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A+ oder doch 0? Blutgruppe könnte Covid-Verlauf entscheiden

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Blut ist auch bei der Immunantwort ein ganz besonderer Saft.

(Foto: Kay Nietfeld/dpa/Symbolbild)

Der Zusammenhang fällt schon chinesischen Forschern auf, nun können ihn norwegische und deutsche Wissenschaftler in einer Studie zeigen. Menschen mit bestimmten Blutgruppen erleiden bei einer Covid-19-Erkrankung häufiger Atemversagen.

Schon länger wird vermutet, dass bei der Immunabwehr gegen das Coronavirus genetische Faktoren eine Rolle spielen könnten. Eine neue Studie norwegischer und deutscher Wissenschaftler zeigt nun einen Zusammenhang zwischen bestimmten Blutgruppen und der Wahrscheinlichkeit eines Atemversagens während einer Coronavirus-Infektion.

Die Forscher um Tom Karlsen vom Osloer Universitätsklinikum und Andre Franke von der Universität Kiel konnten auf Blutproben von 1610 Patienten zurückgreifen, die auf dem Höhepunkt der Epidemie in sieben Kliniken in Spanien und Italien wegen einer schweren Covid-19-Erkrankung behandelt wurden.

Das DNA-Material dieser Patienten wurde extrahiert und an bestimmten Stellen untersucht, an denen es häufig zu Varianten kommt. Die dabei gefundenen genetischen Merkmale wurden dann mit denen von 2205 gesunden Blutspendern aus beiden Ländern verglichen. Dabei fanden die Wissenschaftler heraus, dass Menschen mit dem Bluttyp A+ ein höheres Risiko für Atemversagen aufgrund von Covid-19 haben. Menschen mit Typ-0-Blut waren hingegen besser vor dem Virus geschützt.

Zwei heikle Stellen

Die vorab veröffentlichten Ergebnisse der norwegischen und deutschen Wissenschaftler zeigen, dass die Variante "rs657152" zu 32 Prozent häufiger und die Variante "rs11385942" zu 77 Prozent häufiger bei den Covid-19-Patienten auftrat als in der Kontrollgruppe. Bei "rs657152" handelt es sich um die Variante, die sich auf dem Chromosom 9q34 im ABO-Gen befindet, das die Blutgruppeneigenschaften bestimmt. Die Forscher weisen darauf hin, dass "rs657152" bereits mit erhöhten Interleukin-6-Konzentrationen bei übergewichtigen Kindern in Verbindung gebracht wurde. Die Variante "rs11385942" betrifft die Antwort auf Entzündungsgeschehen im Körper.

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Chinesischen Forschern war schon bei früheren Untersuchungen aufgefallen, dass überdurchschnittlich viele Covid-19-Patienten die Blutgruppe A hatten. Auch sie vermuteten bereits eine gewisse Schutzwirkung der Blutgruppe 0. Außerdem ist schon seit Längerem bekannt, dass Menschen mit der Blutgruppe 0 kaum an schwerer Malaria erkranken. Blutgruppe A ist hingegen eher gegen die Pest gefeit.

In Deutschland haben 37 Prozent der Menschen die Blutgruppe A+ und 35 Prozent die Blutgruppe 0+. Die Blutgruppe B+ kommt bei neun Prozent der Menschen in Deutschland vor, die Blutgruppen A- und 0- bei jeweils sechs Prozent. Am seltensten sind die Blutgruppen AB+ mit vier Prozent, B- mit zwei Prozent und AB- mit einem Prozent.

Quelle: ntv.de, sba