Analyse von NebenwirkungenStudie sieht höheres Risiko für Augenschäden bei Wegovy als bei Ozempic

Wegovy, Ozempic und Co. revolutionieren die Behandlung von Übergewicht. Doch eine neue Studie deutet darauf hin, dass bestimmte Präparate möglicherweise das Risiko für eine schwere Augenerkrankung erhöhen könnten.
Millionen Menschen weltweit nehmen inzwischen Medikamente wie Wegovy oder Ozempic, um Gewicht zu verlieren. Die sogenannten GLP-1-Präparate dämpfen den Appetit, beeinflussen den Stoffwechsel und helfen vielen Patienten beim Abnehmen. Doch mit der wachsenden Verbreitung der Wirkstoffe mehren sich auch Berichte über mögliche Nebenwirkungen - darunter auch Probleme mit der Sehkraft.
Eine neue Analyse eines kanadischen Forschungsteams weist nun auf einen möglichen Zusammenhang zwischen bestimmten GLP-1-Medikamenten und einer seltenen Form von Sehnervschädigung hin. Die Studie erschien im Fachjournal "British Journal of Ophthalmology". Im Mittelpunkt steht die sogenannte ischämische Optikusneuropathie (ION). Dabei wird der Sehnerv plötzlich nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt. Die Folge kann ein rascher und teilweise dauerhafter Sehverlust sein.
Für ihre Analyse wertete das Forschungsteam Meldungen über Nebenwirkungen aus der Datenbank der US-Arzneimittelbehörde FDA aus. Die Daten stammen aus den Jahren 2017 bis 2024 und umfassen mehr als 30 Millionen gemeldete unerwünschte Ereignisse. Die Wissenschaftler untersuchten insbesondere Fälle im Zusammenhang mit dem Wirkstoff Semaglutid, der in verschiedenen Präparaten eingesetzt wird - etwa in Wegovy, Ozempic und Rybelsus.
Männer offenbar stärker betroffen
In der Datenbank fanden sich den Forschenden zufolge insgesamt 28 Meldungen über ION im Zusammenhang mit Wegovy und 47 im Zusammenhang mit Ozempic. Da Ozempic jedoch deutlich länger verschrieben wird und dadurch viel mehr Menschen das Präparat eingenommen haben, ergab die statistische Analyse dennoch einen stärkeren Sicherheitssignal-Hinweis für Wegovy. Den Berechnungen zufolge war die Wahrscheinlichkeit einer gemeldeten ION bei Wegovy-Nutzern rund 4,7-mal höher als bei Ozempic.
"Diese Ergebnisse erweitern unsere frühere globale Analyse", schreiben die Autoren. Während frühere Studien lediglich eine Verbindung zu einem bestimmten Wirkstoff festgestellt hätten, liefere die neue Untersuchung "den ersten Hinweis auf ein präparate- und dosisabhängiges Risiko für eine ischämische Optikusneuropathie - mit der stärksten Assoziation bei Wegovy".
Ein weiterer interessanter Befund: Männer, die Medikamente mit Semaglutid einnahmen, meldeten etwa dreimal häufiger Fälle der Sehnervschädigung als Frauen. Die Autoren betonen allerdings, dass es sich lediglich um statistische Zusammenhänge aus einer Nebenwirkungsdatenbank handelt. Daraus lasse sich kein tatsächliches Risiko für alle Patienten ableiten.
"Diese Ergebnisse weisen auf ein mögliches dosisabhängiges Sicherheitsproblem hin, das dringend in prospektiven Studien untersucht werden sollte, um Verschreibungsrichtlinien und regulatorische Entscheidungen zu unterstützen", schreiben die Forschenden.
Ursache noch unklar
Warum GLP-1-Medikamente möglicherweise mit Sehproblemen in Verbindung stehen, wurde in der Studie nicht untersucht. Eine mögliche Erklärung: Höhere Dosierungen - wie sie etwa bei Wegovy eingesetzt werden - könnten den Blutdruck senken und dadurch die Durchblutung des Sehnervs beeinträchtigen, vermutet das Forschungsteam.
Parallel wächst das wissenschaftliche Interesse an den vielfältigen Wirkungen dieser Medikamente. Neben ihrer Rolle bei Gewichtsreduktion und Blutzuckerregulation werden sie auch mit anderen Effekten in Verbindung gebracht - von einem möglicherweise geringeren Krebsrisiko bis hin zu einem erhöhten Risiko für Depressionen.
In einem begleitenden Kommentar betonen Forschende der University of Southampton, wie wichtig weitere Untersuchungen sind. Angesichts der stark steigenden Nutzung von Abnehmmedikamenten müsse man deren Nutzen und Risiken sorgfältig abwägen. "Weitere Studien mit detaillierten Daten sind notwendig, um die Auswirkungen von Anti-Adipositas-Medikamenten auf das Auge besser zu verstehen - insbesondere angesichts ihrer zunehmenden Verbreitung."