Wissen

Bis zu 14 Jahre vor der Diagnose Alzheimer-Risiko ist im Blut erkennbar

imago86402538h.jpg

Ob sich der Bluttest eignet, um neue Medikamente zur Erhaltung des Gehirns zu finden, wird sich zeigen.

(Foto: imago/Science Photo Library)

Die Krankheit des Vergessens ist angsteinflößend und bisher nicht heilbar. Der größte Risikofaktor ist das Alter. Forscher untersuchen, ob es Möglichkeiten gibt, die Krankheit vor den spürbaren Erinnerungslücken zu erkennen, und werden bei einer Analyse von Blut fündig.

Die Alzheimer-Erkrankung gibt noch immer eine Reihe von Rätseln auf. Treten die ersten Symptome auf, sind die Schädigungen im Gehirn bereits weit fortgeschritten und irreversibel. Forscher der Universität Heidelberg haben sich deshalb auf die Suche nach Markern gemacht, mit denen Risikogruppen frühzeitig erkannt werden können.

Ein Team um Hannah Stocker machte sich auf die Suche nach sogenannten Beta-Amyloid-Veränderungen in Blutproben. In einer vorangegangenen Arbeit konnte bereits gezeigt werden, dass sich diese Veränderungen schon viele Jahre vor dem erkennbaren Ausbruch der Krankheit feststellen lassen. Ebenfalls bekannt ist, dass diese missgebildeten Eiweiße im Blut mit der Plaque-Bildung im Gehirn zusammenhängen. Um zu prüfen, ob fehlgefaltetes Amyloid-β im Blut besser geeignet ist, das Alzheimer-Risiko vorauszusagen, als andere bekannte Risikofaktoren, griffen die Forscher auf insgesamt 770 Blutproben zurück, die aus der sogenannten ESTHER-Studie stammen. Diese läuft bereits seit dem Jahr 2000.

150 dieser Blutproben wurden gezielt ausgewählt, da bei den Probanden innerhalb von 14 Jahren bereits eine Form der Demenzerkrankung festgestellt worden war. Die 620 weiteren Proben wurden als Kontrollgruppe dagegen so herausgesucht, dass sie in Alter, Geschlecht und Bildungsniveau denen der Probanden aus der Gruppe der Erkrankten entsprachen.

Neben der Amyloid-β-Bestimmung und Auswertung zogen die Forscher auch andere Daten wie Vorerkrankungen, Lebensstilfaktoren und die Bestimmung eines Gens heran, das mit einer Alzheimer-Erkrankung in Verbindung stehen könnte.

Bis zu 23-fach erhöhtes Risiko erkennbar

Für die Menschen, die später tatsächlich Alzheimer entwickelten, zeigte die Amyloid-Bestimmung ein gegenüber der Kontrollgruppe bis zu 23-fach erhöhtes Erkrankungsrisiko an - bis zu 14 Jahre vor der Diagnose der Alzheimer-Demenz. Bei anderen Demenzformen, die etwa auf Minderdurchblutung des Gehirns beruhen, lieferten die Untersuchungen keine Hinweise auf erhöhte Risiken. Die Amyloid-Bestimmung ist also spezifisch für die Alzheimer-Erkrankung.

Für die Risikovorhersage spielte es keine wesentliche Rolle, ob zwischen Entnahme der Blutprobe und dem Beginn von Alzheimer 0 bis 8 oder 8 bis 14 Jahre lagen.

Doch wollen Patienten wirklich Jahre vorher wissen, wie hoch ihr Alzheimer-Risiko ist? "Bei dieser Arbeit ging es uns nicht darum, anhand der Amyloid-β-Faltung individuelle Diagnosen zu erstellen", sagt Hannah Stocker. "Vielmehr wollten wir prüfen, ob dieser Laborwert für eine Risikostratifizierung größerer Bevölkerungsgruppen geeignet ist. Hier hat sich die Untersuchung auf Fehlfaltung des Amyloid-β den anderen potenziellen Risikomarkern als weitaus überlegen erwiesen", fasst die Studienleiterin zusammen.

Mit dem nicht-invasiven und kostengünstigen Nachweisverfahren, bei dem mit Infrarotlicht gearbeitet wird, könnten in Zukunft Gruppen von Hochrisikopatienten identifiziert und eventuell sogar behandelt werden. Denkbar ist auch, dass nun ein Medikament gegen Alzheimer entwickelt werden kann. Doch zuvor sind weitere Studien nötig. Die Heidelberger Forscher wollen nun die Zuverlässigkeit der Analyse von Amyloid-β-Veränderungen in größeren Gruppen ermitteln: Ist die Blut-Untersuchung auffällig, so muss dies durch ein etabliertes Verfahren zur Frühdiagnose von Alzheimer bestätigt werden, etwa durch eine Untersuchung des Nervenwassers oder durch spezielle Bildgebungsverfahren. Daher steht der Blut-Nachweis von fehlgefaltetem Amyloid-β derzeit noch nicht zur individuellen Risikoeinschätzung zur Verfügung.

Die Ergebnisse wurden im Fachjournal "Alzheimer & Dementia" veröffentlicht.

Quelle: n-tv.de, jaz

Mehr zum Thema