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Rebhuhn und Kiebitz gefährdet Bestand an Brutvögeln sinkt drastisch

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Die Bestände von Rebhuhn und Kiebitz nahmen seit 1992 um fast 90 Prozent ab.

(Foto: picture alliance/dpa)

Einer neuen Untersuchung zufolge ist die Zahl der heimischen Vogelpaare innerhalb von 24 Jahren stark zurückgegangen. Vor allem in offenen Agrarlandschaften macht sich der Vogelschwund bemerkbar. Für Populationen in Waldgebieten gibt es hingegen positive Nachrichten.

Auf Wiesen und Äckern sind heimische Vögel weiter auf dem Rückzug - im Wald hingegen wachsen die Vogelbestände. Dies geht aus einer Bestandsaufnahme hervor, die laut Bundesamt für Naturschutz (BfN) auf Tausenden, überwiegend von Ehrenamtlichen gesammelten Datensätzen zum Vogelbestand beruht. Demnach ging der Bestand an Brutpaaren von 1992 bis 2016 um mehr als sieben Millionen Paare zurück.

Somit leben heute etwa acht Prozent weniger Brutvögel in Deutschland als noch vor 24 Jahren. Vor allem in der Agrarlandschaft halten die Rückgänge an, wie die vom Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA), der Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten und dem BfN gemeinsam erarbeitete aktuelle Bestandsaufnahme ergab.

"In den offenen Agrarlandschaften ist der Bestand an Brutpaaren über ein Vierteljahrhundert um etwa zwei Millionen zurückgegangen", mahnte die BfN-Präsidentin Beate Jessel. "Eine Trendwende zeichnet sich bislang nicht ab - dies unterstreicht erneut die Dringlichkeit von Reformen in der Landwirtschaftspolitik."

So nahmen demnach die Bestände von Rebhuhn und Kiebitz seit 1992 um fast 90 Prozent ab. Ähnlich dramatisch ist den Angaben zufolge die Entwicklung bei Uferschnepfe, Bekassine und Braunkehlchen, die als Lebensraum Feuchtwiesen und wenig intensiv genutzte Weiden benötigen.

Waldvögel-Population erholt sich

Der DDA-Vorsitzende Bernd Hälterlein erklärte, manche Vogelarten in den Agrarlandschaften seien "mittlerweile so selten geworden, dass sie über weite Bereiche unserer Landschaften gar nicht mehr anzutreffen sind, wie zum Beispiel der Vogel des Jahres 2020, die Turteltaube". Größere Verbreitungslücken würden unterdessen auch bei ehemals häufigen Arten wie der Feldlerche verzeichnet.

"Auch wenn die Verluste ein düsteres Bild des Zustands unserer Agrarvögel zeichnen, können wir den Rückgang stoppen", betonte Stefan Jaehne von der Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten. "Davon zeugen beispielsweise die erfolgreichen Artenschutzprogramme für Großtrappe und Wiesenweihe." Allerdings müsse vorausschauender Vogelschutz "künftig deutlich eher handeln".

Im Gegensatz zur Agrarlandschaft verzeichneten die Experten im Wald und in Siedlungen in den vergangenen Jahren eine deutliche Erholung der Vogelbestände. So kamen im Zeitraum von 2005 bis 2016 etwa anderthalb Millionen Waldvögel und eine halbe Million Vögel in den Siedlungsbereichen hinzu.

Die Ursachen für diese positive Entwicklung sind laut BfN noch nicht ganz klar. Eine wichtige Rolle spiele sicher das Älterwerden der Wälder und eine naturnähere Forstwirtschaft. Im Siedlungsbereich profitieren demnach einige Vogelarten wohl auch von zunehmender Begrünung.

Quelle: ntv.de, jpe/AFP