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Anzeichen, Behandlung, UrsachenParkinson ist weit mehr als zitternde Hände

11.04.2026, 15:10 Uhr
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Das offensichtlichste Symptom für Parkinson ist das Zittern der Hände. Doch Betroffene leiden unter einer ganzen Reihe anderer Krankheitszeichen. (Foto: imago / Astrid08 / Panthermedia)

Bei Parkinson denken viele an zitternde Hände, mit denen sich kaum ein Wasserglas halten lässt. Dabei hat die Erkrankung viele Gesichter. Welche das sind, was zu den ersten Anzeichen gehört und wie sie Parkinson aufhalten lässt - sieben Fakten im Überblick:

Verklumpte Eiweiße im Gehirn sind die Übeltäter

Morbus Parkinson ist eine chronische Erkrankung des Gehirns. "Hierbei verklumpt das körpereigene Eiweiß Alpha-Synuclein im Mittelhirn", sagt der Neurologe Professor Andrés Ceballos-Baumann, Chefarzt der Parkinson-Fachklinik an der Schön Klinik in München-Schwabing. Durch diese Verklumpungen funktionieren Zellen im Gehirn nicht mehr richtig und sterben letztendlich ab. Mit Auswirkungen: Der Körper bildet weniger Dopamin. Aber fehlt dieser wichtige Botenstoff, sind Bewegungen nicht mehr so möglich, wie man es bislang kannte. Sie sind dann schlechter steuerbar.

Warum es zu einer Parkinson-Erkrankung kommt, ist bislang nicht vollständig erforscht. "Es gibt aber Hinweise darauf, dass neben dem Alter auch andere Erkrankungen, Genetik und Umwelteinflüsse eine Rolle spielen könnten", so Brit Mollenhauer, dritte Vorsitzende im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen.

Zitternde Hände sind nur ein Symptom

Der Mangel an Dopamin kann zu zitternden Händen im Ruhezustand führen, Tremor nennt sich das. Weitere mögliche Auswirkungen sind:

  • Muskelsteifheit (Rigor) 

  • verlangsamte Bewegungen (Bradykinese) 

  • kleiner werdende Bewegungen (Akinese) 

  • instabile Körperhaltung

"Die Erkrankung geht teilweise auch mit sogenannten Freezing-Momenten einher, wobei mit Freezing das Einfrieren von Bewegungen gemeint ist", sagt Mollenhauer. Beispielsweise erstarrt der Körper, wenn die Ampel auf Grün schaltet und man schnell losgehen möchte.

Eine Parkinson-Erkrankung kann aber auch Symptome abseits von Bewegungsstörungen haben, etwa:

  • Schwierigkeiten beim Sprechen und Schlucken

  • Riechstörungen

  • Verdauungsprobleme

  • Schlafstörungen

  • Depressionen

  • geistige Beeinträchtigungen bis hin zur Demenz

Schlafstörungen können frühe Anzeichen sein

Erste Anzeichen können bereits viele Jahre vor den Hauptsymptomen auftreten. "Dazu gehören beispielsweise REM-Schlaf-Verhaltensstörungen", sagt Andrés Ceballos-Baumann. REM ist die Abkürzung für "Rapid Eye Movement", was so viel wie "schnelle Augenbewegung" bedeutet. Betroffene schreien, schlagen oder treten in dieser Schlafphase um sich. "Auch teilweise aggressive und wiederkehrende Träume zählen zu REM-Schlaf-Verhaltensstörungen", so Brit Mollenhauer, die Chefärztin der Paracelsus-Elena-Klinik in Kassel ist.

