuchten die Wissenschaftler bei 194 gesunden Versuchspersonen im Alter zwischen 19 und 66 Jahren, wie viele Tröpfchen beziehungsweise Aerosole diese über ihren Atem an die Umgebung abgaben.

Alter und Gewicht sind ausschlaggebend

Die Forscher stellten fest, dass wenige Versuchspersonen sehr viel mehr Tröpfchen abgaben als die übrigen. So konnten sie in ihrer im Februar im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences" erschienenen Studie zeigen, dass ein Fünftel der Teilnehmer (18 Prozent) für rund 80 Prozent der gesamten Partikelmenge im Raum verantwortlich war.

Es zeigte sich, dass vor allem ältere Studienteilnehmer mit einem höheren Body-Mass-Index (BMI) mehr Atemtröpfchen produzierten. Jüngere Teilnehmer unter 26 Jahren mit einem niedrigeren BMI hingegen verteilten deutlich weniger Partikel in der Luft - und gelten laut Studie als "low spreader". Die Untersuchung legt nah, das vor allem Kinder kaum Gefahr laufen, zum Superspreader zu werden. Ausgeschlossen werden kann das aber nicht. Keinen Unterschied gab es zwischen Männern und Frauen.

Zudem haben die Forscher festgestellt, dass je mehr Aerosole eine Person ausstieß, desto kleiner die einzelnen Partikel waren. Offenbar werde der Schleim auf den Atemwegen umso stärker in kleine Partikel zerteilt, je älter und übergewichtiger Menschen sind. Demnach beeinflussen Faktoren wie Ernährung und das Alter die Beschaffenheit des Schleims und damit vermutlich auch die Aerosolbildung.

Gewöhnliche Schutzmaßnahmen nicht ausreichend

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Auch zeigten die Untersuchungen, dass auf dem Höhepunkt der Infektion die ausgeschiedenen Tröpfchen immer kleiner werden. Was gefährlich ist, da sehr kleine Aerosole offenbar Masken durchdringen und auch längere Distanzen als zwei Meter überwinden können. Womit die gewöhnlichen Schutzmaßnahmen bei einer starken Infektion nicht ausreichen dürften.

Noch dazu scheint Aerosolbildung bei einer Sars-CoV-2-Infektion zuzunehmen, wie eine weitere Untersuchung der Wissenschaftler an acht Versuchsaffen zeigte. Dazu wurden je vier Tiere je mit Sars-CoV-2 und einer Bakterienart, die ebenfalls Lungenentzündungen auslöst, infiziert. Das Ergebnis: Die Affen schieden ab dem ersten Tag Krankheitserreger via Nasensekret aus. Der Höhepunkt wurde zwischen dem 7. und dem 14. Tag der Infektion erreicht. Ab dem 28. Tag waren dann keine Mikroben mehr feststellbar. Die Menge der ausgestoßenen Aerosole stieg ab dem 3. Tag Infektion steil an und erreichte nach vier weiteren Tagen ihren Höhepunkt. Danach fiel sie bis Tag 14 ab auf das Ausgangsniveau.

Quelle: ntv.de, awi

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