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Klinik in Buer bestätigt Häufung Babys mit Fehlbildungen geben Rätsel auf

Dass Kinder mit singulären Fehlbildungen am Arm oder Bein zur Welt kommen, ist relativ selten. Auf einer Geburtsstation in Gelsenkirchen gibt es in kurzer Zeit drei solcher Fälle. Das bereitet Experten Sorge, auch weil eine Übersicht fehlt.

In Frankreich gab es in den vergangenen Jahren bereits mehrere Fälle, jetzt wurden auch in Deutschland mehrere Babys mit Fehlbildungen an den Händen geboren. Allein zwischen Juni und Anfang September 2019 kamen in einem Krankenhaus drei Babys mit deformierten Händchen zur Welt. Das bestätigte das Sankt Marien-Hospital Buer in einer Stellungnahme.

"Bei zwei der betroffenen Kinder war die linke Hand deformiert", so das Krankenhaus. "Bei einem Kind war die rechte Hand betroffen." Die Unterarme der Kinder seien normal entwickelt, Handteller und Finger dagegen "nur rudimentär angelegt". Weitere Fehlbildungen seien bei den Kindern nicht diagnostiziert worden.

Keine Gemeinsamkeiten festgestellt

Laut der Klinik kämen statistisch gesehen ein bis zwei Prozent aller Babys mit unterschiedlich stark ausgeprägten Fehlbildungen zur Welt. Aber drei Babys mit fehlenden Händen machen selbst die erfahrenen Mediziner stutzig. "Fehlbildungen dieser Art haben wir viele Jahre lang nicht gesehen", erklärte das Krankenhaus. Es könne natürlich sein, dass sich die Fälle gerade zufällig häuften. "Wir finden jedoch den kurzen Zeitraum, in dem wir jetzt diese drei Fälle sehen, auffällig."

Was die Fehlbildungen bei den Babys ausgelöst haben könnte, ist noch unklar. Bisher steht nur fest: Alle drei Familien wohnen in der Gegend rund um das Sankt Marien-Hospital Buer. "Wir konnten keine ethnischen, kulturellen oder sozialen Gemeinsamkeiten der Herkunftsfamilien sehen", so die Klinik.

Fehlbildungen an Armen und Beinen können laut der Geburtsklinik beispielsweise durch Infektionen während der Schwangerschaft oder Schadstoffe auftreten. Auch wenn beispielsweise die Nabelschnur im Mutterleib Gliedmaßen abschnürt, könne das dazu führen, dass sich Körperteile schlechter weiterentwickeln. Fehlbildungen an Extremitäten seien aber extrem selten, heißt es in dem Statement.

Verdachtsfall Pestizide

Auch bei den Fällen in Frankreich wird noch untersucht, was hinter den Fehlbildungen steckt. Dort wohnen alle betroffenen Familien im ländlichen Raum. Könnten also Pestizide für die fehlenden Gliedmaßen verantwortlich sein? Die Behörden untersuchen auch, ob die Mütter in der Schwangerschaft alle etwas Bestimmtes gegessen, getrunken oder eingeatmet haben könnten.

Ob es deutschlandweit noch mehr Babys gibt, die mit fehlenden Händen zur Welt kamen, ist unklar. Es gibt keine Stelle, bei der solche Fälle gemeldet werden müssen. Katharina Desery, die Pressesprecherin des Vereins "Mother Hood e.V." kritisiert das im Gespräch mit RTL. Um zu erfahren, ob, wann und wo solche Fälle auftreten, "brauchen wir eine anonymisierte Statistik. Auch die Gelsenkirchener Klinik kritisiert, dass es kein Melderegister gibt. Sie hätten nun zu einer Expertin in Sachen Embryotoxikologie an der Berliner Charité Kontakt aufgenommen.

Quelle: n-tv.de, shu/rtl.de

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