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Erde unter Beschuss Asteroiden-Einschläge werden häufiger

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Illustration des katastrophalen Asteroideneinschlags auf der Erde, der vor etwa 66 Millionen Jahren die meisten Dinosaurier und ein Großteil aller anderen Tierarten ausgerottet haben soll.

Don Davis, Southwest Research Institute / dpa

Das Aussterben der Dinosaurier nach einem solchen Ereignis zeigt: Der Einschlag eines Asteroiden kann den Lauf der Geschichte verändern. Nun haben Forscher Überraschendes herausgefunden: Die Erde bekommt wesentlich mehr Treffer ab als einst.

Der Asteroidenbeschuss der Erde hat vor knapp 300 Millionen Jahren auf das Zwei- bis Dreifache zugenommen. Das schließen Forscher aus einer Altersanalyse von Einschlagkratern auf dem Mond. Die Wissenschaftler um Sara Mazrouei von der Universität Toronto (Kanada) stellen ihre Arbeit im US-Fachblatt "Science" vor. Der Grund für den Anstieg ist demnach nicht geklärt.

Seit Langem untersuchen Forscher die Einschlaghäufigkeit von Asteroiden im Verlauf der Erdgeschichte. Das ist nicht so einfach, weil Plattentektonik und Erosion Krater über geologische Zeiträume verschwinden lassen können. Das Team analysierte daher einen Himmelskörper, der dieselbe Einschlagwahrscheinlichkeit hat wie die Erde, aber keine Plattentektonik und kaum Erosion - den Mond. "Das einzige Hindernis dabei war, eine präzise Methode zur Datierung großer Krater auf dem Mond zu finden", erläutert Ko-Autor William Bottke vom Southwest Research Institute in Boulder (Colorado).

Messung mit Mondsonde "Lunar Reconnaissance Orbiter"

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"Junge" Einschlagkrater auf dem Mond.

(Foto: Ernie Wright, NASA Goddard/dpa)

Das ist den Wissenschaftlern nun gelungen: Mit der Mondsonde "Lunar Reconnaissance Orbiter" (LRO) der US-Raumfahrtbehörde Nasa maßen sie während der Mondnacht die Wärmeabstrahlung aus Einschlagkratern unseres Trabanten. Große Felsbrocken sind dabei wärmer als feiner gemahlenes Material. Das lässt wiederum Rückschlüsse auf das Alter der Krater zu, denn in jüngeren Einschlagkratern finden sich mehr große Brocken, weil diese im Laufe der Jahrmillionen durch einen konstanten Hagel von Kleinstmeteoriten aus dem Weltall nach und nach zermahlen werden.

Die Forscher datierten auf diese Weise alle größeren Mondkrater, die in der vergangenen Milliarde Jahre entstanden sind. Die zeitliche Verteilung brachte eine Überraschung: Vor 290 Millionen Jahren ist die Rate der Asteroideneinschläge plötzlich auf das Zwei- bis Dreifache angestiegen. Dasselbe muss für die Erde gelten, auf der sich ebenfalls weniger alte Krater finden als jüngere. "Diese Forschung enthüllt, dass die Erde nicht wegen der Erosion weniger ältere Krater auf festem Terrain besitzt, sondern weil die Häufigkeit der Treffer bis vor 290 Millionen Jahren niedriger war", erläuterte Bottke.

Noch keine Erklärung für Anstieg

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Grafik zum Anstieg der Einschlags-Rate auf Mond und Erde.

(Foto: Dr. R. Ghent, University of Toronto/dpa)

Warum die Häufigkeit der Asteroideneinschläge damals plötzlich gestiegen ist, können die Forscher noch nicht erklären. Möglicherweise hätten große Kollisionen im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter vermehrt Asteroiden auf Crashkurs zur Erde geschleudert, spekulieren sie. "Wir können diese Technik nun anwenden, um die Oberflächen anderer Planeten daraufhin zu untersuchen, ob sie vielleicht ebenfalls mehr Einschläge zeigen", so Bottke.

Die Ergebnisse haben nach Ansicht des Asteroidenexperten auch Bedeutung für die Geschichte des Lebens auf der Erde, die durchbrochen sei von Massenaussterbeereignissen und der raschen Evolution neuer Arten: "Auch wenn die Antriebskräfte hinter diesen Ereignissen kompliziert sind, haben Asteroideneinschläge sicherlich eine Rolle in dieser andauernden Saga gespielt."

Quelle: n-tv.de, Till Mundzeck, dpa

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