Weitere frühe Anzeichen können sein:

  • eine verkleinerte Handschrift

  • Riechstörungen

  • einseitige Schulterschmerzen

  • vermindertes Mitschwingen der Arme beim Gehen

  • Verstopfung

  • leiser werdende Stimme

  • ein maskenhaft wirkender Gesichtsausdruck

Bei Parkinson-Verdacht ist Neurologie die richtige Adresse

Hat man den Verdacht, möglicherweise Parkinson zu haben, ist ein Facharzt oder eine Fachärztin für Neurologie die richtige Anlaufstelle. Im Fokus der Diagnostik stehen Symptome wie Bewegungsarmut, Muskelsteifigkeit, Ruhezittern und körperliche Instabilität. "Ein Parkinson-Syndrom liegt vor, wenn sich mindestens ein Kernsymptom zeigt, wie verlangsamte oder kleiner werdende Bewegungen plus ein weiteres Kernsymptom wie Zittern in Ruhe oder Muskelsteifigkeit", so Ceballos-Baumann. Auch bildgebende Verfahren des Gehirns wie MRT und CT kommen zum Einsatz.

Eine weitere Methode, um die Diagnose Parkinson-Krankheit abzusichern, ist die Einnahme des gängigen Parkinson-Mittels L-Dopa. "Kommt es dadurch zu einer deutlichen Verbesserung der Beschwerden, spricht das für die Parkinson-Krankheit im engeren Sinne", sagt Ceballos-Baumann.

Medikamente sollen den Dopaminmangel ausgleichen

Medikamente können den Alltag erleichtern. "Die Symptome lassen sich lindern, indem der Körper Dopamin als Arzneimittel zugeführt bekommt", sagt Mollenhauer. Je nach Art und Schwere der Symptome bekommen Betroffene Physiotherapie, Logopädie und Ergotherapie verordnet. "So können sie über viele Jahre eine gute Lebensqualität haben", sagt Ceballos-Baumann.

Gut zu wissen: Die Wirkung der Medikamente kann sich mit Fortschreiten der Erkrankung verändern. Die Ärztin oder der Arzt muss daher die Dosierung und Kombination der Parkinson-Medikation häufig anpassen. Für eine optimale Wirkung sind die Medikamente zu festen Uhrzeiten einzunehmen. Es kann aber durch die Arzneimittel zu Nebenwirkungen kommen. Dazu zählen laut Ceballos-Baumann etwa Übelkeit, Schwindel oder Halluzinationen.

Spezielle Kliniken bieten Parkinsonpatienten stationär Medikamentenein- und -umstellungen auch in Kombination mit Anwendungen wie Physio- und Ergotherapie an. Multimodale Komplextherapie nennt sich das.

Neben Medikamenten in Tablettenform gibt es auch andere Formen wie Pflaster oder die Möglichkeit von Medikamentenpumpen. Zudem steht die Tiefe Hirnstimulation (THS) als Möglichkeit vor allem für jüngere Patientinnen und Patienten zur Verfügung, um Medikamente einzusparen.

Hilfsmittel erleichtern den Alltag

Es gibt verschiedene Hilfsmittel, mit denen Parkinson-Erkrankte leichter durchs Leben kommen. Drei Beispiele:

  • Spezielles Besteck: Messer, Gabel und Löffel haben Griffe, die mit einem weichen Material ummantelt sind. "Solche Griffe erleichtern das Greifen, wenn die Greifkraft nachlässt oder die Feinmotorik beeinträchtigt ist", so Ceballos-Baumann.

  • Anziehhilfen: Sie gibt es für Socken und Schuhe. Das Prinzip: Sie "verlängern" die Arme, sodass man sich ohne Bücken oder große Anstrengung selbstständig anziehen kann.

  • Tremor-Maus für den PC: Sie filtert die Zitterbewegungen der Hand elektronisch heraus, damit der Rechner leichter zu bedienen ist.

Der Name Parkinson geht auf einen Arzt zurück

Benannt ist die Erkrankung nach dem englischen Arzt James Parkinson: Er hat die Hauptsymptome der "Schüttellähmung" im Jahr 1817 erstmals beschrieben. An seinem Geburtstag am 11. April wird deshalb der Welt-Parkinson-Tag begangen.

Quelle: ntv.de, jaz/dpa

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