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Auslöser im Mund?Karies-Bakterium steht unter Parkinson-Verdacht

08.01.2026, 08:25 Uhr
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Der Karies-Hauptverursacher, das Bakterium Streptococcus mutans (KI-generierte Illustration). (Foto: KI-Illustration/jaz/gemini)

Millionen verschiedener Arten von Mikroorganismen befinden sich im Mund. Nun kann ein Forschungsteam ein Bakterium ausmachen, das im Zusammenhang mit der Parkinson-Krankheit stehen könnte. Es ist gleichzeitig der Hauptverursacher von Karies.

Streptococcus mutans heißt das häufig auftretende Mundbakterium, das im Verdacht steht, Morbus Parkinson auszulösen. Ein Forschungsteam aus Südkorea hat es identifiziert und damit weitergeforscht. Die Ergebnisse der Untersuchung, die bei "Nature Communications" veröffentlicht wurden, deuten darauf hin, dass die Mundgesundheit nicht nur das Herz-Kreislauf-System, sondern auch das Gehirn schützt.

Parkinson ist weltweit die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung. Sie wird meist nach dem 60. Lebensjahr diagnostiziert, kann aber auch bei jüngeren Menschen auftreten. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen. Die Ursachen für Parkinson sind komplex. Eine Kombination aus Genetik, Umweltfaktoren und dem Alterungsprozess wird als Hauptauslöser gesehen. Ergebnisse aus älteren Untersuchungen deuteten bereits darauf hin, dass Parkinson-Betroffene eine andere Darmflora haben als gesunde Menschen. Welche Mikroorganismen damit im Zusammenhang stehen, blieb bisher jedoch unklar.

Das Forschungsteam sah sich deshalb zuerst die Darmflora von Parkinson-Betroffenen genauer an. Dabei wurden erhöhte Konzentrationen von Streptococcus mutans festgestellt. Dieses Bakterium führt zur Produktion zweier Substanzen: Urocanatreduktase, kurz UrdA und Imidazolpropionat, kurz ImP. Beide befanden sich in erhöhter Konzentration im Darm und im Blutkreislauf der Parkinson-Betroffenen. Es gibt bereits Hinweise darauf, dass ImP durch den Körper wandern, das Gehirn erreichen und zum Verlust von Dopamin produzierenden Neuronen beitragen kann.

Mäuse im Labor zeigen Parkinson-Merkmale

Um zu einem besseren Verständnis der Zusammenhänge zu kommen, machte das Team Experimente mit Mäusen. Sie brachten den Kariesverursacher einerseits direkt in den Darm der Tiere oder veränderten das Darmmikrobiom derart, dass es UrdA produzierte. Bei beiden Experimenten konnten die Forschenden einen Anstieg des ImP-Spiegels im Blut und im Hirngewebe messen.

Die Nager entwickelten zudem verschiedene charakteristische Merkmale der Parkinson-Krankheit, darunter Schädigungen der Neuronen, die Dopamin freisetzen, verstärkte Entzündungen im Hirn, Bewegungsstörungen und eine Anreicherung des sogenannten Alpha-Synucleins, einem Protein, das eng mit dem Fortschreiten der Krankheit in Verbindung steht.

"Unsere Studie liefert ein mechanistisches Verständnis dafür, wie orale Mikroben im Darm das Gehirn beeinflussen und zur Entwicklung der Parkinson-Krankheit beitragen können", sagte Ara Koh, der die Untersuchung leitete. Sie unterstreiche das Potenzial, die Darmmikrobiota als therapeutische Strategie zu nutzen und eröffne zugleich eine neue Richtung für die Parkinson-Behandlung.

Quelle: ntv.de, jaz

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